Die „Freie Zeitung" erscheint täglich in einem Bogen. — Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. - Der Abonnements - Preis vom 1. März bis 1. Juli d. I. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen mnerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogu)ums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischcn Provinz Hanau 2 fl. 4 - fr. innerhalb aller übrigen Thurn und TariS'schen Postbezirken 3 fl. —
Inserate werden bereitwillig ausgenommen. — Die Jnserations-Gebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
An die Leser!
Noch sind cs keine zwei Monate, dass die freie Zeitung, das erste politische Blatt in Nassau, mitten unter den Bewegungen, tvelche dem 4. März vorau- Wgeu, gegründet wurde. Hervorgerufen durch das Bestreben, die damals noch nicht gesicherte freie Ent- w tifcl miß Nassau's als eines Theils unseres gesauuu- ten deutschen Vaterlandes mllassen Kräften zu unterstützen und fern Vpu dem Gedanken einer bloßen Spekulation, hat sie das größte Recht, sich als crstgebornes Kind der neuen Freiheit zu betrachten. Wenn wir nun nach der kurzen Zeit, die seit ihrer Entstehung verflossen ist, einen Rückblick auf ihre Wirksamkeit werfen, so können wir das wenigstens mit gutem Gewissen qussprechen, daß wir an der Idee, welche uns bei ihrer Gründung leitete, unerschütterlich fest gehalten haben: Abgesehen von allen Nebenrücksichten,' entfernt von Schmeichelei nach Oben oder Unten dem, was wir als wahr und Recht erkannt haben, als Organ zu dienen und die junge Freiheit zu beschützen vor ge- waltthätigcn und heimlichen Angriffen, so daß sie sich in ruhiger Weise vollkommen entwickeln könne. Wenn aber auch die Absicht stets das Beste Tvottte/7d wißen" wir sehr wohl, daß die Ausführung ihr nicht so nahe kam, wie wir selbst gelwinscht hätten.
Hindernisse und Schwierigkeit aller Art standen'uns entgegen, die Jeder, welcher einen Begriff hat von der Mühe und Schwierigkeit unsrer Ausgabe, einsehen wird, wenn er bedenkt, daß auch nicht die geringsten Vorbereitungen für unser Werk getroffen waren. Es ist wohl noch nie eine Zeitung gegründet worden, ohne daß man versichert war, die nöthigen Mittel dazu in Händen zu haben, ohne vorher Mitarbeiter und Correspondenten gewonnen oder nur die technischen Vorbereitungen für den Druck eingerichtet zu haben. Alles Dieses, was vorher hätte geordnet sein sollen, mußte während des Erscheinens nachgeholt werden, und nahm eine solche Mühe und Zeit in Anspruch, daß ein großer Theil der für das Schreiben von Artikeln selbst bestimmten Zeit hinweggenommen wurde. Weiter war Keiner der anfänglichen Redacteure in der Führung einer Zeitungs- redaction geübt und sie selbst in ihren politischen Ansichten nicht übereinstimmend, was auch das Ausscheiden des Einen mit verursachte. Wenn nun auch ein Theil dieser Schwierigkeiten überwunden sind, so sehen wir doch noch manche und zum Theil ganz anderer Art, wie die angeführten, vor uns; sie mit Hülfe von Männern, welche gleiches Streben mit uns haben, zu bewältigen, ist unsere erste und heilige Aufgabe. —
Zum Schluß noch in wenig Worten unsre bestimmte
Ansicht über die Frage, ob wir die Republik für Deutschland wünschen oder die constitutionelle Monarchie, eine Frage, die zwar in früheren Aufsätzen schon von uns besprochen worden ist, die wir aber hier nochmals in klaren kurzen Worten bestimmt beantworten wollen:
Wir halten in der Theorie diejenige Staatsform, für die beste, in welcher Alle gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben, d. h. den Freistaat, wir sehen auch in der Wirklichkeit einen solchen in Nordamerika, der uns zum Vorbilde bei denjenigen Einrichtungen dienen kann, welche wir, ohne uns in übereilten und darum nicht haltbaren Maßregeln zu überstürzen, ein führen müssen, wir glauben selbst, daß wir einen großen Vorzug vor Nordamerika in zwei Punkten haben: In der Abwesenheit der Bankgesetze und der Sklaverei, welcher vielleicht später den Ruin jener Staaten herbeifühkM können/ jedenfalls aber von trauriger Wirkung sind und zur Schmach eines freien Landes eristiren.
