Landes, die Wohlfahrt der Kirche zu lenken und die Angelegenheiten der Religion zu ordnen. Sorgen wir dafür, daß wir nicht Männer in den Landtag wählen, welche über der Aengstlichkeit für ihre Kirchengemeinden das Glück des Landes, ja ganz Deutschlands vergessen. Achten wir bei den bevorstehenden Wahlen nicht auf Solche, bei denen wir fürchten müßten, daß sie in den versammelten Ständen über Religion streiten würden. Wenden wir unser Vertrauen nicht denen zu, von welchen wir besorgen konnten, daß sie, wenn auch in guter Absicht, das thun oder sprechen würden, was die Gemüther mit religiösem Hasse erfüllen möchte. Stimmen wir vielmehr cinmüthig für solche Abgeordnete, welche ein warmes Herz und einen offenen Mund für das Volk haben, für Männer, welche nut-irrner Liebe um Vaterlanse Einsicht uu» grifft vereinigen, die bürgerliche Freiheit zu bewahrenden Haushalt ^Landes zu ordnen, die j'fTf|raiÄ
und ein wahrhaft edles VoitslelWszn «bilMn^/
Männer Nassau's! — welchen Glaubens Ihr sein und zu welcher Kirche Ihr Euch bekennen möget, auf Euch siehet die Mit- und Nachwelt, sieht der Herr im Himmel! Könntet Ihr die eben freigewordenen Händen thöricht in die Fessel stecken, welche geistliche Herrschsucht Euch anlegen möchte: dann wäret Ihr nicht werth, in einem freien Lande zu wohnen; Eure Mitbürger würden Euch Verräthek heißen und Eure Kinder und Kindes-Kinder Euch fluchen.
Hinweg denn mit Denen, welche das Vaterland in kirchlichem Hader verderben wollen! herbei ihr Männer der Treue, daß wir zusammenstehen gegen die, welche die junge Freiheit unter dem Mantel der Religion zu begraben suchen. Wir wollen Recht, 'wir wollen Wahrheit. Wahrheit und Recht, das ist die rechte wahre Freiheit.
Gott mit uns und Euch!
Hachenburg, 5. April 1848.
Die Freunde des Vaterlandes.
36. Sitzung der deutschen Bundesversammlung vom 17. April 1848.
Nachträglich zu dem Bericht über die 35. Sitzung wird bemerkt, daß in dieser Sitzung auch die Preuß. Regierung aufgefvrdcrt worden ist, unverzüglich den Oberbefehlshaber über die in Schleswig-Holstein zu agiren bestimmten prcuß.-^lMd die zum 10. Armee- Corps gehörigen Truppen zu «nennen und.der Bundesversammlung hiervon Anzeige zu machen.
In der heutigen Sitzung wurde auf den Antrag des Militär-Ausschusses ein Gesuch von Sardinischer Seite, um Freigebung einer Partie nach Turin bestimmter Pferde, in Folge'des die Ausfuhr verbietenden Beschlusses vom 8. März abgelchnt und einem Protest der Großh. Luxemburgischen und Herzog!. Holsteinischen Gesandtschaften, gegen die Anwendung jenes Verbots in Luxemburg, Limburg, Holstein und Laucnberg, keine Folge gegeben.
Der zum Oberbefehlshaber des 7. und 8. Armee-Corps ernannte Prinz Carl von Bayern König!. Hoheit, wurde unter Mittheilung des von ihm auszustellenden eidlichen Reverses aufgefordert, diesen Revers vollzogen einzusendm und unverzüglich anzuzeigen, wo er sein Hauptquartier aufgeschlagen habe, um seine Thätigkeit so schnell entwickeln zu können, wie die gegenwärtigen Zeitverhältnisse und insbesondere die im Badischen Oberlande und am Oberrhein überhaupt bestehenden Zustände nothwendig machen.
Zugleich wurden ihm ebenso, wie dies bezüglichen des Nassauischen Contingents schon geschehen war, diejenigen Kurhessischen Truppen bis auf weitere Verfügung untergeordnet, welche auf das Ersuchen der badischen Regierung nach dem Beschluß vom 15. d. in Bewegung zum Anschluß an das 8. Armee-Corps gesetzt worden sind.
