verlorenen Tag schwieriger werden, weil der Feind mehr Zeit gewonnen hat sich zu kräftigen, konnten, wie man eben erfährt, erst mit dem gestrigen Tage beginnen, anstatt daß sie bereits vor acht Tagen hätten beginnen sollen. — In Galizien wächst die Gefahr ebenfalls von Tag zu Tag. Indessen zählt die hiesige Besatzung noch immer gegen 15,000 Mann, die fortwährend zur Hälfte in den Eaferucu consignirt sind, als ob die Russen in Wien oder die Wiener die Russen wären! (Fr. I.)
Hanau, 21. April. Heute sind drei Wagen mit Fourage für das Militär nach Bergen festgehalten worden. T)ie Hanauer lassen sic nicht ziehen; sie wollen Volksbewaffnung und keine Soldaten. Was durch das Ultimatum gewährt ist, was das Vorparla- ment sogar festgestellt oder dringend empfohlen hat, das soll verwirklicht werden.
Hanau, 23. April. In Folge einer Deputation des BolkörathS in Hanau an den Fünfziger. Ausschuß wegen des nach Hanau, Bergen, Bockenheim und der ganzen Umgegend heranzichenden Militärs ist nach mehrfachen Sitzungen in Frankfurt mit dem Bundestag der Beschluß in Betreff dieser Maßregel aufgehoben worden, so daß daö Militär auS unserm Bc- zirke fern bleibt, was nur von guten Folgen sein wird.
(F. I.)
Marburg, 22. April. In dem Wahlbezirk Marburg (mit Kirchhain und Frankenberg) ist der Prof. Hildebrand zum deutschen Nationalvertreter gewählt worden. Derselbe erhielt gegen 8000, sein demokratischer Gegenkandidat, Prof. Bair Hofer, gegen 3000 Stimmen. (F. I.)
Aus Mittelbaden, 24. Aprit. Von Freiburg und dem Breisgau sind gestern sehr beunruhigende Nachrichten eingetroffen. Obwohl die am Samstag in Freiburg stattgefundene bewaffnete Volsversammlung für den Augenblick keine gewaltsame Störung herbci- geführt hat, so ist doch in Folge derselben eine nicht unbeträchtliche Schaar Bewaffneter in der Stadt geblieben, aus welcher sämmtliches Militär sich zurückgezogen. 4—5000 Mann Truppen mit etwa 20 Kanonen haben die Stadt umstellt. Im Innern derselben herrscht aber eine entschlossene republikanische Partei, widersetzt sich dem Entrücken der Truppen, hat Barrikaden errichtet und droht den NegierungSdirector von Marschall, den Stadtdireetor Riegel und den Hofge- richtsdirretor Woll als Geiseln festzunehmen und sofort zu erschießen, wenn man von Seiten der Truppen daS Einrücken erzwingen würde. (F. JI
Heidelberg, 23. April. Man hatte hier gestern ernstliche Unruhen für den Abend befürchtet, und ein Putschversuch der Republikaner schien in nicht ferner Aussicht zu stehen. Aber es war zeitig Vorsorge getroffen: 500 Mann Bürgerwehr waren aufgeboten, und patrouillirten in starken Zügen. Die zurückgebliebenen zwei Compagnien Nassauer hielten den Eisen- bahnhof besetzt. Um 9 % Uhr AbendS wurde ein großes Feuer, auf dem Königsstuhle bemerkt, der Feuer- lärm wurde aber sogleich wieder unterdrückt, als man sich überzeugte, daß die Flamme auf dem Thurme, der auf der Spitze des Berges steht, brannte und bald wieder erlöschte. Es scheinen mehrere Fackeln gewesen zu sein, und es sollte damit wohl ein Signal-für die Umgegend gegeben werden. Die Straßen füllte» sich, lind es fielen einige Schüsse. Die Drücke wurde von Bürgerwehr besetzt, und deren rechtzeitiges Auftreten hatte den Erfolg, daß sich alles auf einigen Lärm in den Straßen und Kneipen beschränkte. — Heute, Ostersonntag, ist alles ruhig. (Mannh. I.)
Hannover, 22. April. Heute Morgen ist eine Abtheilung vom Ingenieur-Corps mit Pontons auf der Eisenbahn nach Holstein abgegangen. (Hauuov.Z.)
