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daher die Aufgabe aller Besitzenden, seien es große oder "kleine, seien eS Bürger, Adelige oder Bauern, die Regierung in ihrem Streben, die Reformen auf gesetzlichem Wege durchzuführen, auf alle mögliche Weise zu unterstützen und den anarchischen Bestrebungen, in welches Gewand dieselben sich auch Hüllen mögen, mit Festigkeit entgegenzutreten. Ich hege daher die Ueberzeugung, daß, um Dieses mit Erfolg khun zu können, die Schranken, welche zwischen den verschiedenen Klassen der Besitzenden bestehen, so weit dieselben einer engeren Vereinigung dieser Stände in den Weg treten, möglichst beseitigt werden sollten."
Der Fürst erklärt sodann, daß er gleich jetzt auf alle Gerichtsbarkeit, Polizei- und Forstjurisdiction in seinen Besitzungen in Oberbayern und Unterfranken gegen Uebernahme des Personals und der Pensionisten verzichte. Auf die rechtmäßig begründete Entschuldigung für die Gerichtsbarkeit verzichtet er zu Gunsten der ärmeren Bewohner seiner bisherigen Herrschaftsgerichte Amorbach und Miltenberg. Ferner verzichtet er auf das Kirchen- und Schulpatronat gegen Uebernahme der darauf haftenden Lasten, ans das Recht der Siegelmäßig- keit und den privilegirten Gerichtsstand. (Fr. I.)
Berlin, 11. April. — (Schluß.) Bei der Betrachtung über die Aufforderung jener Berliner Anonymi und der vernünftigen Antwort des Staatsprokurators Kirchhof ist mir ein Aufsatz der „Nassauischen Allgemeinen Zeitung" Nr. 14 wieder ins Gedächtniß gekommen, welcher gleichfalls über eine besondere Art von Ucbergriffen üllcr Mißbrauchen der Presse spricht. Nachdem im Anfang die würdige Haltung, welche die meisten Zeitungen seit der Preßfreiheit beobachteten, rühmend erwähnt ist, geht der Verfasser auf einen Mißbrauch derselben durch manche Organe über, den er mit dem Namen „journalistische Katzbalgereien, lokale Winkeljournalistik, persönliche Anfeindungen, journalistische Kinderschuhe rc." bezeichnet, und welchen die Nass. Allg. Ztg. einen Verrath an dem Volke nennt, den ein gewissenhafter Zeitschriftsteller nicht vor sich und dem Volke verantworten könne. Dann folgt die gewiß beruhigende Erklärung, daß dieß ihre erste und letzte Erwiederung auf solche an sie gerichtete persönliche Anfeindungen und Gehässigkeiten sei. Es ist ihre Sache, wie sie sich gegen „Anfeindungen und journalistische Katzbalgereien," die gegen sie gerichtet, verhalten will, ob sie dieselben zurückweisen und niederlegcn oder dazu schweigen will, aber durch den darüber geäußerten Unwillen drückt sie doch auch die Absicht aus, selbst gegen Andere keine solche Katzbalgereien, die nur beweisen, daß man die journalistischen Kinderschuhe noch nicht ausgetreten hat, beginnen zu wollen.
