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und unpassenden Worten an der Versammlung be­zeichnete, die den Stempel der Gereißtheit an der Stirne trugen.

Unser neues Wahlgesetz kennt keinen Unterschied der Stände mehr und auch wir wollen die gefallene Scheide­wand »immer wieder aufrichten, allein cs will uns doch bedünken, als wenn das lang genährte Mißtrauen Seitens der Bürger gegen die Beamten noch zur Zeit nicht ganz verschwunden ist und verschwunden sein kann, indem wir im allgemeinen noch gar zu wenig Verbürgung dafür haben und wir nur von einer verhältnißmäßig geringen Zahl Staatsbeamten, wirklich liberale Gesinnungen kennen, von denen auch gewiß viele unter den Kanditaten zur deutschen Na­tionalversammlung, sowie zur Nassauischen Stände­kammer, sich befinden werden.

Der vielseits erst nach dem 4. März dr I. kundgcgcbene Liberalismus, scheint uns noch lange nicht die Feuerprobe bestanden zu haben.

Es ist außer Zweifel, daß die demnächstige Stände­kammer gefinnungstüchtige Männer auch aus dem Gelehrten- und Beamtenstand haben muß und haben wird, ohne daß ein großer Theil des erst in neuerer Zeit so liberal schreib- und sprechsüchtig gewordenen Be- amtenstandes besonders dafür das Wort ergreift, wo­durch nur die Vermuthung an Nahrung gewinnt, daß die persönliche Eitelkeit gar zu sehr in den Vorder­grund tritt.

Eine Vereinbarung über die zu wählenden Depu- tirten wird voraussichtlich im hiesigen Wahlbezirk nicht zu Stande kommen können, weil zu abweichende Mei­nungen sich Geltung zu verschaffen suchen, werden und man namentlich nicht mit allen den vieren im ange- zogenen Artikel zu Kandidaten vorgcschlagencn Personen bei der Mehrzahl der Wähler einverstanden zu sein scheint. litt

Limburg, den 18. April 1848. Kaum ist ein Jahr verflossen, da Referent ganz in der Nähe den vielfachen Druck sah, welcher auf den arbeitenden Volks- klasscn, dem Handwerker und niederen Bauernstände (dem Mittelstände) lastete, den heimlichen Kampf von manchem braven Familienvater erkannte, wie er mit Riesenkampf sich gegen das Versinken in Armuth sträubte. Die Theurung der Lebensmittel brachte ihn unter andern in diese verzweifelte Lage. In des Be­richterstatters guter Absicht lag es damals, durch Petitioniern auf die Zustände dieser Volköklasse die Aufmerksamkeit der Behörden hinzulenken, allein Un­dank folgte seinem Streben. Heute in den Tagen der errungenen Freiheit sind die Leiden dieses Standes noch größer; fast jeder Arbeitsverdienst schwindet. Der sauer verdiente Lohn wird den Arbeitern vorenthalten. Ereilt zum Ankauf von Materialen wird ihnen vom Kaufmann versagt, insbesondere in hiesiger Stadt, wo Hunderte Handwerker und Taglöhncr wohnen; alle verlangen Arbeit und Verdienst, doch Niemand will sie ihiien geben; jeder Unternehmer schließt ängstlich seine Schatulle ab, namentlich der Bauherr. Vor allem müssen die Behörden des Landes sorgen, (und an diese wendet sich Referent zunächst), daß schleunigst diesen Leuten Arbeit und Verdienst, durch öffentliche Bauten u. s. W. verschafft wird, denn sonst entstehen schlimme Folgen, und es wird wieder eine große Zahl in den Zustand der Armuth versetzt werden. Dieses Verlangen Namens vieler Mitbürger des Referenten stellt die Be­dürfnisse des Augenblicks zufrieden.

Um die Emancipation der arbeitenden Volksklasse in geistiger und materieller Hinsicht zu bewerkstelligen, ist vor allem die Stiftung eines Centralvercins mit Localvereinen erforderlich, welche sich diese große Auf- gäbe setzen, denn nur in solchem Verein wird ein tüchtiger Plan gefunden, wie diesem Stand mit Nach­druck für immer geholfen werden kann. Ueber die Art der Organisation dieses Vereins und die Mittel, welche diese Emancipation bezwecken sollen, wird dem­nächst ein weiterer Bericht erstattet werden. Ein Hauptzweck desselben muß es sein, die zunehmende Ar­muth zu verhindern, und dahin zu wirken, daß jeder arbeitsfähige Staatseinwohner Arbeit und Verdienst findet, und die Almosen nur an gänzlich arbeitsunfähige, alte, oder kranke Personen verabfolgt werden, daß also wo möglich die Selbstständigkeit eines jeden arbeits­fähigen Bürgers erhalten werde, denn der Bettel, diese Beschimpfung der Menschenwürde muß ausge­rottet werden. Demnächst ein Mehres.

