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Freie Zeitung.

â 41. Wiesbaden. Donnerstag, LS April 1848.

âeiheiL und Recht!

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Verhandlungen der XVII Beigeordneten am Bundestage.

Frankfurt, 8. Sprit Fünfte Sitzung. Vor­sitzender v. Gagcrn. AIs neues Mitglied der XVII. trat heute für das Großherz. Luxemburg der Generalstaatsanwalt Willmar ein. Der Vorsitzende trug ein von dem Füufzigcr- Ausschusse heute eingegangenes Schreiben vor, in welchem die XVII. benachrichtiget wurden, daß der Fünfziger-Ausschuß sich mit der Bundes-Versammlung in unmittelbare Geschäftsver­bindung setzen werde, und daß er die Ausnahme der XVH in die Bundesversammlung bei dieser beantragt habe. Das Schreiben enthalt zugleich den Antrag, daß auch die XVII. ihre Aufnahme in die Bundesversammlung begehren möchte», und das Gesuch um eine Erklärung über Das, was für die Ausführung der Beschlüsse des Vorparlamente geschehen sei.

Während der Verhandlung über den Antrag wegen Auf­nahme der XVII. in die Bundes-Versammlung ging der Bun- desbeschluß vom gestrigen Tage in Betreff der Wahlen für die constituirende Versammlung ein. Der Vorsitzende verlas diesen Beschluß, durch welchen die Bestimmungen des Bun- desbeschlusscö vom 30. v. M. aufgehoben, und dagegen die Beschlüsse der am 31.V.M. und den folgenden Tagen ftatt- gehabten Frankfurter Versammlung als Grundlage für die bei den Wahlen der Abgeordneten zu der conftituirendcn Ver­sammlung zu beobachtende Ordnung angenommen und festge­setzt werden.

Es wurde beschlossen, den Fünfziger-Ausschuß hiervon sofort in Kenntniß zu setzen, wodurch das Gesuch um Er­klärung über die bisherigen Verhandlungen zur Ausführung der Beschlüsse des Vorparlaments seine Erledigung finden würde.

, 3« Betreff des Antrages wegen Aufnahme der XVII. tn_ Bundesversammlung übernahm der Vorsitzende, den Fünfziger-Ausschuß von den Gründen in Kenntniß zu setzen, welche die XVII. bisher abgehalten, diese Aufnahme zu be­antragen, und ihn zugleich zu benachrichtigen, daß die XVII. schon früher ihre unmittelbare Aufnahme in die Bundesver­

sammlung für die Fälle, wo es der Gang der Verhandlun­gen erheischen würde, sowohl schriftlich als mündlich ausdrück­lich Vorbehalten hätten.

Aus Auftrag; Petri.

(Fr. I.)

An nufere Bauern.

Die Zeit, in welcher wir gegenwärtig leben, ist unruhig und unsere nächste Zukunft ungewiß im Innern und nach Außen. Die bestehenden Behörden, welche früher das ihnen von der Vernunft und der Gerechtigkeit angewiesene Maaß der Gewalt oft und in empörender Weise mißbrauchten, haben fast, man könnte sagen zur Strafe dafür, jetzt ihre Autorität gänzlich verloren. Die Sicherheits-Comite's, welche dem Volke rathen und ihm dafür garantiren sollten, daß die Behörden nur solche Maßregeln träfen, welche dein Zeitgeist entsprechen, haben dicberathende und garantirende Stellung im Laufe weniger Wochen verloren, und dafür hin und wieder eine förmlich beschließende angenommen. Diese letztere lag weniger im Willen der Comite's, als sie ihnen vielmehr durch die Meinung des Volkes aufgedrungen wurde.

Diese Abwesenheit einer starken und festen Regierungs- gewalt macht sich leider in sehr vielen Verhältnissen auf eine traurige Weise bemerkbar; Eigenmächtigkeiten aller Art kom­men in unseren Städten und Landgemeinden vor; hier jagt man Förster weg, dort will man dem Pfarrer die Hälfte des Gehaltes abziehen, Schultheißen, Leichenbeschauer, Hebammen uud Gemeinderechner werden abwechselnd ab- und wieder ein­gesetzt; die Wälder werden auf eine frevelhafte Weise in einer Art ausgehauen, daß, wenn es so fortgeht, in vielen Gegen- den in 10 Jahren keiu Baum mehr steht; mißliebige Personen werden ausgepfiffen und befommen Katzenmusiken , bei denen es nur zu oft nicht beim bloßen Lärmen und Schreien bleibt; Dampfschiffe und Eisenbahnen werden zerstört, den Befehlen der Beamten und der Regierung wird keine Folge geleistet, wenn ihr Befehl Denen, welchen er gilt, nicht gefällt