Dieß scheint aber nach der Nummer, welche der angeführten unmittelbar vorhergeht (Nr. 13), nicht der Fall zu sein. Dort antwortet sie auf unsern Aussatz über die großartige Adlerversammlung, indem sie eine Stelle daraus anführt, dieselbe aber so verändert citirt, daß der Sinn ein ganz entgegengesetzter wird. Es war in dem erwähnten Aufsatze von unserer Seite nämlich gefragt worden, warum der betreffende Antrag nicht in der nur 3 Stunden später stattt gefundenen Beriammlung in den vier Jahreszeiten vorgebracht worden lei, und diese Frage verändert die N. Allg. Ztg. so, daß sie unsinnigerweise lautet, warum er seinen Antrag nicht in einer schon dagcwesencn Versammlung gestellt habe, und beantwortet lie dann mit großer Bereitsamkeit. Die beiden Stellen lauten: (Freie Ztg. Nr. 38, Ende der ersten Seite) „wohl aber muß man fragen, warum der Verfasser der Einladung seinen Antrag nicht in der von fast 1000 Menschen
beschlossenen Versammlung in den vier Jahrszeiten,, die m r 3 Stunden später abgehalten werden sollte, gestellt hat." (Nass. Allgem. Ztg. Nr. 13) „So liest man in einem Aufsatz Nr. 38 der Freien Ztg. — die naive Frage: „warum der Verfasser jener Einladung seinen Antrag in der kurz zuvor in den vier Jahreszeitn abgchaltcncn Volksversammlung gestellt habe." Wenn die Nass Allg. Ztg. die Katzbalgereien bei Andern tadelt, so darf sie selbst auch keine beginnen, besonders keine mit solchen (gelind gesagt) Unrichtigkeiten, oder sic muß sich auch an den Staatsprokurator Kirchhof in Berlin wenden, damit dieser die Ucbcrgriffe der Presse gegen sie, z. B. diese Erwiederung, verbietet.
Berlin, 14. April. General Willissen ist gestern Abend von Posen hierher zurück und nach Potsdam durchgeeilt. Wie man vernimmt, hat der Ministerrath beschlossen, die polnischen Theile des Großherzogthums sich selbst zu überlassen und nur die überwiegend deutschen Bezirke durch die Truppen besetzt zu halten. — In einer Volksversammlung unter den Zelten wurde gegen die angeordneten indirekten Wahlen protestirt. Das Ministerium hat jedoch erklärt, daß es seinen Bestand an das indirekte Wahlsystem knüpfe.
— In Spandau fand gestern eine Revolte der Sträflinge statt, so daß mit den Waffen eingeschritten werden mußte. Ein Züchtling wurde getödtet, ein anderer verwundet.
(F. I.)
Breslau, 11. April. Der Ober-Präsident der Provinz Schlesien, Pinder, hat folgende offizielle Erklärung gegeben: Die sich immer wiederholenden Gerüchte, daß Rußland eine Invasion in die diesseitigen Staaten beabsichtige, und daß zu diesem Zwecke bedeutende russische Truppenmassen an der diesseitigen Grenze zusammengezogen würden, haben mich veranlaßt, genaue Nachrichten über deren Nichtigkeit einzuziehen.
Nach den mir zugegangenen völlig zuverlässigen amtlichen Nachrichten sind indeß alle derartigen Behauptungen unbegründet. Bis jetzt sind russische Truppen in ungewöhnlicher Anzahl an der diesseitigen Grenze nicht aufgestellt und alles was Rußland, in Folge der Ereignisse in Deutschland, bisher gethan hat, beschränkt sich sich auf eine schärfere Beobachtung der Grenze und eine strenge Ueberwachung des Handels und Reiseverkehrs zwischen dem russischen Kaiserreiche und den diesseitigen Staaten. Unsererseits sind und werden nichts desto weniger alle Vorbereitungen so getrosten, daß allen Eventualitäten wirksam begegnet werden kann. Die ganze Ostgrenze von Krotosziiy ab bis gegen Krakau ist durch diesseitige Truppenaufstellungen beobachtet und gegen jeden unvermutheten Handstreich gesichert. Um aber jeden ernstlichen Angriff, von welcher Seite er auch kommen sollte, mit Energie zurückweisen zu können, thut die Befestigung der Ruhe und Ordnung in unserem Staate, und die Zuversicht auf die zweckentsprechenden Anordnungen der Behörden vor allem Noth.
Ich vertraue, daß die Einwohner der Provinz Schlesien zur Erreichung dieses Zwecks mit allen Kräften Mitwirken werden. (Br. Z.)
Breslau, 12. April. — Die Provinz Posen wird jetzt täglich in eine andere Lage geworfen. Bald glauben die Polen auf friedlichem Wege Alles zu erlangen und so von einem ihnen selbst unwillkommenen Kampf befreit zu werden, bald hoffen die Deutschen nicht nur von ihrem Gesammtvater- lande nicht losgerissen, sondern auch noch fester an dasselbe