Leipzig, 21. April. Nach glaubwürdigen Mittheilungen hat die österreichische Negierung in Folge nachdrücklicher Vorstellungen von Seiten des Wiener Han- dclsstandes das Verbot, die Ausfuhr baaren Geldes betreffend, zurückgenomme». (D. Allg. Z.)
Berlin, 22. April. Am 20. reiste eine lAnzahl Freiwilliger aus Breslau und Greifswald nach Schleswig-Holstein hier durch. Es sind hier betrübende Nachrichten aus Cottbus eingegangen. Die Bauern, der Umgegend, bekanntlich wendischen Ursprungs, mögen durch die Nachrichten von den Unruhen ihrer Stammverwandten, der Polen, verleitet worden sein, es diesen nachzuthun, und haben die Stadt gestürmt und geplündert. Die Bürgerwehr suchte sich im Nathhause zu vertheidigen, erlitt aber große Bedräng»iß und Verluste. So wenigstens lauten die ersten Nachrichten.
Bromberg, 18. April. General Willisen hat gestern, mit Umgehung der hiesigen Regierung, die Landräthe des Departements benachrichtigt, daß er ihnen polnische Kommissarien an die Seite geben werde. Er hat dadurch nicht nur seine Vollmacht überschritten, sondern auch sein gegebenes Wort, daß er selbst von f vorläufigen Organisation der Netzdistrikt unbe- I ™ H s f‘l sâ , gebrochen. Die k. Regierung hat deßhalb heute die Landräthc angewiesen, keinerlei Kom- uilßlonen neben sich zu dulden, und jede derartige An
maßung mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zurückzuweise». General v. Wedell wurde ersucht, die Landräthc mit Militär zu unterstützen, und beim Ministerium wurde die Abberufung WiuiscnS beantragt. DaS hiesige deutsche Comite hat den Antrag gestellt, Willisen als LandrSvcrräthcr in Anklagestand zu versetzen. — Vom 20. April. So eben rückt pommer- sche Landwehr auö Neu-Stettin bei unS ein. Der General v. Wedell besetzt in unserem Departement die von den polnischen Insurgenten geplünderten und beraubte» kleinen Städte. Diejenigen Insurgenten, welche sich in Zuin verschanzt hatten, sind beim bloßen Anzuge der prcuß. Truppen davongelaufe»; sic sammeln sich aber in den nächsten Orten und führen einen förm- lichen Guerillakrieg. In Pakoöc herrschte noch gestern die vollständigste Anarchie, indem der Bürgermeister, ein Mann polnischer Nationalität, die Bekanntmachungen der königl. Negierung öffentlich vernichtete und sich auf die vom General v. Willisen verheißene Straflosigkeit bezog. (Fr. I.)
Rendsburg, 19. April. Die KriegSruhe dauert fort, ist auch gestern nicht gestört worden; die vorgestern gemeldeten Gerüchte über Vorpostengcfechtc haben sich als falsch ausgewiesen. Gewiß ist aber, daß sich die Diplomatie nochmals unserer Angelegenheiten bemächtigt und die Sache in die Länge zu ziehen droht. Das Resultat des gestrigen TagcS ist kurz folgendes: Am Morgen war alles festgesetzt, um den Angriff heute zu beginnen. Die Stadt Schleswig sollte morgen in unsern Händen sein; der Krieg-Plan war fertig, die Truppen zum Marsch bereit. Da kommen Mittags der Fürst Radziwill und der General Halkett an und Letzterer erklärt, er habe Befehl, sich so lange defcnetiv zu verhalte», bis der König von Preußen ausdrückliche Ordre zum Vorrücken ertheilt habe. Prinz Friederich und der General Bonin ereifern sich vergebens, cö hilft nichts; Halkett bleibt unbeweglich. Es mußten also nochmals Couriere nach Berlin und Hanover; zwei Tagen werden wenigstens verloren und ob ein solcher Verlust in jetziger Zeit nicht wirklich ein unersetzlicher wird, wer vermag das vorher zu bestimmen. Unterdessen zehren jedenfalls die Dänen drüben, die Bundcötrnppen hüben im Mark des Landes. Die Stimmung ist hier, seitdem diese Ereignisse bekannt geworden, begreiflicherweise schlecht. Man ist erbittert, man verwünscht die verdammte deutsche Langsamkeit und