nun weiter: „Es ist barm, b. h. in den Anträgen, welche er mit den übrigen Mitgliedern des Konnte gestellt — nichts verlangt, was nicht schon in Nordamerika, Norwegen u. s. w. längst besteht rc." Daß unter allen civilisirten Nationen die Norweger und Nordamerikaner die beste Verfassung haben, ist unbestreitbar; allein jede politische Schöpfung hat als Menschenwerk in diesem und jenem Gebiete einige Unvollkommenheiten. Darum muß von denjenigen, welche zur Aufführung eines neuen Staatsgebäudes einige Balken herbeitragen wollen, welche sie anderswo geholt haben, vorher untersucht werden, ob sie auch in dasselbe passen. Dieß ist aber von Herrn Schulz und den übrigen Mitgliedern des Comite nicht bei allen Punkten geschehen. Dieß hier nachzuweisen, würde mich zu weit führen. Seite 39 des Lahnboten lesen wir: „ich halte die demokratische Monarchie für die den deutschen Zuständen in dieser Zeit zusagendste Staats-Reform, aber ich glaube, daß Deutschland unaufhaltsam der Republik entgegengeht u. s. w." und weiter unten steht: „ich will die Volks-Souveräns tut ausgedehntesten Sinne, aber ich will sie nicht durch einen Handstreich :e. - sondern durch einen Uebergang, der so gesetzlich ist, als cs die Zeitumstände nur irgend erlauben." Man ersieht aus diesen Aeußerungen, daß der Herr Conrector Schulz nicht ganz deutlich aussprechen mag, zu welcher politischen Farbe er sich bekennt. Mir wenigstens kommt cs so vor, als ob in seiner ganzen politischen Denkungsart etwas Unentschiedenes oder Schwankendes liege. Man weiß nicht recht, ob man aus ihm einen Republikaner oder einen Anhänger der konstitutionellen Monarchie, welche in ihrer gegenwärtigen Reform demokratische Monarchie genannt wird, machen soll. Jetzt, wo der weitaus größte Theil für die letztere sich erklärt, mag er von einer Republik nichts wissen, sollte cs aber in Zukunft dahin kommen, daß man fast allgemein jene verlangt, so stellt er sich auf die Seite der Republikaner. Heißt das nicht, sich biegen und schmiegen, wenn auch nicht Vor einer Person, so doch vor Parteien und vor der Uebermacht? Verräth dieß nicht eine Proteus-Natur? Einen evidenten Beweis dafür, daß eine demokratische Monarchie unter den gegenwärtigen Zcitumständen dae deutschen Nation am meisten zusage, ist er schuldig geblieben ; es wird ihm auch schwerlich gelingen, denselben zu liefern. Ist die republikanische Verfassung die vorzüglichste, dann muß sie zu allen Zeiten einem Volke zusagen — insofern es Freiheit und Gerechtigkeit liebt. Daß ein gewisser Grad von Bildung ein Volk für eine freies d. h. republikanische Verfassung befähige, wird durch die Geschichte und die Erfahrung widerlegt. Ich kehre die Sache um und sage: bte wahre Bildung wird erst durch eine freie — rechtliche Verfassung bedingt und befördert. Meine Meinung ist aber nicht, daß man einem Volke irgend eine Verfassung mit Gewalt aufdriugen müsse, und hielte man sie auch für die allerbeste. Daher mißbillige ich in einem hohen Grade das Treiben eines Hecker, Struve und ihres Anhangs — weil sic dadurch sehr leicht die Brandfackel des Bürgerkriegs auf den deutschen Boden werfen und cs einer auswärtigen Macht erleichtern, in unser Vaterland cinzufallen und dasselbe zu überwältigen. In Versassungsangelkgcuheiten kann nur ber National-Wille entscheiden, welcher freilich nicht immer auf das Wahre und Rechte gerichtet ist. Von welcher Beschaffenheit derselbe in Deutschland ist, wird nächstens fein Organ, das deutsche Parlament in Frankfurt zeigen. Hr. Conrector Schulz äußert weiter: „wenn nicht diesseits und jenseits des Oceans ganz unerwartete Ereignisse eintreten, werden sich viele Fürsten bald freiwillig in den Ruhestand zurückzichen." Auf diese Vermuthung habe ich zu erwiedern: Da die Fürsten nicht aus freien Stücken, sondern nur gezwungen die bekannten Zugeständnisse gemacht haben, so ist wohl nicht zu erwarten, daß sie freiwillig dem Thron entsagen. Mögen sic auch in einer demokratischen Monarchie weiter nichts als die obersten Staatsbeamten sein, oder keine größere Macht haben, als die Königin von England, so werden sie es doch immer noch vor- ziehen, an der Spitze der Völker zu stehen, in der Hoffnung, durch irgend eine für sie günstige Wendung der Dinge das Verlorne wieder zu gewinnen.
