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Freit Zeitung.

âerheit und Recht!"

j^ AA Wiesbaden Mittwoch, 3 Mai 18L8.

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Welche Forderungen stellt der künftige Volksschullehrer an sein Seminar?

Der Geist unserer Volkserzichung fordert fortan eine freiere und vielseitigere Wirksamkeit der Volksschulen; ihre nächste Bedingung ist die freie und würdige Stel­lung ihrer Lehrer. Ich habe mich darüber in dem Auf­sätze: Was erwartet der deutsche Volksschullehrer rc.? ausgesprochen. Damit jedoch die Schule sich dem Le­ben nicht entfremde, damit sie gleichmäßig fortschreite im Geiste der Zeit, muß der Volkslehrer fortan in in­nere Beziehung zum Volksleben treten. Soll er dieser Aufgabe schon vom Beginne seines Wirkens an ge­nügen, den Schulstaub abschütteln und sich zu einem thätigen Bürgerthum qualifiziren lernen, dann muß ihn schon sein Seminar zum vollen Bewußtsein seiner Zeit und zu demjenigen Standpunkte führen, auf wel­chem er allen ihren Anforderungen gewachsen ist.

Der gelehrte Kram und das Sonderbundswesen haben sich von den Gelehrtenschulen in unsere Seminarien cingeschlichen, dort sich in Miniatur zur Pedanterie aus­gebildet und somit die Brücke über die Kluft zwischen denMännern der Wissenschaft" und demVolke" ab­gebrochen. Aber selbst auf Seite der ersteren konnte diese Brücke keinen Anhaltspunkt gewinnen. In klöster­licher Zucht war jedes freiere Studententhum, welches allein noch eine gewisse Aehnlichkeit zwischen dem Se­minaristen und seinem glücklicheren Mitbruder erhalten konnte, entweder untergegangen oder ausgeartet. So an sich selbst irre und von Ändern über die Achsel an­gesehen, trat mancher junge Lehrer seinen Beruf an. Der Verfasser hat mannigfache Gelegenheit gehabt, den Einfluß des WortesSchullehrer" aus dieangesehe­neren Stände" zu bemerken. So stand der Volksschul- lchrer allein, durch den kirchlichen Druck noch mehr ab- geschnitten vom Verkehr mit den Männern der Zeit, indeß man ihn häufig durch Zeitblätter und Büchlein, die manchmal seinem Stande Hohn sprachen, ins Mit­telalter zurück zu versetzen suchte. Und so blieb ihm nichts übrig, als seine wissenschaftliche Bildung aus den Werken unserer Literatur zu schöpfen') und in gesell­schaftlicher Beziehung sich dem Volke wieder enger anzuschließen, von welchem er auch ausgegangen, doch wahrlich zu seinem Heile. Denn gerade dadurch hatte der auf ihm lastende Druck seinen Zweck verfehlt, und gerade hierauf beruht seine Wichtigkeit für die gedeih­liche Entwickelung unserer Zukunft. Es ist Zeit, diese

*) Sollte der instinktmäßige Drang vieler Seminaristen nach dem Lesen der Klassiker nicht hierin einen Grund haben?

Der Vers.

anzucrkenncn, und den Volkslehrer in Wahrheitzuin geistigen Vermittler in der Gesellschaft zu machen. Denn ohne eine gewisse geistige Gleichheit, welche die Volks­schule anbahnt, hat die äußere (bürgerliche), durch die Volksbewaffnung so schön vermittelte keinen befrie­digenden (innern) Halt. Um diesen und somit eine Ver­mittelung zu schaffen, welche weder dem Theologen noch dem Philologen nach dem bisherigen Gange ihrer Aus­bildung gelang, muß der Volköschullehrer schon auf dem Seminare in diejenige Bildung eingeweiht werden, welche vorzugsweise Bedürfniß unsrer Zeit ist, ins Leben eingreift und die geistige Höhe unsers Jahrhunderts bedingt.

Zu dieser Bildung rechne ich vor Allem eine gründ­liche Kenntniß der Geschichte, besonders unsers deutschen Volkes. Nicht ein umständliches Herzählen und Ein­lernen geschichtlicher Momente, noch viel weniger ein bloßes Auknüpfen an den geographischen Unterricht kann genügen; nein, in der Geschichte schaue der Zögling das Leben eines Volkes und seine Beziehungen zur Menschheit; und darum schon verwirft der ächte Ge­schichtsunterricht die bloße bedeutungslose Roscnkrânz- kette der Chronologie wie den stabilen Rahmen der Geo­graphie; der Wichtigkeit desselben für unsere Gegen­wart und Zukunft nicht einmal zu gedenken.