In Beziehung auf die neuerdings in ^Straßburg eingktrènen Polen wurde die Großherzoglich Badische Regierung ersucht, dieselben Maßregeln cinzuhal- ten, welche nach der Anzeige in der Sitzung vom 12. ix, hinsichtlich der früher schon durchpasfirtcn Polen, getroffen waren.
Bekanntmachung verschiedener inden bisherigen Comitesitzun- gen des Fünfziger-Ausschusses gefaßten Beschlüsse.
Der Fünfziger-Ausschuß hat in den neben seinen öffentlichen Sitzungen bisher gehaltenen C o m i t e sitz un- gen über Gegenstände, deren öffentliche Besprechung nach den Verhältnissen des Augenblicks zweckwidrig erschien, folgende Beschlüsse gefaßt:
1. In der Comitesitzung vom 12. April in Folge eines von Schleiden gestellten Antrags wurde beschloßen:
1) Eine Deputation, bestehend aus den Mitgliedern Schleiden und Mathy, nach Berlin zu entsenden, mit dem Auftrage, die unverzügliche, eventuell zwangsweise Ausführung des Passus HL des Bundesbeschlusses vom 4. d. Mts. mit dem Hinzufügen zu verlangen, daß die Feststellung des Status quo ante im Herzog- thumc Schleswig und die vollständige Räumung des Herzogthums Schleswig von den Dänen in Urbercin- stimmung mit Art. 43 der Wiener Schlußakte in keiner Weise verzögert werden dürfe. Gleichzeitig soll die Deputation beim preußischen Hofe für die unverzügliche Aufnahme Schleswigs in den deutschen Bund wirken.
2) Durch eine Deputation an die Vertrauensmänner und den deutschen Bund dahin zu wirken, daß auch Seitens dieser für die vollständige Ausführung des vorstehenden Beschlusses, sowie dafür Sorge getragen werde, daß die Befreiung der aus verschiedenen Orten des Herzogthums Schleswig in dänische Gefangenschaft geführten Männer sofort bewerkstelligt werde.
3) Die provisorische Regierung Schleswigs-Holsteins zu ersuchen, dafür zu sorgen, daß die allgemeine Volksbewaffnung schleunigst ins Leben gerufen werde.
II. In der Comitesitzung vom 14. April wurde auf den Antrag von Soiron beschlossen, die Mitglieder Venedey und Spatz mit dem Auftrage zu entsenden, die in Strasburg zu den Zwecken bewaffneten Einbruchs in Deutschland versammelten Deutschen von diesem Vorhaben abzubringen. ,__________
III. In der Comitesitzung vom 14. LGril w^ L? Folge erhaltener Nachricht-von einem im Badenc^Dber- landc versuchten Aufstände beschlossen, den Vorsitzenden Soiron und das Mitglied Buhl nach Baden zu entsenden, um im Interesse der Erhaltung der Ordnung im Namen des Fünfziger-Ausschusses alles Erfordere liche vorzukehren.
IV. In der heutigen Comitesitzung wurde auf Pen Antrag von Mühl seid beschlossen, eine Erklärung des Bundes zu veranlassen, daß die Sprachen der Volksstämme fremder Zunge in den deutschen Bundeslanden, so weit ihre Gebiete reichen, der deutschen Sprache vollkommen gleichgestellt seyn sollen.
Frankfurt a. M., den 16. April 1848.
Zur Beurkundung.
Der Fünfziger-Ausschuß.
Abbegg.
Brieglcb, Schriftführer.
Vorschlag zur Gründung einer Nassau'schen Medizinal • Academie.