Eltville, den 22. April. Mit dem 1. Mai bc- ginnt hier eine neue Posteinrichtung. Die Institute der Apotheke und Pvsterpcoition werden getrennt, und ist auch bereits ein neuer Posterpeditor ernannt. Der­selbe wird das Postbüreau in ein Wein- und Bier­haus verlegen, in welchem die Gaststube als Passagier- Zimmer dienen soll. Daß dieses Local nicht in der Mitte, sondern am Ende der Stadt liegt, kommt bei dein kleinen Umfang derselben nicht in Betracht ob aber die Reisenden sich damit zufrieden geben werden, Ankunft und den Abgang der Eilwagen in Ta- ^qualm, Wein- und Bierdünsteu zu erwarten, dieses weitere Frage, welche allerdings in Betracht zu fiin dürfte. Dem Vernehmen nach sind für die L Miethe eines passenden Locals, von der Post-

1 lOn' nur 50 bis 60 fl. ausgesetzt. Dafür freilich

I kann man nicht viel haben, es muß dieses aber wohl nicht wahr sein, weil sonst auch nur ein Mährchen sein könnte, was man von dem großen Nutzen, welchen das Postmonopol bisher abwarf, erzählt, denn des Geizes darf man doch, ohne weitere Beweise, eine Behörde nicht anklagen.

Diez, 22. April. Heute ist unser Bataillon von hier abmarschirt. Es wurde von sämmtlichen hiesigen Nationalgardisten und Turnern bis auf die Limburger Gränze begleitet. Die Nationalgardisten so wie die Turner von Limburg kamen uns bis dorthin mit Musik entgegen, und es war in per That erhebend, zu sehen, wie unsere braven Soldaten von unseren biedern Bür­gern Abschied nahmen. Unser Commandant A. De ul hielt vor dem Abschied an die Scheidenden eine Rede, die wohl verdient, veröffentlicht zu werden, und daher hier wörtlich folgt:

Brüder! Landsleute!

Euch, die Ihr Jahrelang in unserer Mitte gelebt, und die Ihr uns Achtung abgerungen, und die Ihr unsere Liebe in die Fremde mitnehmt, sehen wir heute mit schmerzerfülltem Gemüthe aus unserem Kreise schei­den. Euch, dse Scheidenden zu versichern, daß Ihr in freundlicher Erinnerung bei uns fortleben werdet, war der Hauptgrund zunächst, der mich veranlaßte, Euch anzureden.

Brave Soldaten! Euch noch nachdrücklich auf Euere Pflichten hinzuweisen, erachte ich als eine Geringschätzung Eurer selbst, und für eine Beleidigung Eueres ehren­haften Rufes. Tapfer seid Ihr und werdet es bleiben, und Ihr wißt es, daß ohne Gehorsam ein Heer sich von einer Horde Barbaren in Nichts unterscheidet. Seid Ihr, was Deutschlands Genius verhüte, in die traurige Lage versetzt, deutschen Brüdern feindlich gegenüber zu stehen, so vergesset nicht, daß Ihr es eben mit Brüdern zu thun habt vergesset nicht, daß diese Brüder mehr Irregeleitete als Böswillige sind, und versucht, sie mehr durch die Gewalt der Ueberzeugung Euch zu Freunden zu machen, als durch die Gewalt der Waffen sie elend zu Boden zu schmettern.

Kämpft Ihr aber gegen auswärtige Feinde, so weiß ich und das ganze Lan^ weiß es daß Ihr vor Kampfeslust brennend, der alt erprobten Tapferkeit der Nassauer die größte Ehre machen werdet, daß Ihr freu­dig Gut und Blut für unsere deutsche Größe und Frei­heit opfern werdet, so weiß ich Brüder, daß wir Euch einst als ruhmbckränzte Sieger mit Hurrah werden begrüßen können.

Die Nassauer Linie hoch!!

