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fort vorgenommen werden, und Neubauten, wozu so vkelfäl- ,tiges Bedürfniß noch vorliegt, in möglichster Ausdehnung zur Ausführung kommen.

Nimmt man für jeden Amtsbezirk nur die Summe von 10,000 fl. an, welche für Neubauten und Unterhaltung der Staats- und Gemeinde-Gebäude verwendet werden, so er­gibt sich der bedeutende Betrag von 280,000 fL, welche der Klasse der Bauhandwerker zu gewähren ist; ein Betrag, mit dem bei gehöriger Verwendung wahrlich viel ausgerichtet wer­den kann.

Wir zweifeln zwar nicht, daß mit der bevorstehenden neuen Organisation der ganzen Landesverwaltung und daher namentlich mit dem Eintreten der zugesagten freien Gemeinde- ordnung dieser Uebelstand ein für allemal beseitigt werden wird. Bis aber diese Veränderung in Gescßcsform ausge­sprochen sein wird, ist es die Pflicht der bestehenden Behör­den dahin zu wirken, daß alle Nachtheile der früheren Ver- fahrungsweise vermieden und mit Umgehung aller unnöthigen Weitläufigkeiten auf kürzestem Wege der wahre Zweck erreicht werde.

Wir müssen daher auch dringend verlangen, daß alle ein­schlagenden Behörden unverzügliche Ausführung der öffentli­chen Bauarbeiten sich zur Aufgabe machen und daß nament­lich die Oberbchörden in gleichem Sinne entschieden dahin wirken, daß alle hemmende Umständlichkeit in dieser haupt­sächlichen Abtheilung der öffentlichen Industrie bei Seite gesetzt werden.

Wir glauben, dieß um so mehr aussprechen zu müssen, als wir dadurch zugleich ein Mittel bezeichnen, durch welches die zum Nachtheile des Gemeindewohls leider nur zu sehr gesunkene Anerkennung der Behörden wieder einigen Halt bekommen würde, wenn das Volk daraus die Ueberzeugung gewinnt, daß diese Behörden nicht allein sein bestes Wohl beabsichtigen, sondern daß sie es auch verstehen, dieses Wohl zu begründen.

Wiesbaden, 15. April. Wir erhalten soeben einen Privatbrief, den ein junger Wiesbadener am 13. April Nachmittags 2 Uhr von Donaueschingen an seinen hier wohnenden Vater abgesandt hat. Derselbe enthält die Ab­schrift des unten beigefügten Aufrufes mit der Bemerkung, daß der erwähnte Zug auf Karlsruhe abgesehen zu sein scheine und daß einem Gerücht zufolge 20000 Franzosen und Schweizer noch denselben Tag in Donaueschingen eintreffen sollten. (Wie wäre das aber möglich, ohne daß man irgend etwas davon erfahren hätte?) Wenn der Aufruf wahr ist, wenn wirklich diese beiden Männer aus der Reihe braver deutscher Männer ausgetreten und Vater la ndsverräther geworden sind, dann haben sie eine Schande über ihren Na­men gebracht, die unauslöschlich ist; sie stehen danach im Be­griff, eine Handlung zu begehen, gegen welche die Berliner Dlutscenen in nichts verschwinden, denn sic beginnen einen Bürgerkrieg, einen Krieg gegen ihr Vaterland, der un­sägliches Blutvergießen über ganz Deutschland bringen, durch von Deutschland untergeben sann. Wissen unsere Feinde, daß wir uns selbst bekriegen, dann werden sie mit doppelter An­strengung ihre Raubzüge gegen unsere Gränzen beginnen und die Gelegenheit, unsere nationale Macht im Entstehen zu un­terdrücken, mit allen Kräften benutzen. Wir können dem Plan noch keinen rechten Glauben schenken und wenn selbst jene 2 Männer so weit in ihrer Verblendung gegangen wären, so wird doch ihre schmachvolle Aufforderung keinen Anklang bei

wahren Deutschen finden. Wenn unser Heil im Bunde der Franzosen uns mit Waffen in der Hand aufgezwungen wer­den muß, dann sicht es schlimm für uns aus.

Der Aufruf lautet:

Mitbürger, Brüder, Freunde!

Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen. Worte können uns unser Recht und unsere Freiheit nicht erobern. Darum fordern wir Euch alle waffenfähige Männer auf, Freitag den 14. April, Mittags 12 Uhr, in Donaueschingen auf dem Marktplatze mit Waffen und Munition in geordne­ten Zügen und mit Lebensmitteln auf 6 Tage versehen, zu erscheinen.

Unsere Freunde Bruhn, Au, Willmann, Rans, Rosina und Andere werden zu Euch treten, und Euch sagen, was das Vaterland von Euch erwartet. Sie sind bereit, sich an Eure Spitze zu stellen.

Struve ist bereits in Donaueschingen angekommen und wird der Versammlung mit Rath und That zur Seite stehen.

Constanz, den 12. April 1848.

Fr. Hccker. Gustav Struve.

Wiesbaden, 15. April. Endlich ist, wie uns aus siche­rer Quelle zugeht, ein Schritt geschehen, um die Vereinigung Deutschlands zu einem gemeinsamen Zoll- und Handelssysteme herbeizuführen. Braunschweig hat an die Regierungen von Hannover und Oldenburg, sodann an die Regierungen der Zollvereinsstaaten Vorschläge zur Vereinigung beider Vereine, des Steuervereins (Hannover und Oldenburg) und des Zoll­vereins (Preußen tc.], gelangen lassen und die Stadt Braun­schweig als Sitz der verhandelnden Commission bezeichnet. Daß die übrigen norddeutschen Staaten, Mecklenburg, Schles­wig-Holstein, Hamburg und Bremen, geneigt seien, dem Zoll­vereine beizutreten, wird von dein braunschweigischen Ministe­rium nicht bezweifelt; daß aber Oesterreich jetzt schon dazu im Stande sei, wird, wahrscheinlich wegen der Regulirung seiner Territorial- und Umgestaltung seiner inneren Steuer- Verhältnisse sehr in Zweifel gezogen.

Jedenfalls muß und wird die Lösung der großen Frage des Zoll- und Handelswesens eine der ersten Beschäftigungen der Frankfurter constituircnden Versammlung werden, und wir wollen deshalb die Schritte Braunschweigs nur als Anbah­nung des Weges vorerst betrachten. Aber den Wunsch kön­nen wir hier nicht unterdrücken, daß es endlich auch an der Zeit sei, daß Preußen, Kurhessen 2C. die Erhebung der den inneren Verkehr so sehr hemmenden sog. Ausglcichungssteucr von Wein, Branntwein, Bier und Tabak fallen ließen, ohne abzuwarten, bis die erwähnte Versammlung in Frankfurt der­selben den Stab gebrochen. Hat doch der König von Preußen versichert, daß alle Zollschranken im Innern Deutsch­lands fallen müßten, warum macht er nicht sofort mit der erwähnten Ausgleichungssteuer den Anfang?

Um den vielen Anforderungen um Gewehre, welche täg­lich aus allen Landestheilen an uns gelangen entgegen zu fommen, bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die uns von Herzog!. Zeughausdircction zur Verfügung ge­stellten Waffcnvorräthc längst vergriffen sind, daß übrigens mit Fabrikanten in Lüttich Contracte zu Lieferungen abge­schlossen, und bereits auch mit Birmingham Unterhandlungen angeknüpst sind. Sobald auf diesen Wegen Waffen ankom-