Die natürlichste Verpflichtung, die der Staat gegen die Staatsdiener hat, ist 1) dem Staatsdicncr ein an- gcmcsscncs Auskommen zu geben, damit er anständig leben, eine Familie gründen und ernähren kann; 2) daß er die auf seine Studien verwendeten Kosten sich ersetzen; 3) daß er seine Kinder anständig erziehen,
4) daß er sich so viel ersparen kann, daß er ein sorgenfreies Alter hat. Nur dann kann er seine ganze Kraft, sein Leben dein Staat widmen und dann mit Wissenschaft fortfchrckten, besonders nöthig ist dieß bei den Aerzten, die vor der Zeit grau werden, selten ein hohes Alter erreichen und noch seltner sich und den Ihrigen eine sorgenfreie Existenz sichern können. Auf unsre Aerzte schaut nicht nur Nassau, sondern ganz Europa, ja die ganze civilisirtc Welt hat ein Urheil über sie, da der Ruf unsrer Bäder vom Nordpol bis zum Südpol wiederhallt. Deßhalb muß der Staat sich das Interesse dieses Standes, worauf ein großer Theil seines Ruhms und materiellen Wohls beruht, angelegen sein lassen; es hat die Verpflichtung dazu dein übrigen gelehrten Europa gegenüber, da dies verlangen kann, daß seine Aerzte den höchsten Grad von Bildung haben, wenn durch sie an seinen Quellen die Kranken aller Gegenden Hilfe finden sollen. Sie müssen daher auf einer würdigen Stufe stehen, geistig und leiblich. Dazu ist aber der einzige Weg, daß sie Gelegenheit haben, stets fortzuschreiten und auf der Höhe ihrer Wissenschaft zu bleiben. Um sie aber stets auf dieser wissenschaftlichen Höhe zu halten, fehlt uns jedes Mittel. — Wir haben einen naturhistorischen, einen Apothekcrverein, einen Verein für Geschichte und Alterthumskunde, für Landwirthschaft, für Industrie rc. für Medizin fehlt uns jede Anregung; einen ärztlichen Verein haben wir nicht, obschon eine solche wissenschaftliche Anstalt alle Nachbarländer längst haben. Denn was nutzt uns eine Landes-Universität, mit der wir in keiner Beziehung stehen? Man gebe die Wahl der Hochschule ganz frei und verwende die bisher dorthin geflossenen Gelder zu nützlichen Stiftungen im Land! So geht deßhalb mein Vorschlag dahin, eine „Nassau'sche Medizinal - Acadcuüe" zu gründen, um deren Genehmigung und Dotirung Sr. Hoheit der Herzog und die Landstände dringend zn ersuchen sind.
Zwecke: Wissenschaftliche Forschungen; Verbreitung von Wissenschaftlichkeit und stete Anregung dazu; (Kollegialität; rationelle Einrichtung der äußern Stan- desverhältnisse.
Die Academie besteht aus ordentlichen, correspon- direnden und ^Ehrenmitgliedern, an deren Spitze ein Präses mit zweiSecretären steht. Die ordentlichen Mitglieder müssen Nassau'sche Aerzte sein, und werden bei der Gründung von der Gesammtzahl der Nassau'schen Aerzte durch Stimmenmehrheit gewählt. Später werden die freigewordenen Stellen am Stiftungstage durch Wahl der Academie ergänzt, wozu jedes Mitglied Vorschläge znmachen das Recht bat... MlM der ordentlichen Mitglieder vetragt 30, worunter ein Thierarzt sein muß, den bei der Gründung die Thier- ärzte wählen. An Stiftungstagen wählt die Academie ihre correspondirenden und Ehrenmitglieder in unbeschränkter Zahl mit % der Stimmen; diese Mitglieder sind nicht stimmfähig. Jährlich werden Präses und Secretäre neu gewählt, sind aber stets wieder wählbar.
Die Academie bildet die oberste Behörde in Sani- tätösachen und steht direkt unter der Leitung des Ministeriums. Sie hat ihren Sitz in der Hauptstadt Wiesbaden.
(Schluß folgt.)
/X Von der Aar. Die demnächst emzunehmcuden Wahlen für die constituircndc Versammlung in Frankfurt sind durch ihre außergewöhnliche Wichtigkeit allenthalben der Gegenstand lebhafter Erörterungen und Berathungen geworden.
