Fmt Zeitung
„ âertzeiL nnb Neeht!"
Wiesbaden Donnerstag, 27. April
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Einige Bemerkungen zu der» in 9dr. 48 und 48 der „Freien Zeitung" gemachten Bor- lfchlag zur Gründung einer nassauischen
Medecina! -Academie,
Daß die Gründung einer nassauischen Medecinal- Academie, bei dem Mangel einer Universität innerhalb unseres Landes, stete Anregung zu wissenschaftlichen Forschungen gäbe, und somit der Hebu 'g des gesamm- ten Mtdecinalwesenö sehr fördernd wäre, untel liegt wohl keinem Zweifel, und es wäre daher gewiß sehr zu wünschen, wenn auch diese Anstalt bei der neuen Organisation unseres Herzogthums mit in's Leben gerufen würde.
Wenn jedoch der Academie die Aufsicht über das ganze Medecinalwesen zustehen soll, mithin auch die Aufsicht über die Apotheken des Herzogthums, so ist es unbedingt nöthig, daß man auch dem Apotheker Sitz und Stimme gebe, und auch für pharmaceutische Angelegenheiten ein besonderer Referent bei der Regierung angestellt werde, der die Visitation der Apotheken, billige Entwerfung der Taxe re. zu besorgen habe. Hierzu ist Sachkenntniß durchaus nöthig; der Arzt hat und kann sie nicht haben. In andern deutschen Staaten hat man dies längst erkannt; wer Pflichten hat, muß auch Rechte haben!
Der Verfasser des Vorschlags zur Gründung einer nassauischen Medecinal-Academie will den Apotheker aber unbedingt von Allein ausgeschlossen wissen, und schlägt deshalb vor: „Die Academie solle einen Chemiker von Fach, etwa den Professor am landwirthschaftlichen Institut oder der Realschule, mit der Ausführung von gerichtlich -medecmischen Untersuchungen beauftragen, da ein pharmaceutische:' Chemiker selten dazu ausreiche!" Der Verfasser scheint eine sehr üble Meinung von seit Kenntnissen der nassauischen Apotheker zu haben, kann aber versichert sein, daß Mehrere unter denselben sich befinden, die der Ausführung einer solchen Untersuchung vollkommen gewachsen find; obgleich es bei der bisherigen Einrichtung auch dem Apotheker ganz an aller Anregung zu seiner wissenschaftlichen Fortbildung fehlte. Soll man den Apotheker aber ganz von Allem aus- schließen, oder glaubt der Verfasser nicht, daß auch seine wissenschaftliche Fortbildung der Medecin fördernd ist und schon fördernd war? Daß auch er durch gewissenhafte Bereitung der Arzneien einigen Antheil an der Heilung der Kranken hat und dazu ein stetes Fortschreiten mit der Wissenschaft nöthig ist?
Dem Antrag zur Einführung einer zeitgemäßen Pharmacopö muß möglichst bald entsprochen werden, und wäre es wohl zweckmäßig, einstweilen die eines
Nachbarstaats ciiizusührcn, bis wir durch die Einheit Deutschlands auch eine deutsche Pharmacopö erhalten, und dadurch dem Ucbelstand, daß in jedem kleinen Staat die Arzneien aus andere Art zubereitet werden, abgehol- fen wird.
Ein weiterer Vorschlag, den der Herr Verfasser macht, ist folgender: „Der Apotheker darf für notorisch Arme eben so wenig Arbeitslohn und den großen Nutzen nehmen, als der Arzt etwas annehmen darf für den Besuch und sein Recept." Der Herr Verfasser scheint jedoch hierbei ganz vergessen zu haben, daß der Arzt dafür vom Staat bezahlt wird, was bei dem Apotheker nicht der Fall ist, und der Nutze», den die bestehende Arzneitare gestattet, dem Apotheker verbleiben muß, da auch der Apotheker als wissenschaftlicher Künstler gerechte Ansprüche auf eine entsprechende Belohnung hat und auch ihm vom Staate eine sorgenfreie Existenz gesichert werden -muß, was der Herr Verfasser in der Einleitung seines Vorschlags ja für jeden Staatsdiener bcan-
Deutschland.