Mit welch einer corrupten Idee von der Umgestaltung Deutschlands Herr Schulz sich herumträgt, das ist aus den Worten ersichtlich: Obgleich es für einen Bundesstaat wünschenswerth ist, daß alle einzelnen Staaten möglichst gleiche Verfassungen haben, so sollte man doch nicht ängstlich darauf besteht», daß z. B. Baden dieselbe Verfassung wie Pommern haben müsse. Wie bisher konstitutionelle Staaten neben absoluten im deutschen Bunde bestanden, so könnten als Uebergang, auch so wie bisher schon durch vier Freistädte Republiken in Westdeutschland, im Fall sich die Mehrheit des deutschen Volkes dafür erklären sollte, neben den demokratischen Monarchien des Ostens bestehen. Gesetzt, diese Idee verwirklichte sich in Deutschland, wo wäre dann
Einheit, die man doch so eifrig zu erstreben sucht? Wäre es nicht nach wie vor ein politisches Zerrbild, unb Zerstückelung sein fortwährendes Loos? Soll das Band der Nationas-Einheit alle deutschen Völkerstämme umschlingen, so muß, was schon längst von allen erleuchteten Vaterlandsfreunden ist ausgesprochen worden,
Deutschland nur Eine Constitution haben, welche hinsichtlich der Gesetzgebung, Administration und Gerichtsbarkeit Alles enthält, was die ganze Nation betrifft. Es versteht sich von selbst, daß jeder deutsche Volksstamm oder Theilstaat, z. B. Nassau, Hessen oder Pommern und Schlesien seine besondere Verfassung haben kann, welche in manchen Punkten von einander abweichen mögen, aber der Constitution des Gesammtvatcrlandcs nicht widerstreiten dürfen. Es ist ein Theilstaat souve- rain gegen den andern, aber nicht gegen das Ganze. Ich hätte über diesen Gegenstand noch viel zu sagen wenn es meine Absicht wäre, eine ganz ausführliche Kritik der politischen Ansichten des Herrn Conrektors Schulz zu schreiben. Wie es scheint, huldigt derselbe mit der großen Masse des Juste-milieu dem Wahne, als ob eine Nation einer Pflanze gleich sei, welche nach gewissen Naturgesetzen sproßt, Blüthen treibt und dann wieder dahin welkt; bedenkt aber nicht, daß eine Nation aus Menschen besteht, welche sowohl in politischer, als auch in moralischer Hinsicht zu dem, was sie sind, nicht gemacht werden, sondern sich selbst machen vermöge ihrer freischöpferischen Geisteskraft. Auf diese Bemerkung führt mich die Behauptung des Hrn. Conrektors: „Die Entwickelung Deutschlands würde dann eine ruhigere organischere werden u. s. w." Der sogenannte Bildungs- Fatalismus, der noch so viele Tausende, Gelehrte und Ungelehrte beherrscht, scheint mir aus diesen Worten, wenn ich sie richtig verstehe, hervorzuschimmern. Ich werde denselben bei einer andern Gelegenheit noch näher beleuchten.
Ich habe nun vorhin den Hrn. Conrcktor des Biegens und Schmiegens beschuldigt, jedoch in einem andern Sinne, als er diese Worte in dem gedachten Artikel der Freien Zeitung aufgefaßt hat. Ich kann ihn versichern, daß sie, als ich sie damals niederschrieb, keinen Seitenhieb auf ihn enthalten sollten. Will übrigens der Herr Conrektor sich nicht damit beruhigen und die Sache noch weiter treiben, so sehe ich mich genöthigt, ihu an Thatsachen und Aeußerungen zu erinnern, welche keineswegs geeignet sind, die Aechtheit oder die Viel- jährigkeit feines Liberalismus zu bestätigen.
Was den Artikel der Freien Zeitung Nr. 41, datirt Weilburg den 13; April, betrifft , so bemerke ich, daß es unter meiner Würde ist, auf Ausbrüche «der Leidenschaft und Gemeinheit etwas zu erwiedern. Ich kann nicht glauben, daß er aus der Feder eines sittlich und wissenschaftlich gebildeten Mannes gestossen ist. Doch dem sei, wie ihm wolle, der anonyme Apvlogete des Herrn Conrektors Schulz gehört gu derjenigen Klasse von Menschen, welche nach einer bekannten psychologischen Erfahrung Fehler, von welchen sie selbst stark beherrscht werden, auch bei Andern suchen und vorauö- fctzen.
