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greif Zeitung.

â L8. Wiesbaden. Montag, 1O* April 18â8.

Freiheit und Recht k

DieFreie Zeitung" erscheint täglich in mindestens einem halben Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer und H. W Ritter'; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. März bis l.Juli d. 3- beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogthums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhesstschen Provinz Hanau 2 fl. 4u tr. innerhalo aller übrigen Thurn und Taris'schen Postbezirken 3 fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen. Die Jnseratious-Gebühren betragen für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

D e »t t s ch e !

In wenigen Wochen wird eine freigewählte constituirende Nationalversammlung unserem Vaterlande eine Verfassung geben, welche die unveräußerlichen Volksrechte, welche Freiheit und Wohlstand für immer begründen soll. Ganz Deuschland sieht mit Spannung dem großen Zeitpunkte entgegen;, es be­darf zu diesem Werke vor Allem der Ruhe und Ordnung.

Dennoch ist in verschiedenen Theilen des Vaterlandes die Sicherheit der Person und des Eigenthums angctastet, der freie Verkehr durch Zerstörung von Eisenbahnen und Dampf­schiffen gehemmt worden.

Solche Friedensbrüche wirken der Erringung der Freiheit feindlich entgegen, sie führen zur Anarchie, und diese war oft schon das Grab der Freiheit. Die Geschichte beweist es, ein in Anarchie versunkener Staat wird leicht der Raub eines kühnen, gewaltigen Menschen, den Zeiten der Gewalt noch immer geboren.

Männer Deutschlands! Im Namen der großen Vcr- sammlung der Volksfreunde, die uns verpflichten, sprechen wir zu Euch, wir sprechen im Namen von Millionen deutschen Brüdern, die eins mit uns sind in der Begeisterung für die heilige Sache des Vaterlandes.

Haltet fest zusammen, nichts darf Eure Einigkeit, nichts Euern Eifer, Euer Wirken für die Freiheit stören, selbst die Frage, ob Republik, ob Monarchie, darf Euch nicht trennen: denn nicht die Form, sondern das Wesen einer Verfassung ist es, was die Bürgschaft der Freiheit in sich trägt.

An Euch auch richten wir unser Wort, die Ihr der Ordnung und dein Eigenthume den Krieg erklärt habt. Glaubt Ihr die Freiheit zu fördern, indem Ihr sie aufhebt, glaubt Ihr für den Wohlstand Aller thätig zu sein, indcin Ihr das Eigenthum Einzelner zu Grunde richtet, glaubt Ihr Quellen des Erwerbs zu öffnen, indem Ihr Verkehr und Handel lähmet? Laßt ab von Eurer Verirrung, schließt Euch den wahren Freunden des Vaterlandes an, die für unseres Volkes Ehre und Freiheit Alles zu opfern bereit sind.

Ihr insbesondere, deutsche Jünglinge und Wehrmänner,

seid eingedenk, daß Ihr die Waffen tragt zum Schutze der Freiheit gegen innere und äußere Feinde, seid eingedenk der großen Aufgabe der Zeit. Ihr habt die Kraft, jede Unord­nung zu verhindern, die der Wiedergeburt unseres Vaterlan­des hemmend entgegentritt; schaart Euch zusammen, bildet eine Schutzwehr den, Rechte und der Freiheit, sie wird un­überwindlich sein und Deutschlands große Zukunft fest und sicher stellen.

Frankfurt a. M., den 6. April 1848.

Namens des Fünszigerausschusses. Soiron, Vorstand.

Simon, Schriftführer.

Wiesbaden, 8. April. Gestern Abend um 5 Uhr wurde im Saale des Adlers eine Versammlung abgehalten, die etwas genauer beleuchtet zu werden verdient; cs könnte sonst leicht der Fall sein, daß man sie vollkommen für das hielte, wofür sie sich später selbst gern ausgeben wird, näm­lich für den Ausdruck der freisinnigen und entschiedenen Volks­partei in Wiesbaden. Schon ihre Entstehung ist eigenthüm­lich ; während die letzte regelmäßige Volksversammlung in den Vierjahreszeiten am 5. April eine weitere auf den 7. d. M., Abends 8 Uhr, in demselben Lokale beschlossen hatte, kündigte ein Maueranschlag und eine Anzeige in der Nass. Allg. Ztg., die weder vom Sicherheitscomite noch von einzelnen Personen unterschrieben war, eine 3 Stunden früher im Adler abzu­haltende Versammlung an, in der sich alle Diejenigen cinfinden sollten, die im Gegensatze von der republikanischen Partei sich zu einer demokratisch-monarchischen zu vereinigen Willens seien. Weiter wurde noch darin die Ausstellung eines politischen Glaubensbekenntnisses in dem angegebenen Sinne beantragt.

Gegen die Sache selbst läßt sich natürlich gar nichts ein-- wenden, wohl aber muß man fragen, warum der Verfasser der Einladung seinen Antrag nicht in der von fast 1000 Menschen beschlossenen Versammlung in den Vierjahreszeiten, die nur 3 Stunden später abgehalten werden sollte, gestellt hat; daß die Versammlung in dem zuletzt genannten Lokal