38. Sitzung der deutschen Bundesversamm- ' lang vom 22. April 1848.
Aus eine Mittheilung des Fünfziger-Ausschusses, wonach derselbe sich für den Antrag verwendet, daß für das Fürstenthum Birkenfeld und die Herrschaft Knip- hausen, als selbstständige Territorien Deutschlands, eigene Vertreter zur Nationalversammlung gewählt werden möchten, bemerkt der Gesandte Oldenburgs, daß diese Districte, welche gegenüber vom deutschen Bunde durch Oldenburg vertreten werden, in die hier gebildete» Wahldistricte zur Nationalversammlung bereits eingetheilt seien und mit den übrigen Einwohnern Oldenburgs ihr Wahlrecht ausüben werden. Es wurde hierauf beschlossen, diese Bemerkung, wodurch sich die Re- clamation erledige, dem Fünfziger-Ausschuß mitzutheile».
Es wird ein Schreiben des Professors v. Madai- vorgclegt, wonach derselbe von der provisorischen Regierung zu Rendsburg zum Bnndestagsgesandte» für Holstein ernannt worden ist. Mit Ausnahme des Prä- stdialgesandte», welcher auf Instructions-Einholung anträgt, vereinigen sich alle Stimmen für den Eintritt des ernannten Gesandten in die Bundesversammlung.
Preußen stellt den Antrag, daß mehrere an das deutsche Bundesgebiet anstoßende Districte des Groß- Herzogthums Posen, in welchen die Mehrzahl der Be-, völkerung deutsch ist, mit einer Seelenanzahl von 593,000,
dem Wunsche der Einwohner gemäß, in den deutschen Bund ausgenommen werden. Diesem Anträge wird einstimmig entsprochen.
Bayern zeigt an, daß zum zweiten Commandanten in Landau der Obrist Purkart ernannt worden sei.
Wültemberg zeigt an, daß zum Vieegouverneur von Ulm der Generalmajor V. Gaisherg und zu weiteren Stellvertretern desselben der Generalmajor von Marsri mm el und Obrist v. Hayn ernannt worden seien.
Wiesbaden, 23. April. In der gestrigen Wahl- männer -Versammlung in den 4 Jahreszeiten hatten wir die Freude zu erleben, daß nicht blos Proletarier, sondern auch Leute aus der Klasse der Millionäre, Freiherr» und hohen Staatsbeamten die neu errungene Freiheit und Oeffentlichkeit als bequemen Tummelplatz für ihre nobel eit Passionen benutzen, indem sie sich nicht entblöden, die Sache für das Volksund Landes-Wohl als Deckmantel ihrer mindestens gesagt sehr ordinäre» Privatleidenschasten vorzu hängcn. Der Pensionirte Regicrungsdirektor, Gutsbesitzer Freiherr von Malapert-Neufville trug nämlich in jener Versammlung mit unangenehm klingender zahnloser Stimme seine Ansichten über die nothwendigen Eigenschaften der zu wählenden Landesdeputirten vor, gab vorerst " äußerst zopfmäßige, langweilige und hinkende Klassifikationen in Lehrstand, Wehrstand und Nährstand zum Besten, erfreute dann die Verstümmlung mit der interessanten Notiz, daß er 20 oder 30 Jahre lang Staatsdicner und 11 Jahre lang Mitglied der ersten Kammer gewesen sei, und daß er also (!!) aus Erfahrung sich dahin aussprechen könne und müsse', daß die Lam desdeputirten nur aus dem Nähr-Stande zu wählen, und daß die Stellung eines Staatsdieners ganz u n v e r e i n b a r mit der eines Deputirten sei'!
Unbedingte Zustimmung in diese so scharfsinnig entwickelten Ansichten fand der edle Freiherr nur bei seinem Gutspächter Thon, während alsbald mehrere Redner gegen ihn auftraten, und namentlich entwickelten, dfaß seine Ideen uns wieder auf die, glücklicher Weise «bgeschüttelte Repräsentation nach Ständen zurückführen würden, daß durch die mit der badischen, v o r zugs w eise aus Staatsbeamten bestehenden Kammer gemachte Erfahrung die gegentheiligk des verdienstvollen Ex-Regiernugsdirektocs und Nassauischen Pärs auf das Glänzendste widerlegt werde; daß der Redner nur feige oder schleck Staatsbeamte im Sinne gehabt haben könne re. Die beste Wirkung machten jedoch die offenbar von moralischem Unwillen Angegebenen, kurzen und treffenden
Ein Herz füv Schleswig.
