Freie 3M W
„Freiheit und Recht! ^^
AA. Wiesbaden. Samstag, 29. April L8L8.
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Ansichten über Glaube» und die Glcnbens- bekenntnisfe
von Gottfried Ruß.
Die politischen Glaubensbekenntnisse schießen Heuer wie Pilse aus der Erde und bei jeder zufälligen und verabredeten Versammlung finden sich Kandidaten zur Wahl der zu constituirenden Deputirtcukammer, welche sich durch Ablegen sogenannter Glaubensbekenntnisse politische Geltung zu gewinnen suchen.
Der politische Glaube beruht zumeist auf der Ueberzeugung und der auf den Grund der Erfahrung gebauten Erkenntniß, nichtaber, wie dies häufig zu geschehen pflegt, aus dem unbestimmten D a fü r h a l t e n.
Jeder Glaube gewinnt an Zuverlässigkeit durch fremdes Zeugniß, durch den Glauben eines Ändern, der uns als Autorität gilt, wenn nämlich unsere Einsicht und Bildung diesem nicht entgegenstehen, vielmehr wenn sich derselbe als unser eigener Glaube dadurch zu erkennen gibt.
Auf diesen Grundpfeilern ist der (glaube gcrecht- fertiget, nicht blind, sondern sehend, und das Bekenntniß eines solchen Glaubens ist demnach wahr und mithin ehrbar.
Es prüfe sich daher ein Jeder genau, bevor er seinen Glauben, wenn irgend etwas Gutes damit bezweckt werden soll, öffentlich bekennt.
Weit hinein in das Innere der Menschen drang die allbelebtnde Sonne der jüngst errungenen Freiheit, erregt im verborgensten Schacht des Herzens lang geschlummerte Keime des politischen Bewußtseins, allein das zarte Pflänzchen wird noch lange der Pflege bedürfen, bevor man wagen darf, dasselbe allgemein Stürmen, wie die der Gegenwart, ohne Gefahr auszu- setzen.
Diese geistige Erregung, wo sie neu ist, verleitet, wie die Erfahrung lehrt, oft zur Unvorsichtigkeit, Unbesonnenheit und Ucbereilung, wodurch die kaum aufge- gangene Saat der politischen Freiheit unter den Füßen zusammengctrcten zu werden droht und ist daher in so weit zu zügeln, als man ihr nicht Weihrauch streut.
Aechte und wahre volkstümliche Gesinnungen, Ansichten und Meinungen, welche zu besonnenem andauernd thatkräftigem Wirken die nöthige Bürgschaft bieten, bilden sich nicht und sind nicht zu gewinnen, in Wochen und Monden; nein! sie sind das Studium und das Streben eines ganzen Lebens unter beständiger Begleitung der ausgedehntesten Vaterlandsliebe. Ein offen ausgesprochenes politisches Glaubensbekenntniß ist ohne
diesen Hintergrund eine Erscheinung, die zu allerhand Betrachtung Veranlassung gibt.
Das Volk wird auszuwählen wissen, wem eS vorzugsweise die Vertretung der theuersten Interessen an- vertraut und das in langjährigem Streben offen liegende Glaubcnsbekenntniß jedem künstlichen Machwerk vorziehen.
Klarheit unter dem Hut, das Vorhandensein der nöthigen Intelligenz, der Muth auf der Zunge und im Herzen fanden sich nicht bei allen in jüngster Zeit ausgesprochenen Glaubensbekenntnissen.
lieber den Nachtheil der Gewerbfreiheit.
Bei den jetzt allgemein gedrückten Zuständen der Gcwerbtrcibendrn ist es nöthig, unsre so gepriesene Gewerbfreiheit näher zu beleuchten, die Nachtheile derselben herauszusteUcn und die Mittel aufinsuchen, welche geeignet sind, dem geringern Bürger seine Lage zu verbessern.