Ein seit 20 Iahren republikanisch gesinnter Patriot.
Mainz, 24. April. Heute Vormitttag wurden durch Maucranschläge die Mitglieder des neuen Bür- gcrcomitcs bekannt, in dem jetzt, wie sich Keiner mehr verhehlt, die republikanische Partei stark vertreten ist. Auch Herr Ludwig Bamberger, den man hier wohl für den Führer der Republikaner halten kann, ist Mitglied des Comites und wird ohne Zweifel bald der Leiter desselben sein, so daß man von der Thätigkeit dieses Ausschusses das Außerordentlichste erwarten darf. (FI.)
Karlsruhe, 24. April, Abends. Im Oberrhcin- und im Seekciö ist das Martialgesetz verkündet worden. Hier in Karlsruhe kam cs heute Nachmittag, als ein badischer Artillerist, ber desertier war, einge- bracht wurde, um erschossen zu werden, zu einem Auflauf, bei welchem ein anderer Artillerist, der ein Fa- schinenmesser gegen einen Officier zog, zusammenge- hauen worden ist. (O.-P.-A.-Z.)
Freiburg, 24. April. — 3 Uhr Nachmittags. — Freiburg ist heute Morgen von mehreren Seiten beschossen und dann durch die davorliegenden badischen, hessischen und nassauischen Soldaten eingenommen worden. Unsere nassauischen Soldaten (das 1ste Bataillon des 2ten Regiments, 2 Compagnien von Biebrich und etwa 200 Freiwillige) haben sich sehr gut gehalt^i und waren mit die Ersten, welche in die Stadt einzogen. Die Thore waren durch Barrikaden gesperrt, diese aber durch das Kanonen- und Kartätschenfeuer wenigstens so weit niedergeschosscu, daß man durch Lücken eindringen konnte.
Die Freischärler hatten sich zweier Kanonen in Freiburg bemächtigt und schossen mit diesen heraus, tote hatten ben Einwohnern mit Drohungen und Gewalt diese, sowie Privatgewehre und Waffen abgc- nommen. Als die Truppen in die Stadt einrückten, waren die Straßen wie ausgestorben, denn die Bürger- waren in den Kellern und sicheren Zufluchtsorten, die Freischärler durch ein unbesetztes Thor, was nach dem Gebirge zu geht, abgegangen. Nur wenige waren zurückgeblieben und diese schossen, namentlich an dem Prcdigcrthvr, stark auf die Truppen, so daß mehrere, besonders Badenser, blieben ober stark verwundet wurden. Von Nassauern ist 1 Soldat, M ichel, geblieben, 2 sind bedeutend verwundet, Soldat Best und Lieutenant Eyring, Letzterer durch seine Degenklinge, welche ihm von einer Kugel in die Stirne'ge- trieben wurde und 4—.6 andere sind, leicht und ganz
unbedeutend gestreift. Die Wunde Eyrings ist jedoch nicht so bedeutend, wie man anfangs glaubte, man hofft daher ihn zu erhalten.
Die Freischärler haben einen weit größeren Verlust von Todten, wenigstens etwa 16 bis 20, doch läßt sich noch nichts mit Bestimmtheit angeben, und außerdem sind bis jetzt ungefähr 60 — 80 von ihnen gefangen. Die Entflohenen haben sich in den Bergen zerstreut, es sollen etwa 2—3000 gewesen sein. — Gestern fand schon ein Gefecht der badischen Truppen im Walde mit ihnen Statt, wobei viele von beiden Seiten geblieben sind. Auch hierüber läßt sich durchaus keine bestimmte Zahl angeben, die Angaben des Verlustes für das Militär schwanken zwischen 10 und 80, der von den Freischaaren ist jedenfalls höher, als der des Militärs.
Gestern wurden die Freischaaren angeführt von Siegel, heute von einem ehemaligen Heidelberger Studenten von Langsdorf; sie bestehen hauptsächlich aus ganz jungen Leuten, Avcntüriers, fremden Handwerkern und verblendeten Bauern; Lügen, z. B. Her- wegh mit 20,000 Mann sei nur noch einige Stunden entfernt, das vorrückende Militär sei bereits gewonnen und würde augenblicklich übergehen, sind cs, womit die Anführer sic täuschen und man kann wohl von der Mehrheit unter ihnen sagen, sie wissen nicht, was sie thun.
