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Freie Zeitung.

«^A 39e Wiesbaden. Dienstag, 11* April L8L8.

âeiheiL und Recht!

DieFreie Zeitung" erscheint täglich in mindestens einem halben Bogen. Bestellungen daraus beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. März bis t.Zuli ix I. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzozthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesfischen Provinz Hanau 2 fl. 4d er. innerhalb aller übrigen Thurn und Tarls'schen Postbezirken 3 st.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die Znserations-Gebühren betragen für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Die Versammlung im Adler am 7. April.

(Fortsetzung.)

Ich will zu den weiteren Punkten des Programmes nur noch einige kurze Bemerkungen machen, die sich auch mehr auf die Discussion der Paragraphen, wenn man anders eine Menge von nur ganz einseitig im Sinne der Hpper- loyalitat und der Bourgeoisie gehaltener Reden, von denen ein Theil sehr schlau sich auf das materielle Wohl unserer Stadt (gute Kur re.) bezogen, so nennen darf.

Sowie nach der Fassung des §. IV. der Ruin des Ge­werbe und des Arbeiterstandes allein den Hetzereien und den fieberhaft bewegten Zustand der Gegenwart zugeschrieben wird,") sowardics bei der Discufsion noch weit mehr der Fall. Die repu­blikanische Partei in Deutschland, sowie der ihr angehörende Theil in Wiesbaden sind der Popanz, mit dem man den nicht klar Urthei­lenden fortwährend ins Bockshorn jagt. Sie werden nur als Räuber, Communisten u. dgl. dargcstellt, hat doch sogar Polizeidirektor Reichmann, der übrigens in seinerWirksam- keit nicht den alten rechtlosen Polizeidespotismus geltend macht, in lächerlicher Verblendung das Treiben von Struve und Con- sorten schon in einer andern Versammlung als infam!! bezeichnet. Nun richte ich an Jeden Unparteischen, mag er einer Partei angehören, welcher er wolle, die Frage: Wer hat für Nassau mehr gethan, Struve und sein Zuschauer, welcher unseren Augiasstall zuerst zu reinigen versuchte, oder- alle die Hauptlenker dieser Versammlung zusammen? Struve.

bebcrhaft bewegte Zustand muß endlich äussren , damit Gansel und Gewerbe wieder zu Kraft und Gedei­hen kommen." Zch will nicht hoffen, daß ein Vernünftiger

obigen Worte dahin auSlegen wird, als wolle ich diese -Setzereien vertheidigen, nur dagegen will ich mich verwahren, allermge oder die Haupt Ursache der gegenwärtigen ärbeitslostgknt im Gewerbestand seien. Diese Hauptürsache liegt in den feit 30 Jahren unterdrückten Freiheiten Deutschlands, in unserer Gemeindeordnung, in der vollkommenenThatlosigkeit unserer Regierung-, sowie darin,.daß noch eine Menge Leute am Ruder sind, denen es um die Abschaffung unserer Mißstände nicht Ernst ist

mag in manchen Punkten zu weit gehen und namentlich gebe ich zu, daß er bei seinen Vorschlägen oft ganz die Unaus- führbarkeit derselben Übersicht, allein dies ist noch kein Grund, ihn als infam zu bezeichnen, ebensowenig wie. das"parla­mentarische Austrctcn der Minorität zu Frankfurt Wen Grund angibt, dieselben als Communisten, Räuber re.,--welchen es nicht um das wahre Wohl des Vaterlandes zu thun sei, hinznstellen.

Durch das Auösprcchen solcher Ansichten aber hat man es dahin gebracht, daß das Wort Republikaner, was doch nur einen Anhänger der in der Theorie unfehlbar vorzüglichsten Staatsform bezeichnet, allhier zu einem Schreckwort geworden ist, und daß sich die politisch Ungebil­deteren unter jedem Republikaner ein dem Eigenthum und dem Leben gefährliches Subjekt denkem Auf diese Weise ist kein Kampf mit geistigen Waffen gegen jene Partei zu führen.

Diese Angst vor den Republikanern war nun, wie schon oben bemerkt, das Hauptmittel, um Alles zu erreichen, was vorgeschlagcn mürbes aber auch noch andere mehr comödien- hafte Mittel ^ngâvänbt, um Anhänger dieses Liberalismus in dem schönsten Lichte zu zeigen.

So wurde der Schulinspector Ebenau von dem Herrn Buchhändler Kreidel der Gesellschaft als Räthsel aufgegeben und löste sich alsdann zu Aller Zufriedenheit selbst auf. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: Bei Gelegenheit der Be­sprechung, daß man doch Alles aufbictcn müsse, um den An­sichten der Versammlung die weiteste Verbreitung zu gewäh­ren, bemerkt Kreide!, es sei Schade, daß man den Verfasser eines vorzüglichen Merkchens, der neuen 10 politischen Ge­bote Nassau's, nicht kenne. Derselbe besitze das größte Ta­lent, in recht verständlicher Sprache zum Volke zu sprechen und habe sich durch jenes Werkchen ein sehr bedeutendes Ver­dienst um das Volk erworben. Es sei nur sehr zu bedauern, daß dieß verdienstvolle Talent nicht bekannt, sei rc.. Da trat dann der neben ihm stchenve Ebenau auf.und bekannte sich als Verfasser, indem er erklärte, daß er nicht mehr schweigen dürfe, wo man ihn verlange re. Die Comödie liegt auf flacher Hand.