Die Gewerbfreiheit in ihrer vollen Ausdehnung ist blos für diejenigen Bürger vortheilhast, welche großen Kredit, oder ein großes Betriebskapital haben, wodurch sie in den Stand gesetzt werden, mehrere, oft zu viele Geschäfte zu treiben, während der unbemittelte Bürger kaum im Stande ist, ^as kleinste Geschäft anzufangen, vielweniger mit dem Vermögenden zu konkurriren, weß- halb viele Armen es gar nicht wagen können, irgend ein Geschäft in Betrieb zu nehmen. — In dieser Beziehung verdient die Geschäftsordnung in Frankfurt als Muster vorgestellt zu werden, weil dort gesorgt ist, daß jeder Geschäftsmann leben kann.
Bäcker, Metzger und Wirthe leiden außerdem noch an einem andern Nebel, aus der Schlafzeit der Bürger sich datirend, dem leidigen Accis. Man wendet hier ein: Bäcker, Metzger und Wirthe können den Accis auf ihre Waaren schlagen! — Aber können denn daS nicht andere Geschäfts- und Kaufleute, Müller, Krämer auch, da sie eben so gut freie Preise haben? Und wenn dieß geschieht, wer bezahlt dann den Aecis? Zumeist die ärmere Classe. Ein armer Taglöhner, z. B. der für seine Familie wöchentlich 6 Laib Brod und 2 Pfd. Fleisch verzehrt, bezahlt davon 4 Kr. Accis —, macht jährlich 24 fl. 20 Kr, indessen der Vermögende, der selbst schlachtet, und sein Brod selbst backt, nichts bezahlt. Und wie oft geschieht es, daß, da ohne Borgen nicht wohl mehr ein Geschäft betrieben werden kann, durch Fallimente Kapital sammt Accis verloren gehen! —
Eben so ungleich und ungerecht ist es, daß Land- leute ihre ohne oder mit geringern Steuern belastete
Waaren zur Stadt bringen, verkaufen und den städtischen Geschäftsmann o't sehr beeinträchtigen, der, wenn er Mückgeht oder fallirt, dann der Stadt zur Last fällt!
Diesem Uebel ist unsrer Ansicht nach, einfach dadurch abzuhelfen, daß das freie Einbringen von Waaren und Arbeiten, sie mögen heißen, wie sie wollen, durch, aus verboten und eben so die unbedingte Gnvcrbrfreihrit, als der Mehrzahl der Bürger 'Höchst nachtheilig, nach Maaßgabe der gemachten Erfahrungen auf vernünftige Grenzen zurückgeführt werde.
40. Sitzung brr deutschen Bundesversammlung vom 25. April 1848.
In der heutigen Sitzung wurde der neue Gesandte der provisorischen Regierung für Holstein, Professor v. Maday, eingeführt. Preußen zeigte an, daß der General v. Wrangel zum Oberbefehlshaber der preuß. und der zum 10. Armeecorps gehörigen in Schleswig- Holstein agirenden Truppen ernannt worden sei, worauf diesem General der nach der Kriegsverfassung auszu- stellcndc Revers zugefertigt und derselbe angewiesen wurde, künftig seine Berichte unmittelbar an den Militär- Ausschuß zu richten.
Verschiedene Anzeigen des Oberbefehlshabers des 7. und 8. Armeecorps über die Operationen der Truppen im badischen Oberland wurden verlesen, bei welcher Gelegenheit der badische Gesandte sich anerkennend über die Treue, den Eifer und die Tapferkeit der ope- rireiiden Bundestruppen aussprach.
Der Nassauer Gesandte zeigte an, daß die Nassauer Brigade vom Obristen Alefeld befehligt werde.
Der badische Gesandte zeigte an, daß die Wahlen ^ur Nationalversammlung im ersten % des Monats Mai im Großhcrzogthum Baden würden bewerkstelligt sein; der Gesandte für Luxemburg, daß in Luxemburg und Limburg die nöthigen Einleitungen zur Vornahme der Wahlen getroffen seien.
Der Ocsterrcichische Gesandte zeigte an, daß in allen österr. zum deutschen Bunde gehörigen Ländern die Wahlen zur Nationalversammlung eingelcitct seien, die Abgeordneten aber vor dem 18. k. Monats nicht würden in Frankfurt eintreffen können, und deßhalb die Vertagung der Eröffnung der Nationalversammlung bis zu jenem Zeitpunkt beantragt werden müsse, weil sonst Oesterreich die Beschlüsse einer ohne Mitwirkung seiner Deputütcn zusammcntreteuden Versammlung nicht als bindend anerkennen könne. Diese Anzeigen wurden dem Revisionsausschuß zur baldigen Begutachtung überwiesen.