Allein ebensogut wissen wir, daß Völker gerade wie Menschen ihre Entwickelungsstufen durchmachen müssen, ^nd daß deßhalb nicht eine Verfassung für alle Völ- -^Èssen kann. Wir stehen nicht auf der -SckED'Mk' Ttc ^ürbamm^ahcr flehen TmVvarum würde die Einführung ihrer Verfassung — nur ein voreiliges Erpe- riment sein, was uns an den Untergang bringen könnte. Das Beispiel Frankreichs liegt nahe. Wir wollen jetzt nur die Bürgschaften dafür, daß wir uns frei und und ungehindert von äußerer Gewalt entwickeln können, haben wir diese Garantie, so wird Deutschland stets diejenige Verfassung haben, welche ihr am heilbringendsten ist. Diese Garantie einer freien Entwickelung, Preßfreiheit, Vereinigungsrecht, nationale Einheit rc. sind aber alle möglich unter der monarchischen Form, welcher auch die Mehrheit der deutschen Stämme noch anhängt.
Wenn wir darum auch die Republik im Allgemeinen für die beste Staatsform halten, so sehen wir jetzt in ihrer Einführung in Deutschland kein Heil. Ein Mann, der gefesselt lange Jahre im Kerker gelegen hat, kann nicht fest und gerade gehen, wenn er losgclasscn wird, er bedarf eine Stütze, an der er das Gehen lernt. Diese Stützen sollen uns unsre consti- tutionellen Fürsten in der nächsten Zukunft sein.
Deutschland.
Wiesbaden, 15. April. Des beschränkten Raumes wegeu konnten wir bisher diesen Aufruf nicht auf- nehmen, der aber auch jetzt noch vollkommen zeitgemäß ist:
Brirderttche Mahnung
an
unsere Nassauischen Mitbürger.
Männer des Nassauischen Landes!
Mit Vertrauen wendet sich eine Anzahl Eurer Mitbürger an Euch um Euch zu sagen, was sie jetzt zur Wohlfahrt des Landes für nöthig hält, um Euch auf Gefahren aufmerksam zu machen, die unserm Volke drohen und Euch aufzusordcru, daß Ihr mit uns sorget und arbeitet, damit Unglück abgewcndct und Frieden erhalten werden möge.
Fragt Ihr: Wer hat Euch dazu Macht gegeben? So antworten wir: Die Liebe zu unserem Vaterlande hat- cs uns geboten und diese Liebe ist eine Macht, die überall herrscht, wo brave Männer wohnen. Sie gibt uns ein Recht zu Euch zu reden, als Brüder zu Brüdern.
Aber welche Gefahren drohen uns dann? Wo ist der Feind, der uns Uebels thun will? — Von den äußern Feinden, den Franzosen und Russen reden wir nicht, denn gegen diese -wird Vn; Deutschland, wenm^Ndth thun sollte,'feine starken Waffen kehren.—
Wir Durren an einen Feind in unserm Lande selbst,' ân die Zwietracht, welche unter die Bürger desselben gesäet werden soll, und diesen schlimmsten aller Feinde müssen wir selbst und allein überwinden.
Ihr steht betroffen, als wolltet Ihr sagen: Wo ist eben dieser Feind? — O! liebe Mitbürger! das ist eben das Allerschlimmste' an diesem Feinde, daß man nicht sagen kann, wo er ist, und daß cs, wann er sich zeigt, zu spät ist, ihn zu vertreiben. Daruin mahnen wir Euch ernstlich, auf Eurer Hut zu fein, damit er sich nicht cinschlciche. Einschlcichen will er sich aber in Eure Herzen und in Eure Gemeinden durch das Mißtrauen, welches man zwischen die verschiedenen Glaubensgenossen streut. — Glaubt also, liebe Brüder, denen nicht, welche Euch sitzt sagen, die Religion fei in Gefahr, denn die Religion steht fester, als die Thoren meinen! Traut Denen nicht, welche Euch jetzt so angelegentlich auffordrrn, nur Männer in die Landstände zu wählen, welche „die religiöse Freiheit" für alle wollen; denn nicht immer ist der ein Freund der reite giöscn Freiheit, welcher von ihr 'pricht! folgt Denen nicht, welche in die Berathungen über bürgerliche Angelegenheiten die Religion cinmischcn wollen; denn solche schaden der kirchlichen Freiheit ebenso sehr als der bürgerlichen. Seid darum wachsam, Ihr Brüder, damit man Euch nicht unter dem Vorwande, Euch die Freiheit zu sichern, die Freiheit selber rauben.
