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als die ganze übrige Menschheit schlägt. Das bezeugt ihm , der Haß der Weilburger Bourgeoisie und Aristokratie, die ihn schon Jahre lang vor der Revolution mit den Titeln: Communist, Radicaler" beehrt und bei Hr. Dungern denun- zirt hat, wie sie ihn jetztBaucrnaufrührer" u. dgl. nennt.

0 Vom Taunus, 8. April. Man hört gegenwärtig von Seiten der Reaktionäre häufig den Vorwurf erheben, das Volk rede nur von seinen Rechten, nicht aber von seinen Pflichten. So scheinbar dieser Vorwurf auf den ersten Blick ist, so thöricht ist derselbe bei genauerer Erwägung. Wer seine Pflichten nicht kennt, der kennt auch seine Rechte nicht, und wer ein klares Bewußtsein seiner Rechte hat, der ist sich nothwendig auch seiner Pflichten bewußt. Es sind allerdings solche unter dem Volke, die vim ihren Pflichten keinen be­stimmten Begriff haben, aber nur deßhalb, weil man bisher im Vvlksuntcrricht nie von den Rechten, sondern nur von den Pflichten des Menschen geredet hat. Beides läßt sich aber gar nicht trennen. Es thut in dieser Beziehung also eine totale Umgestaltung des Volksunterrichts noth. Man muß dem Volke einen Rechtskatechismus neben dem Moral- katechismus in die Hände geben, um eine freie männliche Gesinnung in demselben zu erzeugen. Eine Moral ohne Be­wußtsein der Menschenrechte ist Unsinn, ist Sclaventhum. Möge man daher bei der neuen Organisation unseres Schul­wesens nicht vergessen, die Recht sichre in den Lehrplan aufzunehmen! Und möge einer unserer freisinnigen Juristen die Ausarbeitung eines Rechtskatechismus für das Volk über­nehmen. Einstweilen erlauben wir uns, auf ein schon früher erschienenes Werkchen zu verweisen, in welchem die Lehre von den Menschenrechten neben und mit derjenigen von den mensch­lichen Pflichten abgehandelt wird. Es ist dies dieGeistes- lehre oder Unterricht über den Menschen, was er als geisti­ges Wesen ist und sein soll von I. F. Snell." Gießen, Heper, 1828. Möge diesem für den Jugcndunterricht be­stimmten Büchlein, welches bisher, während der Zeit der Knechtschaft, wie es scheint, ziemlich übersehen wurde, jetzt, da der freie Geist, der in demselben weht, durch ganz Deutsch­land sich Bahn bricht, seine gebührende Anerkennung werden!

In England fährt dieTimes" fort, sich wegen Schleswig unfreundlich gegen Deutschland und namentlich gegen Preußen auszusprechen. Sie nennt das Verlangen des preußischen Cabinets, daß der König von Dänemark nicht seine eigenen Truppen in seine eigenen Provinzen schicken solle, eineübermüthige Anmaßung". Indessen droht sie uns bis jetzt nur mit Rußland, nicht mit einer englischen Flotte. In der That würde jeder Krieg wegen ausländischen Hän- dcln bei der großen Masse des englischen Volkes nicht be- Ucbt sein.

Wien, 6. April, Nachmittags 2 Uhr. Die Ligorianer haben soeben unter dem Schutze der Nationalgarde die Stadt »erlassen. Das Volk erstürmte das Kloster, und nur dem lästigen Einschreiten der bewaffneten Bürger gelang es, das bedrohte Leben dieser Priester zu retten. (Allg. Z.)

Mailand, 4. April. Das offizielle Büllctin von heute Abend berichtet über einige Scharmützel zwischen öster­reichischen und piemontesischen Truppen. Erstere plündern und brandschatzen überall auf ihrem Wege. In Verona lie­gen 9000 Mann. General d'Aspre hat ihnen die Plünde­rung von Mailand versprochen; allein er hat bis jetzt keine Bewegung gemacht.

Einem Briefe aus Brescia vom 4. d. entnehmen wir folgendes:Die Provinz Brescia hat mehr als 20,000 Mann unter den Waffen. Die Priester mit dem Kreuze pre­digen den heiligen Krieg gegen die Oesterreicher. Die Mönche in Brescia haben bei unserm Kampfe zwei Kanonen bedient. Die Bauern ziehen mit Heugabeln u. s. w. herum und ent­waffnen die Fliehenden. Uebcrall ertönen noch die Sturm­glocken. Die Brücken sind abgebrochen, die Bäume umge, hauen, Verhaue errichtet, Dämme durchstochen und so weiter. Viele österreichische Soldaten desertiren; in ihrem Lager ist großer Mangel an Geld und Lebensmitteln. Die Oesterrei- cher sind nun allein noch in Peschiera, Verona und Mantua Meister. Diese Niederlage des österreichischen Heeres in zehn Tagen erinnert an den russischen Feldzug von 1812. Hier in Brescia haben wir viele österreichische Gefangene, 60 Of­fiziere. darunter zwei Generäle und zwei Obersten und 1200 Gemeine." (Fr. I.)

Telegraphische Depesche von Berlin, 9. April, Abends 6 Uhr. Der Minister-Präsident an den Hrn. Ober- Präsidenten Eichmann. Nach neuem Beschlusse des Bundes­tages werden statt der Wahlen durch den Vereinigten Landtag andere angeordnet werden. (gez.) Camphausen. Der Oberpräsident, Eichmann. (Köln. 3)

Frankfurt, 11. April. Wir entnehmen einer eben ein» laufenden Correspondenz aus Kassel vom 10. d., daß bei Gelegenheit einer Demonstration gegen die Herren Dehn- Rothfelser und Abboe von Seiten des Gardtcorps auf die Massen scharf eingehauen wurde. Alsogleich erhoben sich Barrikaden, die Kaserne und das Zeughaus wurden gestürmt. Die Garden haben sich geflüchtet. Mehr als 4000 Bürger stehen unter den Waffen. (Fr. I.)

Eines der ersten Banquierhäuser dahier (Jäger) hat seine Zahlungen eingestellt, weil es zu schwer hält, Baar­geld zu größeren Auszahlungen zu erhalten. Die Firma hat nachgewiesen, daß ihre Activa's sich auf ein und eine halbe Million belaufen. Und dennoch kein Geld auftreiben zu können? Dies ist ein harter Schlag für ein so achtbares Haus.

Mainz, 10. April. Heute haben sich das Handelsgericht und die Handelskammer vereinigt, um über die nothwendig zu ergreifenden Maaßregeln zur Unterstützung des GewerbS- und Handelsstandes mittelst einer Kreditanstalt zu berathen. Man hat keinen definitiven Beschluß gefaßt, sondern vorerst die Herren Schröder, Neus, Heidelberger und Denninger nach Darmstadt abgeordnet, damit sie sich über die Vorschläge und Mittel der Regierung in Kenntniß setzen. (M. Z.)

Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.

Lerlag von H. Fischer # C, Ritter. Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.

(Hierzu eine Beilage.)