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Wenn "Einzelne, begünstigt durch den NepotismuS, viel­leichtrauf ihnen nicht gebührende Stellen gehoben wurden, so ist es eben so unbillig, als ungerecht, Ausnahmen als Maß­stab für die Beurtheilung eines ganzen Standes aufstellen und alle Mitglieder desselben ohne Unterschied in ein Prokru­stesbett einzwängen zu wollen.

Keine Beschäftigung, wenn sie nicht ehrlos ist, verdient niedrig genannt zu werden. Wir finden daher den Ausdruck niedriger Schreiberdienst", so wie die andern in ähnlichem Tone gewählten Ausdrücke, glimpflich gesagt, sehr hart und mit dem Billigkeit- und Humanitätsprincip, das der Herr Verfasser zu vertreten sucht, nirgends im Einklang.

Der Staat, er mag organisirt werden wie er will, wird immer der Schreiberdienste bedürfen, und wir glauben, dass der Schreiberdienst, namentlich bei den Aemtern, Landober- schultheißercicn rc., Arbeiten mit sich bringt, die eben so sehr Sachkenntniß, Ueberlegung und Umsicht erfordern, als die Abfassung einer richterlichen Entscheidung.

Damit soll aber durchaus nicht behauptet werden, daß eS nicht besser wäre, für alle Dienststellen des Staates, wozu sog. Nicht-Studirte verwendet werden, ein gewisses Maß von Vorbildung festzustellen und dazu möglichst im Lande selbst die erforderlichen gesetzlichen Veranstaltungen zu treffen, statt, wie bisher, dies Alles dem Zufall und der besonderen Mühe der betreffenden Individuen zu überlassen. Dies ist ein Ge­genstand weiterer Erörterung, welchen wir um so mehr der öffentlichen Verhandlung kundiger Männer empfehlen, als er dringend nothwendig erscheint und doch bisher in Nassau ganz unberücksichtigt blieb, während in mehreren Nachbarländern dafür gesetzliche Bestimmungen eristirem

-4- Wiesbaden, 14. April. Es verbreitet sich hier ein Gerücht, das zu den unangenehmsten Aeußerungen Veran­lassung gibt und, wie wir hoffen, der Begründung entbehrt. Ein Graf Elz, früher Lieutenant in österreichischen Diensten, soll hier Hauptmann und Flügcladjutant ü la suite des Her­zogs geworden sein. Für den Fall, daß es wahr sein sollte, sprechen sich alle Stimmen, Militär-, Civilbcamte und Bürger, welche es mit dem Land und dem Herzog wohl meinen, nur ungünstig darüber aus. Nicht als ob die ersteren nur wegen der Bevorzugung sich gekränkt fühlten, oder man gegen die Per­son des Grafen etwas cinzuwcnden hätte, nein/ nur darüber, daß die Umgebung des Herzogs, welche ohnedies schon genug Elemente enthält, die, gelind gesagt, nicht volksthümlich sind, noch um ein weiteres, dem Volke fremdes und unbe­kanntes Glied vermehrt wird. Wir kennen den Herrn Grafen nicht und er uns ebensowenig, deßhalb paßt er nicht für eine solche Stelle. Der Herzog bedarf zu seiner Umgebung Männer, welche dem Volke durch ihr bisheriges Verhalten im Lande dafür bürgen, daß er klar über alle Verhältnisse unterrichtet wird. Trübe Brillen hatte und hat er noch genug, Menschen, denen es leid ist, daß der 4. März je da war, und darum ist der Versuch mit einem Unbekannten, selbst wenn er der beste Mann ist, sehr bedenklich.

_ Wir haben wackere Männer unter den einheimischen Offizieren, die bei Offenheit und Freimuth ein warmes Herz für das Vaterland besitzen, die wir kennen, und welche eine bessere Garantie für eine solche Stelle bieten, als ein Unbe­kannter.

Warnende Beispiele solcher Anstellungen sind auS den letzten Jahren leider zur Genüge bekaunt; sie anzuführen, wäre

überflüssig. Doch, wie schon gesagt, bedarf das Gerücht noch der Bestätigung.