Aber die Geographie selbst wurde nicht auf allen Seminarien in dem Geiste eines Karl Ritter und Hum­boldt gelehrt. Sollte z. B. ein Abfragen nach Canna- bich'skleiner Schulgeographie", diesem politisch-geo­graphisch, statistisch-topographischen Stoppelfeld, geogra­phischer Unterricht genannt werden können?

Ein anderes wichtiges Element in der Bildung des Volkslehrers ist die Naturwissenschaft auf der Grundlage der Chemie und in Begleitung der Ma tHe­rn athik. Landbau und Gewerbe verlangen die Ein­führung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in das Volks­leben. Darf der Volkslehrer hierin gegen den gebilde­ten Fabrikanten zurückstehen? War das nicht die schwache Seite unserer studirten Stände? Man fürchte keine Beförderung des Materialismus vom naturwissenschaft­lichen Unterrichte der Umgang mit der Natur sänf- tigt und erhebt das Gemüth, und der wahre Natur­freund wird auch zum wahren Gottes- und Menschen­freunde. Die Naturwissenschaft zeigt uns die Größe des Mcnschcngkistes, aber auch die Wandelbarkeit des Irdischen und ein Ziel, das unser Geist nur in höhcrn Sphären erreicht. Sie erfüllt uns daher auf der einen Seite mit dem edelsten Selbstbewußtsein, auf der andern mit Demutb. Ihre Aufgabe löst sie aber nur voll­kommen in Begleitung ihrer Schwester, der Mathema- tik, und auf der Grundlage der Chemie, dieses Schlüssels

naturwissenschaftlicher Forschung. Eine solche Ausdeh­nung dieses Unterrichts möchte noch manchem Seminare mangeln; mindestens habe ich in Programmen bis jetzt noch Chemie und Krystallographie vermißt. Daß der mathematische Unterricht auf eine Stufe ge­bracht werde, wo er dem naturwissenschaftlichen würdig zur Seite steht, versteht sich nach dem Gesagten von selbst.

Die wahre Wissenschaft sortiert aber auch ihre An­wendung. Darum darf der Unterricht im Landbau nicht in Anweisungen über Monatsarbeiten, über Banmkitt und Baumschnitt, über Naß- und Trockenlcgcn, Aus- und Untergraben u. f. w. bestehen; sondern er muß in der Wirthschaft der Natur die Begründung der Land- wirthschaft suchen. Ein Unterricht im Geiste Liebig's thut in seinen wesentlichsten Theilen auch dein Semi­naristen Noth, und das war cs, was schon vor dreißig Jahren eine Verbindung der Seminarien mit landwirth- schaftlichen Anstalten so wünschenswerth machte.

Ein köstliches Gut des Volkes ist seine Sprache. Sprache und Sitte sind die Heiligthümer der Na­tionalität, und an ihrer Ausbildung erkennt man die geistige Höhenstufe des Volks. Allein sowie bei Men­schen und Völkern ein wechselseitiger Ideenaustausch die höchste Geistesblüthe bedingt was eben Deutschland als Mittelpunkt europäischer Bildung beweist so möchte auch einer leichtern Auffassung, tieferen und deut­licheren Erkenntniß der Muttersprache die Erlernung einer fremden mindestens höchst förderlich sein. Zu diesem innern Grunde der Einführung des Unterrichts in einer fremden Sprache in unsere Seminarien kommt noch der äußere der Brauchbarkeit, ja öfter» Nothwen­digkeit einer solchen im , geselligen Verkehr. Wegen dieses Letzteren möchte ich die französische Sprache hier empfehlen; .denn der Vorzug der alten Sprachen in logischer Hinsicht kann bei Seminarien nicht berück­sichtigt werden. Jedoch werde es dem Schüler freigc- stellt, ob er am Französischen Theil nehmen wolle oder nicht. Beim Unterrichte im Deutschen selbst dürfte mehr vom Lesen, besonders klassischer Schriften, aus­gegangen und st ylistische Uebung vorzugsweise berück­sichtigt werden.

Der aas den Seminarien bisher vielleicht am voll­kommensten betriebene Untcrrichtszwcig ist die Musik. Cb aber nicht die Ausbildung desselben jetzt, wo die Schule nicht mehr die Magd der Kirche sein darf und sonach der Organistendienst zur Privatsache des Volks- schullchrers wird, zu beschranken sein, dieß ist eine andere Frage; wiewohl die Musik auch als Bildungs- mittel nach der Seite des Gemüthes hin Berücksich­tigung verdient.