Uneinigkeit, die uns so oft in's Verderben geführt hat, man spricht davon, daß eine deutsche Einheit und Einigkeit unmöglich so lange noch 37 souveräne Herren in Deutschland regieren oder wenigstens hemmend ein* greifen, wo der Volkswille „vorwärts" ruft. Es scheiut aber, daß die deutschen Fürsten nicht daran denken, welche Gefahr ihnen und ihren ohnehin schwankenden und wankenden fronen aus der Schleswig-Holsteinischen Sache erwachsen kann. Sie bleibe» die Alten, wenn ihnen gleich das Messer an der Kehle sitzt. Es gibt wohl kaum rin wirksameres Mittel, als diese Schwäche unb dieser Mangel an Energie der Fürsten, um dem Republikauismus auch im Norden Deutschlands immer mehr und mehr Anhänger zuzuführen. Jetzt soll wieder unterhandelt und vermittelt werden, während die Dänen sich des glücklichen Besitzstandes freuen und • wenigsten für'S Erste ins Fäustchen lachen! Wird der deutsche Bund ruhig zusehen, wenn die Ausführung scines Beschlusses vom 12. d. M., die sofortige Räumung des Herzogthums Schleswig von den cingcrückte» dänischen Truppen zu erzwinge», durch unzeitige diplomatische Verhandlungen aufgehalten, sein ohnehin geschwächtes Ansehen von seinen eigenen Gliedern völlig untergraben wird?! (F. I.)
Rendsburg, 21. April, Nachmittags. Heute Morgen hatten wir ein fünfstündiges heftiges Gefecht. Die Dänen, die sich bei Eckernförde verschanzt haben, und an der Südseite der eifern förber Bucht Kriegsschiffe liegen hatten, suchten Morgens 4% Uhr unsere Vorposten durch einen schnellen Angriff zu überrumpeln; diese bestanden aus 560 Mann Freiwilligen, Kieler, Altonaer, Hamburger, Berliner, Kölner und Bonner. Die Dänen waren über 2000 Mann stark und eröffneten das Gcfccht mit Kartätschcnfcuer; die Studenten kämpften mit Heldenmuth, aber — keine Kanone, kein Kavallerist, kein regulärer Soldat stand ihnen zur Seite! Tiraillcur-Linien feuerten gegen einander mit wechselndem Glück. Kartätschen fielen in die Reihen unserer Tapferen; endlich wagten wir einen Baponuet- Angriff — Carrv formtet! darre fertig! und die Däne» liefen spornstreichs davon. Anfangs schleppten sie ihre Todten intb Verwundeten sehr eilfertig auf die Schiffe, beim Baponnct- Angriff aber blieben sie am Strande liegen, und Musketen, Terzerole rc. wurden unsere Beute. Hätten wir nur eine Schwadron Kavallerie, nur eine Kanone gehabt! aber wir mußten allein den Strauß ausfcchteu; wir haben 7 Todte, 21 meist schwer Verwundete; die Dänen sicher weit mehrere. Der Kampf hatte von 4% bis 10 Uhr gedauert. Was 560 Freiwillige 2000 Dänen mit Kartätschen gegenüber zu leisten vermochten, haben sie wahrhaftig geleistet. Endlich, endlich haben die preußischen Ntgimeuter Befehl zum Vorrücken auf Sonn- abeud Nachmittag; schon morgen Abend kann cs eine Schlacht geben. Die Preußen, namentlich die Garden, sind sehr kampflustig. (Köln. Z.)
$ r ei n f r c t d)*
Paris, 22. April. Die provisorische Negierung hat aus Anlaß der vorgestrigen Revue, bei welcher nach dem „Moniteur" mindestens 400,000 Mann unter den Waffen standen, eine pathetische Proklamation an das Volk, die Nationalgarde und die Armee erlassen. ES heißt darin, daß die Einheit dieser drei Bestandtheile der dtttivkratischcn Republik jetzt vollbracht sei; fortan gebe eS nur ein einziges Volk, welches verschmolzen und bewaffnet sei, um die Republik zu vertheidigen. Diese in Paris kundgegebene Einheit werde auf Frankreich wie auf Europa den besten Einfluß üben, und alle Besorgnisse hiiisichtlich der Fortdauer der Republik zerstreuen. Wenn Paris bewaffnet und einig auftrete, so sei die Ordnung gewährleistet, die Unabhängigkeit der Nationalversammlung gesichert, daS Eigenthum geheiligt, die Industrie frei und die Lkrüderlichkeit Gesetz.