Dillenburg, 12. April. Es ist allerdings wahr, daß der Präsident Naht während seines 18jährigen Wirkungs­kreises bei dem Herz. Hof- und Appellationsgerichte zu Dil­lenburg Verdienstliches erstrebt und auch erreicht hat. Herr Naht war es, der eine infame Behandlung der Rechtsuchen­den nicht geduldet hat; er war es, der einen mit der Pro­zeß-Ordnung vereinbarlichen möglichst raschen Justizgang be­wirkt, Ordnung und Sicherheit in der Vormundschaftsver­waltung erreicht, den Verschleifungen der Concursprozesse vor­gebeugt und durch seine in Nr. 36 und 38 der freien Zei­tung getadelten Nescripte Ordnung in die gesamintc Justiz­verwaltung, so weit sie zu ermöglichen war, bewirkt, Miß­bräuche, Schlendrian und Faulheit bekämpft hat.

Es ist freilich nicht alles zu loben, was Herr Präsident Naht erstreben wollte und teilweise erstrebt hat; sein streng ausgebildeter biireaukratischer Sinn, die strengste Verfolgung seiner Ansicht, die Fassung der Nescripte, seine Feindschaft aller Ocffentlichkeit, die Kränkung und Bedrückung der Nechts- anwälte in gar mancherlei Beziehungen könnten Tadel ver­dienen; allein gar vieles kommt auch dem überaus schlechten faulen System, das in Nassau in Geltung stand, zur Last, so insbesondere der Einfluß der Präsidenten auf ihre Collc- gen und die Unterbehörden. Doch ist es eine nicht gerecht­fertigte, ehrenhafte Männer kränkende Behauptung, daß dieser Einfluß sich so weit erstreckte, daß selbst indem Richterkolleg fast nur seine Ansicht Geltung gehabt habe und die Selbst­ständigkeit der Untergerichte gebeugt worden sei.

Daß man dem Hrn. Präsidenten Naht die Entwerfung wichtiger Gesetze überlassen hat, bewährt ein großes Vertrauen in seine Befähigung hierzu. Wir wollen hoffen, daß dieses Vertrauen gerechtfertigt wird. In jedem Falle dürfte eine rasche Veröffentlichung der Gesetzentwürfe wünschenswerth sein.

Zur Steuer der Wahrheit diese Worte von einem Manne, der die Erfolge der Geschäststhätigkeit des Herrn Rath seit langen Jahren zu beobachten Gelegenheit gehabt hat; der übrigens mit demselben auch nicht in der entferntesten Beziehung steht, kein Staatsdiener ist und vor dem vierten März dieselbe Ueberzeugung gehegt und auch ausgesprochen hat, die er noch jetzt nach dem vierten März festhält und in dem jetzigen Aufbau der politischen Freiheiten ihren Aus­druck findet.

Vom Taunus, 11. April. Die katholische Geistlichkeit regt sich jetzt auch außerhalb Limburgs gewaltig. So hat der durch seinen Ultramontanismus namentlich auch in Wiesbaden rühmlichst bekannte Decan Jost zu Königstein gestern die Geistlichkeit seines Decanats bei sich versammelt, dem Vernehmen nach zur Berathung über den auf die bevor­stehenden Landtagswahlen zu bewirkenden Einfluß. Ich glaube, alle Volksfreunde auf dieses Treiben um so mehr aufmerksam machen und sie auffordern zu müssen, diesem mit aller Energie entgegen zu treten, als unleugbar der Einfluß der ultramon­tanen katholischen Geistlichkeit auf die zahlreiche minder gebil- detc Klasse des Volkes sehr bedeutend ist, für das Land aber kaum Etwas mehr Verderben bringend sein könnte, als eins starke Vertretung der ultramontanen Partei in der Kammer

Ein katholischer Einwohner deS Amtes Königstein

Diez, 11. April. Heute hat sich hier ein Wahl-Comit gebildet, welches durch sämmtliche Bürger gewählt und naa