Mülheim a. d. Ruhr, 20. April. Aus unserer Stadt zog gestern ein wohlbewaffnetes Freischaarcncorps, aus 43 für die deutsche Sache begeisterten jungen Män­nern bestehend, nach Schleswig- Holstein. (K. Z.)

Geilenkirchen, 19. April. Wir müssen darauf auf­merksam machen, daß in der angränzenden Provinz Limburg, nnerachtet dieselbe zum deutschen Bunde gehört, von der Regierung durchaus keine Anstalten zur Wahl von Abgeordneten für die Versammlung in Frankfurt getroffen werden. Es haben die Limburger so gut wie alle anderen Deutschen daS Recht, Abgeord­nete nach Frankfurt zu senden, und darf nicht geduldet werden, daß unserm Vaterlande auch nur der geringste Theil entzogen werde. Es wäre dies ein Punkt der Besprechung für die Fünfzig. (Köln. Z.)

Trier, 20. April. Gestern beschloß eine sehr zahl­reiche Volksversammlung im Hclffcr'schen Saale, daß man gegen die indirekten Wahlen protestier und nur direkte Wahlen anerkenne. (Trier. Z)

St. Blasien, 21. April. Von Kandern her, wo ein Treffen stattgefunden hat, bei dem das Hecker'sche CorpS zurückgedrängt und zum Theil zersprengt wurde, sieht man Flüchtlinge hier durchkommen. Gleichzeitig wird übrigens versichert, daß aus dem Seekreise herüber neuer Zuzug unterwegs sei. Die Plünderung im Pfarr- hofe zu Urberg wurde mit Unrecht einer Abtheilung der Schaaren Heckers zugeschrieben, der vielmehr mög­lichst strenge Mannzucht hielt. Es war eine Zusam- menrottnng anderer Art, wie es scheint, von zwei Fremden angeführt. (Karlsr. Z.)

Berlin, 18. April. Brieflichen Nachrichten zufolge, sollen sich unter dem dänischen Kriegsheere in Schleswig viele englische Offiziere be­finden. Der Durchzug zahlreicher Polen aus Pa­ris nach der Provinz Posen dauert noch immer fort. Man besorgt, daß es zwischen den Deutschen mit Hülse der preuß. Truppen und zwischen den Polen doch noch wird zu blutigem Kampfe kommen. Der General v. Willisen ist aus bem Posenschen hier angelangt und hat, wie man sich leicht denken kann, keine schmeichel­hafte Aufnahme gefunden.

Berlin, 20. April. So eben erfahren wir von zu­verlässiger Seite, daß General Wrangel (von Stettin) zum Oberbefehlshaber der deutschen Bundesarmec in Schleswig-Holstein ernannt ist. (Köln. Z.)

Tilsit, 13. April. Was die öffentlichen Blätter bisher über die Kriegörüstungt» und Truppen­bewegungen Rußlands nach der Grenze hin ge­meldet haben, ist ohne Ausnahme unmäßig übertrieben. Ungerechnet die kolossalen Aufschneidereien in der Kö­nigsberger Zeitung,- wonach bereits 200,000 Mann in

der Nähe der diesseitigen Grenze stehen sollen, wie die spaßhafte Notiz in der Hamburger Börsinhalle, nach welcher 50,000 Kosaken in der Nähe von Tilsit (?) schwärmten, waren selbst die von uns gerüchtsweise mitgetheilten Angaben von 4580,000 Mann noch viel zu hoch. Wir können gegenwärtig mit Sicherheit verbürgen, daß längs unserer ganzen Grenze von Me­mel bis Johannisburg hinunter kaum 20,000 Mann stehen, und daß auch diese nach den unzweideutigsten Zeichen nur gegen innere, nicht gegen äußere Feinde gerichtet sind.

Aus Schleswig-Holstein, 19. April. Gestern Nachmittag erfuhren wir, daß der Status quo der un­blutigen Entscheidung wieder eintreten werde. Wenn wir in Kenntniß gesetzt wurden, daß der Staatsminister v. Arnim geäußert habe:jetzt auch keine Schonung länger," so hörten wir zugleich, daß ein englischer Cou­rier von London uach Berlin geeilt sei, um von Neuern zu beantragen, daß die schleswig-holsteinische Frage güt­lich erledigt werde. Die Herzogthümer, welche jetzt ein Heer von über 50,000 Mann, wenn man die Kämpfenden von beiden Seiten rechnet, zu versorgen haben, müssen dringend wünschen, daß die Diplomatie ihre Noten beendige und daß Kugel und Schwert nun­mehr entscheide. Sie wollen von Dänemark los, und jede Union, die man zu erneuern suchen würde, würde ein Saatfeld neuer Zerwürfnisse sein. So eben trifft die Nachricht von einem Gefechte bei Wittensee ein. Es sind zwei Wagen mit Waffen und Proviant so wie zwölf gefangene Dragoner von den braunschweiger Frei­willigen eingebracht; auch sollen einige Verwundete eingetroffen sein. (Hamb. C.)