(Fortseynng.)
Aber nicht die Sorge für Schleswig, und noch weniger irgend ein frclmdliches Gefühl für den Prinzen des Volkes gaben im dänischen Königsrath den Ausschlag; vielmehr geradezu entgegengesetzt feindliche Bcrcch- »ubgc». Niels und Magnus fürchteten die Nolksthüm- lichkeit und Thatkraft des Prinzen Knut weit mehr als die Feindschaft der Wende». Längst war man in Däue- chark gewöhnt, Schleswig dem Feinde preiszugeben, damit er sich daselbst beschäftige, seine Raublust stille, Dänemark dahinter aber sicher bleibe. Knut Laward aber sollte durch seine herzogliche Würde verdorben werden. Niels und Magnus rechneten so: Wir nehmen dem gc- fâhrlichcn' Nebenbuhler die Summe Geldes, die er sonst gegen uns verwenden könnte; wir überlassen ihm den Krieg mit den Wenden, mit denen er sich sonst gegen uns verbünden könnte; wir beschäftigen seinen Ehrgeiz, damit er nicht an die dänische Krone denke, die ihm eigentlich gebührte. UeberdieS gab den Dänen ihre eigene Furcht vor den Wenden die Hoffnung ein, Knut werde in dem Kampf mit dem Wendcufürsten unglücklich sein
und dadurch sein Ansehen bei dem Volke verlieren. Allein sie täuschten sich ebenso wie der Wendenkönig, der seine» neuen Gegner verachtete und ihn ein junges unbändiges Roß nannte, dem man Zaum und Gebiß anlegen müßte.
Knut Laward sammelte rasch ein wohlgerüstetes Kriegsherr , und an der Spitze desselben bot er dem Wendenkvnig den Frieden an, damit sie beide für das Wohl ihrer Länder sorgen könnten. Als dieses Anerbieten höhnisch ausgeschlagcn wurde, ließ Knut unverzüglich die feierliche Kriegserklärung folgen. Durch einen nächtlichen Ueberfall bemächtigte er sich der Jürgensburg, von wo aus die Wenden Schleswig geängstigt hatten. Heinrich war so überrascht, daß er alle Gegenwehr aufgab und eiligst die Flucht ergriff. Als er zu Pferde durch die Schley fetzte iväre er beinahe ertrunken. Nun vergalt ihm Knut seinen übermüthigen Spott. Er rief dem durchnäßten König zu, er sei jetzt da, um Zaum und Gebiß zu empfangen und dann den mächtigen Wen« deckfürsten in trockene Sicherheit zu bringen.
Knut verfolgte seinen Sieg mit Blitzesschnelle. Er zerstörte die Jlirgcnsburg und andere wendische Raubnester , säuberte ganz Schleswig von den Feinden und I drang in das wendische Gebiet ein. Heinrich hatte sich
in ein Castell geworfen, wo er sich selber furchtsam gefangen hielt. Dorthin kam »»vermuthet Knut mit nur zwanzig Begleitern, forderte Einlaß und Unterredung mit dem Wendcukönig. Heinrich saß eben an der reichen Mittagstafel, als ihm diese Kunde gebracht wurde. Die Ankunft des fürchterlichen Herzogs von Schleswig erschreckte ihn so sehr, daß er im jähen Äufspringe» den Tisch umwarf. Als man ihm aber sagte, der gefürchtete Held sei gekommen, um freundschaftlich über den Frieden zu unterhandeln, da wurde der Wende von früher Rührung überwältigt, daß er zu weinen aufing «»b hoch und theuer vermaß, dem edlen Herzog von wig ewige unverbrüchliche Treue zu Im Irem Benn n lichen Mahle wurde hierauf Friede geschlossen^ v j- - edle Persönlichkeit übte solche Gewalt über ^cu .v.r. . könig, daß er nicht nur die Gesefordernng, e^ er Dänemark batte, dem Herzog von ^chle-.nvtg zum - Jebcuf machte, sondern diesen jogar z" Nachfolger ernannte. _ . , ...
Wie sehr mm dieser glückliche Erfolg auch fur Dänemark wohlthätig' war, so erntete Knut von dieier Seite dock» keinen Dank. Sein vermehrter Rchm und Anhang im Volke, seine gesteigerte Macht und der ihm stand, daß er mm Dänemarks Gläubiger war, dies alles