Freie Zeitung.
«M 4§. Wiesbaden. Mittwoch, 19. April 1848.
Freiheit und Recht!
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Deutsche Männer!
Es bedarf keiner Ermahnung an Euch, der Freiheit treu zu bleiben und dem Vaterland ; laßt uns aber die großen Ereignisse ins Auge fassen, die uns bevorstchcn.
An Deutschlands Grenzen wüthet der Krieg oder ist dem Ausbruche nahe. Die halben Maßregeln des Berliner Ca- bincts haben unsere Brüder in Schleswig dem Feinde in die Hand gegeben; der Pole, der von Deutschland seine Befreiung hofft und begehrt, steht im Begriff, die deutsche Bevölkerung Posens zu unterjochen; der Italiener wagt eS, in Tyrol ein- zufallen, und unsere eignen Landsleute eilen von Paris und Lyon herbei, um unsere Gaue mit Krieg zu überziehen und dem deutschen Volköwillen sich feindlich entgegenzustellen.
Ueberall Schwäche, Undank, Unverstand!
Werden wir dieses kleinen Krieges nicht einmal Meister, was sollen wir von der Zukunft erwarten? Wo bleibt die Energie des Bundestages und der Gehorsam der Fürsten gegen seine Beschlüsse?
Am 1. Mai wird die constituircnde Nationalversammlung der Deutschen zusammentreten. Vom ganzen Volke erwählt, ist sie berufen, als eine souveräne Macht nach eignem Ermessen die Verfassung Deutschlands zu bestimmen, die Volks- rechtc festzusctzen. Als Grundlage dieser Verfassung, dieser Volksrcchte ist von der vorbcrathenden Versammlung die Souveränität des Volkes ausgesprochen worden; auf diesem Fundamente allein muß weiter gebaut werden.
Wir erwarten ferner, daß die constituirende Nationalversammlung aus eigner Machtvollkommenheit mit starker Hand das Ruder ergreife, um Deutschland aus den großen Gefahren, die ihm drohen, zu retten; wir erwarten, daß sie ihren Beschlüssen nach Außen und nach Innen Nachdruck und Gehorsam zu verschaffen wissen werde.
Jeder Deutsche muß sich dem ausgesprochenen Nationalwillen unterwerfen, sei er Fürst oder der Geringsten einer, sei er dieser oder jener Partheiansicht zugethan. Nur auf diesem Wege der Unterordnung des Einzelwillenö unter den
Gesammtwillen kann Einheit und Einigkeit, kann Kraft und Stärke in die Nation kommen.
Wir fordern daher alle deutschen Männer, welchen die Erhaltung und die Freiheit ihres Volkes am Herzen liegt, auf, fest auf dem Entschluß zu beharren, die vorgezeichneten Grundlagen der vorberathenden Versammlung aufrecht zu erhalten und den in diesem Geiste ohne Zweifel von der Nationalversammlung zu erlassenden Beschlüssen gegen Jedweden, wer er auch sei, Geltung und Gehorsam zu verschaffen.
Wiesbaden, den 16. April 1848.
W. Zais. Franz Bertram. Horstmann.
Wiesbaden, 17. April. Schon gestern hat Hergenhahn folgenden Ausruf erlassen, den wir nicht mehr mittheilen konnten:
Da die offizielle Nachricht eingegangen ist, daß der Einfall bewaffneter Freischaaren, aus Deutschen und Franzosen bestehend, von Straßburg und der Schweiz aus in das Badische erfolgen werde, und daß Hecker und Struve zum bewaffneten Zuge der aufgeregten Massen gegen das Badische Unterland aufgefordert haben, um ihre Pläne mit Gewalt der Waffen durchzusetzen, so sind in Gemäßheit eines Bun- dksbcschlusscs die Beurlaubten einberufen worden, um sich mit dem achten deutschen Armeecorps zu vereinigen, und zu dem Ende nächsten Donnerstag oder Freitag auszurücken.
Nassauer! Es gilt einen Verrath am deutschen Vaterland zu unterdrücken, es gilt die Ruhe und Ordnung zu handhaben, die nothwendig ist, damit unsere deutsche constituirende Nationalversammlung zusammentrete und in freier Berathung die Zukunft unseres Vaterlandes sicher stelle!
Wiesbaden, den 16. April 1848.
Herzoglich Nassauisches Staats-Ministerium.. Hergenhahn.
Die in der Aufforderung geäußerten Befürchtungen wegen des bewaffneten Einfalls unter Hecker und Struve sind glücklicherweise gehoben, da die Bevölkerung des See-