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Schreiben des Herrn Bischof der Versammlung vorzulegen, kündigte Herr Müller an, daß er den bischöflichen Auftrag habe/zum Schutze der Religion einen Verein zu veranlassen.
Zu diesen: Zweck forderte Herr Müller die Mitglieder der Versammlung auf, durch Namensunterschrift, ihren Bci- tritt zu diesem katholische!: Vereine anzuzeigen. Ueber den angedeutctcn Zweck befragt, was denn Herr Müller unter „Schutz der Religion" verstehe, erhielt die Versammlung nur ausweichende Phrasen, welche in den Allgemeinheiten: es wäre gut, es ist zu wünschen w. enthalten sind. — Dieser Prinzipienlosigkeit des Waltens, einer bestimmten Form gegenüber, einen Verein zu gründen, welcher ereeutiv werden soll, in dieser Einseitigkeit und Oberflächlichkeit, setzten sich die versammelten Gemeindebürger entschieden entgegen.
Vor Allem wurde vertheidigt und bewiesen, daß durch die den 2. und 4. März beanspruchten und zucrkannteu neun Forderungen, weder die katholische noch eine andere Religion in Gefahr gekommen sei, daß vielmehr jeder religiösen Meinung vollkommener Schutz zugesichert worden.
Zwietracht erzeugend wurde der bischöfliche Hirtenbrief genannt, weil sowohl unter den Katholiken selbst, als unter Katholiken und allen übrigen religiösen Meinungen dadurch Spaltungen veranlaßt würden, welche die ersehnte und nothwendige Einheit der Staatsbürger ausheben und gefährden müsse.
Revolutionär, gesetzlos und Anarchie erzeugend wurde das Streben der katholischen Geistlichkeit bezeichnet, einen Verein gründen zu wollen, welcher die Oeffentlichkeit aus sch ließt, die Grundbedingung jeder freien Vereinigung.
Herr Pfarrer Müller wurde deßhalb erinnert, weil die Mitglieder des projektirten katholischen Vereins, durch Na- menschrift, eine Art Verbindlichkeit übernehmen, auch die Sitzungen der Vcrcinsmitgliedcr nicht öffentlich abgehalt cn werden sollten, die Autorisation der Stände und der Regierung einzuholen.
Nach dieser kurzen und würdigen Diskussion über Absicht und Zweck des bischöflichen Erlasses, welcher von der Gemeinde Oestrich in allen seinen Theilen verworfen wurde, trat Herr Pfarrer Müller mit seinem Vorschlag, einen katholischen Verein gründen zu wollen, für heute zurück. Eine einseitige Reaction Hervorrufen zu wollen, wird die thatkräftige, katholische Gemeinde Oestrich auf die gleiche gesetzliche Weise beseitigen.
Gegen 8 Uhr des Abends brachten die Mitglieder des hiesigen Liederkranzes den: seitherigen Deputaten I. B. Er atz ein Ständchen, nach welchem in heiterer Uebereinstimmung der Tag beschlossen wurde.
Das ehrenwerthe Beispiel dieser katholischen Gemeinde, die sehr wohl einsieht, daß nicht die katholische Religion, sondern nur die Pläne der Ultramvntancn und Jesuiten gefährdet sind, verdient die Anerkennung eines jeden freien Katholiken und eines jeden Andersgläubigen, und muß allen andern katholischen Gemeinden, welche von diesen Finsterlingen hcimgesucht werden sollen, zur Nachahmung empfohlen werden.
Geisenheim, 10. April. Wie es im ganzen Rheingau geschieht, so versuchte auch hier die katholische Geistlichkeit das Treiben der ultramontanen Partei durch glatte Worte zu beschönigen und die Einwohner in dies Netz zu ziehen. In icncr Bürgerversammlung sollten sie sich als Vertheidiger und Beschützer der katholischen Religion unterzeichnen. Es lag ein
großer weißer Bogen Papier vor ohne Aufschrift. Der klare Sinn eines dasigen Ehrenmannes rief zur Gemeinde: „Ihr Leute, könnt ihr euren Namen auf ein Papier schreiben, ohne zu wissen, zu welchem Zwecke?" Sogleich machte der bei weitem größte Theil der Besucher rechts um, lachte und tobte über das närrische Ansinnen der Geistlichkeit und sagte: wir wollen unter keine Knute, aber auch unter keine Kutte!
Winkel, den 10. April.
Grehrtcster Herr Redacteur!
Was den Artikel: „Beitrag zur Mcttcrnich'schen Biographie" in der Beigabe zur „Freien Zeitung" von: 9. April betrifft, bitte ich Sie sehr und innigst, dem Publikum zu veröffentlichen :
Ich Unterzeichneter bin nicht der Einsender des Artikels: „Beitrag zur Mettcrnich'schcn Biographie" in der Beigabe zur „Freien Zeitung" vom 9. April, kenne auch nicht den Mittheiler desselben. Wenn ich von diesem Manne Etwas zu veröffentlichen mich hätte entschließen wollen, so hätte ich mehrere ähnliche und weit wichtigere Verbrechen an unserm Vaterlande berichten können; besonders, daß er uns, dem Volke, statt Etwas zur Dankbarkeit dafür, daß es die Könige im Jahre 1813 aus dem Schlamme gerettet, in dem Con- grcssc nach ihren Versprechungen zu leisten und zu garantiren, sogar unsere alte Gerichtsbarkeit und Rechtsstühle, die wir an dem Kammcrgcrichte zu Wetzlar hatten, was kein Deutscher vergessen soll, genommen hat.
Was den Johannisberg betrifft, bemerke ich ebenfalls, daß Franz, der schon lange kein deutscher Kaiser mehr war, gewiß nichts in Deutschland am Rheine zu vergeben hatte, daß dessen Verschenkung an sich schon null ist, weil alle nach dein Friedensschlüsse im Lande eines Fürsten vacant gewordene Dependancen dem Fürsten als Landesherrn angehörten. Auch konnte der Wiener Kaiser auf den Johannisberg keinen Anspruch machen, weil er nicht allein der Eroberer war, sondern Preußen, England und Rußland auch ihre Kräfte anwendeten zur Unabhängigkeit Deutschlands von Frankreich. Von diesen Mächten kann Metternich kein Schenkuugspatent aufweisen. '
Der alte Hofmann.
Niedcr-Lahnstein, 30- März. In unserer Lahngegend macht sich jetzt die lang gehegte Erbitterung sämmtlicher Lahn- schiffer von Dietz bis Lahnstein gegen die Hüttengewerke und solche Aktiengesellschaften der Eisen- und Braunsteingruben Luft, die durch eigene Nachen nicht allein ihre, sondern auch Erze Dritter in Fracht fahren, hierdurch den Verdienst der ohnehin armen Schiffer vcrfümmcrn und deren ganze Verarmung in Aussicht stellen.
Nach der bestehenden Gewerbefreiheit ist dies auf gesetzlichem Wege nicht zu verhindern; es verräth indessen wenig Gemeinsinn, wenn diese Grubenbesitzer den reichen Segen inländischer Bergwerke so sehr ins Kleinliche ausbeuten, daß sie davon dem Schifferstande die kärgl chen, so sauer zu erwerbenden Brodsamen nicht einmal zukommen lassen wollen.
Diese Herren mögen aus den in diesen Tagen vorgekommenen Demonstrationen die lehrreiche Erfahrung schöpfen, wozu ein so zahlreicher, sonst ruhiger und ordnungsliebender Gcwerbestand fähig werden kann, dessen Cristen: sie in Frage stellen, und dann diesen Uebelstand möglichst bald zu ihrem eigenen Frommen beseitigen.^