Ücbcrlassen wir es den geistlichen Behörden des
Die Silbernrine in den Dzarkgebirgen.
(Schluß.)
Schon hatten die beiden Flüchtigen, die durch einen Fehltritt iâ Sturz des verwundeten Thomson, die Verfolger auf ihre Spur gebracht, die sechste Terasse erreicht, und eilten in langen Sätzen einem Kastaniendickicht zu, das dmikcl vor ihnen lag, als sie die Schritte des Schnellsten ihrer Feinde hinter sich hörten. Preston Hß gerade noch zur rechten Zeit seinen Gefährten in eine kleine Schlucht hinein, die eine Quelle, dort dem Felsen entspringend, gebildet hatte, und neben der, kaum zwei Schutt von ihnen entfernt, ein dunkler Abgrund sie au- gähnte, ans welchem die Spitzen eines langwüchsigen Hi- kory cmpvrstarrten, als eine lange, dunkle Gestalt an ihnen vorbei sprang, und dem Dickicht zucilte. Dieser folgte rasch eine zweite und dritte, und schon hatten die beiden letzten den Rand der Terasse erklommen und wollten dieselbe Richtung nehmen, als der Eine von ihnen, ob ans Zufall oder durch den Instinkt, der ihm seinen Feind verrieth , getrieben, mich dem dunklen Platze, der die beiden Verfolgten barg, und der ihm verdächtig scheinen mochte, zusprang und aufmerksam darauf hin schaute.
Der Mond trat gerade hinter einer dünnen Wolke
hervor , und der glänzende Büchsenlauf mußte die Versteckten verrathen haben, denn ein, durch die Ueber; raschnng'auögepreßtcs „ha" entfuhr den Lippen des Spaniers; cs war aber sein letzter Laut, denn Preston, als er sah daß sie entdeckt waren, hatte ruhig die Büchse heraufgenommen uni) angelegt, und bei dem Krach des Gewehres zncktc auch der sicher Getroffene zusammen und stürzte mit schwerem Fall zwischen die Steine nieder.
Mache ben andern Schuft kalt — schnell oder èr entflieht, rief er jetzt seinem Gefährten zu, der bleich und athemlos neben ihm am Felsen lehnte.
Nimm mein Gewehr — ich kann cs nicht mehr heben , hauchte dieser, und reichte ihm die Büchse, bic Preston in fieberhafter Aufregung ergriff, um auch den andern Feind unschädlich zu machens doch dieser trat hinter eine starke Eiche, die ihn schützend bedeckte, und sein Ruf brachte in wenigen Minuten die Andern zur Stelle zurück, die durch den Krach der Büchse in ihrem Laufe aufgchaltcn, jetzt mit wilder Freude dem Zeichen Folge leisteten.
Aber Preston war indessen nicht müßig gewesen, und hatte, da er sah, daß sich ber Spanier außer dem Bereich feiner Büchse hielt, Thvmsvn's Gewehr hhyc= stellt, das seiuige wieder geladen, und schüttete gerade
Pulver auf bic Pfanne, als die dunkeln Schatten der Verfolger sichtbar wurden, wie sic schnell durch die um- hcrgcstreuten Fclsstücke und Stämme einhcrglittcn.
Mit wenigen Worten beschrieb der Zurückgebliebene den Schlupfwinkel ihrer Feinde und zeigte ihnen das neue Opfer, das durch Preston's fiebere Hand gefallen; aber nur ein lauter, wilder Schrei ber Rache, bei dem bic beiden Verfolgten unwillkürlich zusammen zuckten, war bic Antwort, und wie Tiger warfen sich bic Spanier auf ihre Beute.
Preston lag im Anschlag und der Erste, der, in der linken Hand eine Pistole, in der rechten ein Messer, kaum zehn Schritte von ihm entfernt, hinter einem Felsstück auf ihn zusprang, fiel, durch das Herz genossen, nieder; feine Büchse dann wegwerfend, ergriff er die seines Cameradrn und legte mit Blitzesschnelle auf den Nächsten an — aber harmlos berührte sein Finger den Drücker! wohl schnappte der Hahn , und die Funken flogen in die geöffnete Pfanne hinab, doch das Pulver war ihr beim'Sturz entfallen und erfolglos klappte der Stein gegen den Stahl. In dem Augenblicke schoß ein scharfer Blitz hinter einem dicht neben ihm liegenden Fels hervor und mit zerschmettertem Haupte sank Preston auf seinen Cameraden zurück.