Um so mehr hat es uns befremdet in der heutigen Nummer der freien Zeitung eine vom Wahlcomit« in Wiesbaden ausgehenden Vorschlag zu diesen Wahlen zu lesen, der durch seine Unregelmäßigkeit überraschen muß. Das Wiesbadener Wahlcomitv schlägt als geeignet für jene Wahlen sechs Männer vor, von denen fünf dem von unserer Bevölkerung so mißtrauisch betrachteten Bcamtenstande angeboren. Es ist klar, daß
Da sprang dieser, mit Zusammenraffen seiner letzten Kraft und gezücktem Messer, unter ter Leiche hervor und vertheidigte sich, Verwundung und Gefahr verachtend, mit wilder Verzweiflung gegen die drei auf ihn anstür- menden Feinde; doch ein Kolbenschlag machte ihn taumeln und während er noch versuchte, sich mit der linken, zerschmetterten Hand anzuklammern, stürzte er mit dumpfem Fall und lautem Angstgeschrei in die tiefe, gähnende Schlucht an seiner Seite hinab.
Drei Tage waren vergangen, als ein Jäger aus den Ansiedlungen am Hurricane der Spur eines Hirsches folgte, und Unmassen von Aasgeiern eine der Terassen umkreisen sah.
Aus Neugierde, um zu sehen was für ein Wild dort den Raubvögeln zur Beute gefallen sei, näherte er sich dem Play und fand auf dem Berge ein, und in der Schlucht, durch die Geier geleitet, ein zweites Gerippe, nicht weit aber von dem ersten entfernt ein frisches Grab, und auf demselben, als Grabstein, einen breitrandigen, schwarzen Filzhut, mit einem langen Messer auf dem schnell aufgeworfenen Hügel fesigespießt.
Wohl eilte er, so schnell er vermochte, in die Ansiedlungen zurück und brachte schon am nächsten Morgen
alle Nachbarn, die er auftreiben konnte, auf den Wahlplay , um von hier aus die leicht errathenen Thäter zu verfolgen und zu bestrafen; vergebens aber blieben sie, mit dem Scharfsinn der Indianer, Tagelang auf der Fährte der Manlthicre; die schlauen Spanier hatten sich, und Alles was ihnen gehörte, auf Canves in Sicherheit gebracht, und nur Einen mit den Lastthicrcn inS Land geschickt, um die Verfolger, die sie nach kurzer Zeit vermuthen mußten, irre zu leiten. Dieser hatte dann die Thiere verkauft und war, ohne das; Jemand auf ihn achtete, spurlos verschwunden.
Seit dieser Zeit hat zwar Keiner der Spanier gewagt, jene Gebirge, wo ihn die Rache der wilden Grenzbewohner erwartete, wieder zu betreten, aber auch die Silbenniue am Hurricane ist noch nicht von den dort Wohnenden entdeckt, und vergebens haben bis jetzt viele Jäger ein Geheimniß zu ergründen versucht, um das zu bewahren schon so viel Blut vergossen wurde.
Die Jagdlnsk.
Der Sohn der Natur übt die Jagd, um zu leben, und rottet er reißende Thiere aus, wie die Heroen der
Alten, oder mindert ihre Ucberzahl zum Besten der Kultur, wie in Afrika, so ist er ein Wohlthäter der Menschheit. In dem Lande der Ungeheuer, wo Wölfe, Büffel, Hyänen und Schakals nur zur niedern Jagd gerechnet werden, wie der Holländer die Wallfische zur kleinen Fischerei rechnet, da ist der Jäger, der einen Königstiger, Löwen, Krokodill, Alligator rc. erlegt, ein schützender Herkules , wie bei uns der Mann, der einen tollen Hund nicdcrschicßt. Aber wir hatten Zeiten, wo der JäM' den Landmann niedcrschoß, der das Wild von dem im Schweiß seines Angesichts bebauten Felde vertreiben wollte oder sich ein bischen Holz holte, und diese Jäger waren die recht eigentlichen tollen Hunde, lind um so gefährlicher, da sie zahlreicher und geschützt waren vom — Souverän!!
Die Jagd ist jetzt in gebildeten Ländern bloße Lustpartie und Zeitvertreib, das gefällte Wild weniger Zweck als das Vergnügen, cs zu fällen, wie die damit verbundene Abwechslung und Bewegung, worüber ein Nimrod nicht blos Fran und Kind, sondern Hitze und Frost, Berg und Thal, Busch und Sumpf, ja manchmal selbst die Menschlichkeit vergißt. Viele tadeln die Jagdlust als eine empfindungslose Mordlust — aber die Bewegung unter freiem Himmel mit in schönen Wäldern, die Ge-