— Auf dem Pont Neuf declamirte vorgestern Abend ein wohlgekleidcter Mann zu Gunsten des Communis- mus. Auö der ihn schnell umgebenden Volksmasse erscholl sofort der ein stimmige Ruf: „In die Seine! Werfet ihn ins Wasser!" Schon schwel'te er, von zahllosen Armen gepackt, über der Tiefe, als daS Zureden von Bürgern ihn noch rettete. Er würbe nach der Pdlizei - Präfeetur gebracht.
— Die Ostarmcc wird desinltiv anS 3 Divisionen Infanterie und I Division Eavallerie gebildet werden; letztere soll 4 und jede der ersteren 3 Brigaden zählen. Im Kriegsfälle wird General Chaugarnier diese Armee befehligen.
— Daö Mittelmeergeschwader unter Baudin, auS drei Dreideckern und drei Linienschiffen nebst einigen Dampffregatten bestehend, ist am 16. April in Folge von Besehlcn aus PariS von Toulon nach brr italienischen Küste abgesegelt.
Wiesbaden, 25. April. In der heute von dem sechsten Wahlbezirke, bestehend aus den Aemtern Wiesbaden, Hochheim, Rüdtsheim und Eltville, dahier vor« genommenen Wahl wurde Präsident Hcrgcnhahn mit absoluter Stimmenmehrheit zum Abgeordneten für die deutsche National-Versammlung erwählt.
Die Abstimmung ergab folgendes Resultat. — Die Gesammtzahl der Stimmenden betrug 633. — Von diesen erhielt
Präsident Hergenhahn.... 502 Stimmen.
Geheim. Legationsrath Mar von Gagern..... . 116 „
RegierungSrath Hehncr ... 2 „ Archivar Habel in Schierstein . 7 „ Drcscl in Geisenheim.... 1 „ Burgess in Hochheim.... 3 „ Präsident Vollpracht «... 1 „ Procurator Dr. Leisler sen. . 1 „
Zusammen 633 Stimmen.
Wir freuen unö, dies Resultat verkünden zu können, und hoffen mit Zuversicht, daß der Gewählte das Vertrauen seiner Committenten in vollem Umfange rechtfertigen, daß Heracnhahtt die edle Sache, die Sache des Volkes, die er so muthig begon- nen, auch mit aller Kraft seines Geistes und Willens fernerhin verfechten wird.
Oeffentliche Bekanntmachimg.
I.
Die Nassauischen Truppen sind mit bcm im Groß- herzogthmn Baden zusammengezogenen siebenten deutschen Armeekorps vereinigt worden. Sie sind dazu bestimmt, daS deutsche Vaterland gegen Einfälle bewaffneter Zuzüge aus Frankreich und'der Schweiz zu sichern, und den Bürgerkrieg, der den Frenrden unsere Gränzen prcißgcbcn würde, in seinem Keime zu ersticken.
Das zweite Regiment nebst der Artillerie liegt gegenwärtig in Mannheim; die 2te leichte Compagme des ersten Bataillons ist im Bahnhof zu Heidelberg geblieben. Nach dem heute kingetroffenen Bericht ist sowohl für die Einquartiruna, als die Verpflegung der Truppen auf das Beste gesorgt und der Gesundheitszustand gut.
Das 1 te Regiment ist heute von Wiesbaden auf der Eisenbahn nach Heidelberg befördert worden.
Zur Beruhigung der Familien der ausgcrückten Mannschaft wird die Regierung sowohl über den Stand der Truppen, als über deren Gesundheitszustand und die sie berührenden Ereignisse genaue Berichte veröffentlichen. — Wir warnen unverbürgten Gerüchten Glauben zu schenken.
Wiesbaden, den 24. April 1848. , ,
Herzoglich Nassauisches Staats-Mimstermm.
Hcrgcnhahn.
Oeffentliche Bekani't«'achung.
Die 5 Compagnien des 1. Bataillons vom 1. Regiment sind am 23., Nachmittags 12 A Uhr in Mannheim eingerückt. Das 1. Bataillon des 2 Regiments ist darauf Nachmittags 2 /2 Uhr nach ~ ffctb b^ Ewe ' wäre Compagnie des 2. Regiments ist demselben nach Heidelberg gefolgt. Die Mannschaft des