Ein Herz für Schleswig.
(Fortsetzung.)
Allein der wackere Knut hielt sich um so mehr verpflichtet, keine Gelegenheit zur völligen Aussöhnung zu versäumen, indem er erst vor kurzem der sterbenden Königin Margaretha von Dänemark geschworen hatte, daß er seinerseits keine Veranlassung zum verderblichen Zwist geben, sondern Haß mit Liebe vergelten wollte.
In Rotschild waren die vornehmsten der dänischen Großen versammelt. Sic empfingen den Herzog von Schleswig mit solchen Ehren, haß Knut sogleich einen Eilboten an seine Gemahlin sandte, um ihre Besorgnisse gänzlich zu verscheuchen. Die heiligen Tage wnr- dcn mit glänzenden Festen gefeiert, nach welchen die meisten Gäste sich entfernten, sodaß nur die Häupter der Verschwörung zurückblieben. Knut, den wichtige Regicrungssachen nad) Hause riefen , drang freundlich auf Vornahme der Ucbereinkünfte, um derentwillen er den Besuch gemacht hatte. Da erhielt er eines Mvr- genv durch eine eigene Gesandtschaft die Ladung, nach einem fernab liegenden Waldschlosse zu reiten, wo Magnus mit ihm geheime Unterredung pflegen wollte.
Diese sonderbare Zumuthung mußte Verdacht erregen. Allein Knut bezwang ihn sogleich wieder, denn sein ritterlicher Sinn hielt es für unmöglich, daß sein königlicher Vetter einer so gemeinen Vcrräthcrei fähig wäre. Er nahm also auch diese Einladung an, und obwohl sein ganzes Gefolge ihn begleiten wollte, so wählte er hoch nur vier Reiter, zog auch keinen Panzer an, sondern ritt im Hauskleide, nur einen leichten Stoß- Hegen an der Seite, hinaus..
Auf dem Wege gesellte sich ein wunderlicher Führer zu ihm, ein deutscher Sänger, der unaufgefordert die abenteuerlichsten und schauderhaftesten Sagen von vcrräthcrischem Meuchelmord vortrug. Knut verwies ihm endlich den traurigen Sang und forderte ein lustiges Lied.
Es wäre siindhaft, Herr, wenn ich Euch auf diesem Ritt lustige Licker säugc! rief der Barde mit warnender Betonung, und dabei schlug er den Mantel zurück und zeigte, daß er sich in vollem Harnisch befinde.
Lachend fragte Knut: Sänger, wie paßt das eherne Schlachtkleid zu deinem friedlich tändelnden Gewerbe?
Ein deutsches Herz kann man nicht genug ver- panzern in diesen Landen, und wäre ich "an Eurer
Stelle, mein königlicher Herr, so trüg' ich einen drei- fachen Harnisch.
Weil du furcküsam bist A guter Freund , weil Gesang und Saitenspiel dich verweichlicht haben, sprach der Herzog und spornte sein Roß, gleichsam um den düstern Ahntmgen zu entrinnen, welche der gcheimniß- voUc Sänger in ihm angeregt.
Der Ritt währte lange. Schon befand man sich mitten im dunklen forste. Nun verließen die Führer den gebahnten Pfad und lensten in unwegsames D'ckicku- Knut konnte sich nicht mehr der schlimmsten Besorgnisse erwehren; doch war er zu stolz, sie auszusprechen. Mir gottergebnem Sinn ritt er schweigend vorwärts.
' (Fortsetzung folgt.)
G g m o it t.
Das raumfireben der Direktion unserer Buhns ist jent darauf gerichtet, auch ihres Theil» nicht zmuckzu- brfißen hinter den Bestrebungen unserer Zeit, oder richtiger und aufrichtiger gesagt: der Sinn des Publikums ist von den Brettern, die die Welt bedeuten, so ,ehr