Von einer politischen Meinung ist bei ihnen gar keine Rede, das Wort Republik ist nur der weite Sack, indem jeder seine Hoffnungen, und Wünsche enthalten glaubt. Die Bürger sind froh, daß die Soldaten da sind und haben an der ganzen Sache keinen Antheil gehabt, nur waren sie hier, wie anderwärts zu faul oder feig, sich dem Haufen, der nur den 4ten Theil von ihnen ausmachte, mit Energie zu widersetzen. — Heute wird noch das erste Bataillon des 1. Regiments hier erwartet, was bisher in Mannheim war.
Wir waren den ersten Tag in Heidelberg, gestern in Mannheim, heute Nacht fuhren wir von dort mit der Eisenbahn hierher, so daß wir noch wenig Ruhe gehabt haben. — Morgen werde ich einen ausführlicheren und geordneteren Bericht über den ganzen Stand der Dinge hier folgen lassen können, bisher war keine Zeit dazu.
Breslau, 22. April. So eben geht die betrübende Nachricht ein, daß die Polen, um nicht ihren Namen im Deutschthum untergehen zu lassen, eine Deputation an den Czar beabsichtigen, welche ihn um Wiederherstellung des Königreichs Polen unter seinem Schutze und unter einem Prinzen seines Hauses bitten soll. — General von Willisen ist gestern in Posen an gekommen, aber nicht in die Stadt gelassen worden. Er hat vom Fort Winiary unterhandelt und ist kurz darauf mit Courierpferden nach Berlin zurückgekchrt. — Allgemeinen Schrecken verbreitet ein „Aufruf an alle deutsche und jüdische Einwohner des Groß- hcrzogthums Posen." Heute sollen sich alle Deutschen der beiden Wartheufer in Posen auf dem Wilhelmsplatze um 9 Uhr früh versammeln. Hier soll das Schicksal des Großherzogthums entschieden werden. Was wird nun Colomb thun, da Posen in Belagerungszustand erklärt ist, was die Polen? Gott helft!
Rendsburg, 20. April. (Gefecht bei Altenhof.) Am heutigen Tage hat ein ziemlich him'ges Vorposten- gefecht auf dem rechten Flügel unserer Stellung stattgefunden. Die Dänen waren gegen 800 — 1000 Mann stark (andere wohl übertriebene Angaben sprechen von 2000) von Eckernförde frübzetig aufgebrochen, wahrscheinlich um sich durch eine Ucberrumpelung der Unsrigen für die vor einigen Tagen von diesen aus- geführte Aushebung eines Postens dänischer Dragoner zu rächen, tote trafen indeß in der Gegend von Altendorf auf das von dem (baierischen) Major v. d. Tann befehligte Freicorps, welches auf seiner Hut gewesen war. Alsdann entspann sich ein lebhaftes Gefecht. Eine ber ersten Kugeln traf den Major v. b. Tann in den Leib, doch konnte er - noch eine zeitlang zu Pferde daö Commando fortführcn. Der Graf Eliz, sein Adjutant, früher in österreichischen Diensten, erst vor einigen Tagen hier cingetrossen, und dem Tann'- schcn EorpS zugetheilt, erhielt einen Schuß in die Brust; doch werden beide Verwundungen für nicht sehr gefährlich gehalten. Anfangs zurückgeworfen, drangen die Unftigen, fobald sich eine einigermaßen hinreichende Anzahl gesammelt hatte, — es sind von unserer Seite gegen 000 im Gefecht gewesen, — wieder vor und so wogte der Kampf gegen 6 Stunden hin uuo^her. Von dänischer Seite focht reguläres Militär und Frei- schaarcn, von unserer nur Freischaaren. Endlich,möchten die Unsrigen durch einen Bajonettenangr-ss der Sache ein Ende — ein um so kühneres Aauoeuvu, als nur ein Theil mit Bajonetten versehen war. D:'. Feind ward bis unter , die Kanone» ?emcr ZU- rückgcworfcn.
Rendsburg, 21. April. Endlich -gGt v vorwärts. und das haben wir dem tapfern Herzoge von Braunschweig zu danken. Derselbe hat aus eine drängende Vorste luna beim Könige von Preußen endlich zur Antwort erhalten: Die nutzlosen Vermitte lungS- Versudis sollten nunmehr aufhören und die Gewalt der Waffen entscheiden.