Altona, 20. April. In Folge eines am vergan­genen Dienstag in Berlin eingetroffenen englischen Cou­riers sind gestern neue Verhaltungsbcfehlc in das Haupt­quartier nach Rendsburg abgegangen. Welches Inhalts weiß ich allerdings auS eigner Einsicht nicht; man er­zählt indeß allgemein, daß darin der Befehl zum An­griff bis aus Weiteres widerrufen worden sei. Lord Palmerston habe mit Berufung auf den gottorper Frie­den, worin England der Krone Dancmark den Besitz Schleswigs garantirt habe, Protest gegen die Waffen- Gcwalt und den Bundcsbeschluß eingelegt. (K. Z.)

Wien, 18. April. Es circulirt eine Privat-Auf­forderung, dem Staate zur Kriegführung durch Opfer an Silbergeräthe zu Hülfe zu kommen, indem die Sil- berlöffcl in der Monarchie schon zur Führung des hart­näckigsten Krieges ausreichcn würden.

Wien, 20. April. Der Graf Zichy ist von hier in Ketten nach der Festung Olmütz abgeführt worden, wo über ihn ein Kriegsgericht aburtheilen wird. Die öffentliche Meinung begehrt den Kopf dieses Elenden, der die österreichische Waffenehre so stark befleckt hat, und namentlich tritt der ungarische Adel in dieser Be­ziehung sehr patriotisch auf, indem er sich insbesondere beschimpft hält. Auch der Gouverneur Graf Patch, der zu der berüchtigten Capitulation Venedigs Hülfreich die Hand geboten, ist leider ein ungarischer Edelmann.

(Köln. Ztg.)

Dos e n.

Gnesen. Die Banden in Wreschm haben furcht­bare Gräuel verübt. Mord und canibalische Wuth haben ihre Opfer gefordert. Frauen und Jungfrauen sind mit der rafsinirtesten Mordlust zu Tode gemartert worden. General von Colvmb betrachtet durch diese Gräuelsccncn die Convention gebrochen und will die Waffen entscheiden lassen. >

S ch w e i z.

Basel, 22. April. Im Baseler Jntelligenzblatt ist eine Erklärung zu lesen, unterzeichnet von" Hecker, Willmann und Schöiiuingcr, worin sie den den badischen Republikanern gemachten Vorwurf eines an General von Gagern begangenen Meuchelmordes von sich ab­wälzen Sie erzählen den Sachverhalt folgen­dermaßen:General Gagern hatte sich mit seinen Truppen an der Brücke vor der Stadt Kandern aus­gestellt und verlangte de» Unterzeichneten zu sprechen auf der Mitte der Brücke erklärte derselbe: Sie müssen die Waffen niedcrlcgen" was verweigert wurde. Nach kurzem Zwiegespräch begab sich jeder "zu seinen Truppen zurück und die Republikaner marschirten, gefolgt von den Royalisten, bis auf die Höhe von Schlechtenhaus. Dorten ergriffen sie Position und erwarteten dic heran- zichenden Linientruppen, welche mit dem Rufe:Kein Bürgerblut vergießen Ihr seid unsere Brüder es lebe die Freiheit tretet in unsere Reihen.'" em­pfangen wurden, und gleichzeitig gingen Gewehr im Arm, verschiedene Repulikaner die" Hand anoßreckend auf die Linientruppen zu, von welchen bereits Mehrere aus dem Gliede hervortraten. Als dieses die O^üzierc bemerkten, traten sie vor, suchten die volgetretenen wie­der in Reih' und Glied zu bringen und eoinmandirten. Feuer. Es war im republikanischen Heere ausdrücklich Befehl, daß keincnfalls von unserer Seite zuerst ge­feuert werde, General von Gageim und ent t orm waren vorgeritten, um den Angriff zu Unten und an- zufeuern, und erst nachdem die erste Salve.gegeben war wurde von republikanischer Seite und zwar aus die Offiziere gefeuert, wobei Gagern fiel." (Bas. 3 )