Der wichtigste Zweig des Seminarunterrichts ist

Die Begierde nach Schleswig Holstein, der alte Fluch des dänischen Königs­hauses.

(Fortsetzung.)

Im Jahrx 1246 loderte der Kampf wieder zu hel­len Flammen auf. Erich wollte Lübeck erobern und für den Abfall von Dänemark züchtigen. Aber die Lübecker schlugen ihn zur See, die Holsteiner zu Lande. Da schloß er einen Waffenstillstand.

Doch schon im folgenden Jahre reizte Erich aber­mals den Krieg auf, indem er den Herzog Abel wieder­holt zur Lehcnsuuterwcrfuug auffvrdertc und überdies von ihm die Abtretung der Schlösser Swinborg, Arrcs- kow und Skiclskiör verlangte. Abel wiederholte seine Erklärung, daß er das Herzogthum Schleswig als ein unabhängiges Erbland besitze. In Verbindung mit seinen ebenfalls unzufriedenen Brüdern Knut und Christoph fiel er in Fünen ein nnd verbrannte Odensee. König Erich legte dafür Swinborg in Asche, setzte auf die Halbinsel über und zog mit Raub und Brand durch Schleswig und Holstein. Abel eroberte dagegen die Stadt Ripen, wo er viele Höflinge des Königs und auch zwei Prin- zefsincn, Sophie und Ingeburg, gefangen nahm und sie

nach Segeberg in Holstein auf die Festung sandte. Da eilte König Erich herbei, nahm Ripen wieder, ließ den größten Theil der Besatzung über die Klinge springen und verbrannte daun Koldiugen, Hadersleben, Apenrade und viele Dörfer. Nrw die herannahenbe heilige Zeit der Weihnachten machte in diesem schrecklichen Verwü- stungskrieg eine Pause. Am Thomastage 1247 schlossen Erich und Abel einen Waffenstillstand und wechselten ihre Gefangenen aus.

Aber schon im Mai des nächsten Jahres, 1248, standen sich die Brüder abermals in Waffen gegenüber, und ihre Unterthanen mußten die ärgsten Drangsale lei­den. Jetzt neigte sich der Vortheil völlig auf die däni­sche Seite. König Erich verbrannte Flensburg und zog verheerend bis vor Schleswig. Zugleich gewann seine Flotte einen Sieg über die Lübecker und eroberte die Insel Kmarn. Nun war Erich's .Hauptaugenmerk auf die Stadt Schleswig gerichtet, wo sieb Herzog Abel mit auserlesenen Truppen befand. Deßhalb wagte Erich kei­nen offenen Angriff, sondern nahm seine Zuflucht zur List. Durch einen verstellten Rückzug lockte er den Her­zog aus der Stadt. Abel entblößte Schleswig fast ganz von Kriegern und warf sich hitzig auf die Verfolgung des Königs. Inzwischen überrumpelte der dänische Com­

mandant von Rendsburg, Heinrich Acmcltorp, in einem nächtlichen UebcrfaU die Stadt Schleswig und nahm sie so rasch ein, daß^Ahel's Tochter sich in ärmliche Bauern­tracht werfen mußte, um der Gefangenschaft zu entgehen. Auf einem Umweg kam nun Erich in die eroberte Stadt, gab sic seinen Soldaten zur Plünderung preis und schlug daselbst sein Hoflager auf. Abel floh nach Holstein, er­hielt von seinen Schwägern und ehemaligen Mündeln, den Grafen Johann und Gerhard, kräftige Unterstützung, vertrieb den König wieder aus Schleswig und drang verheerend bis ins nördlichste Jütland vor.

Schon war die Erbitterung der Brüder fv luftig, daß sie sich gegenseitig nach dem Leben trackrere», sie offen erklärten, ihr Streit würde hüm ebu in hu, als bis einer von ihnen kalt geworden- und befreundeten Fürsten bemühten ficl> dun 3i Gesandtschaften, den gottlosen Brndernng st" m Z beendigt«. Aber ihre Mül'e war ougc n i C-, dänische »ug Hieb

Fâmvn. De rem die» Ma Är. die «*>«* «9*» Markgrafen Johann von Brandenburg, persönlich nach Flensburg, um Versöhnung zu stiften. Die gute Frau wurde ein Opfer ihrer Bemühung. Die böswillige Hart-