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rasend tobte über diesen Streich aber nichts thun konnte. Kaiser Franz schenkte Johannisberg, was ihm doch selbst nicht angehörte, dem Compositeur des Staatenbundes. Dieser rühmt sich gar auch noch im schwarzen Fracke, daß er schon 50 Jahre zum Wohle des Kaiserhauses regiere. Franz war gut zu lenken, Ferdinand ebenso. Die Intelligenz des Er­steren ist nicht weit hergewesen, und in Betreff des Letzter», sagte Metternich selbst zu Franz, er solle doch die Krone einem andern Prinzen geben, da mit Ferdinand auch gar nichts an­zufangen sei. Franz fragte, ob derselbe denn auf sein Erb­recht verzichte! Auf die Antwort: Nein! erwiederte er: Er hat Recht, ich thât's auch nicht!

Und wegen solcher Größen muß Bürgerblut, muß deut­sches Blut fließen!

Deutschland.

(Sonett.)

Die greubenfunbe scholl vom Seineslrande :

Der Sturm bricht los, das wack're Volk der Franken

Erwacht zur Freiheit unb durchbricht die Schranken, D'rin es so lang' geduldet Schmach und Schande!

Ein Jubelruf durchtönt die deutschen Laude,

Das Volk steht auf, Willkiihr und Knechtschaft sanken, Die Freiheit jauchzt, und Throne zittern, wanken, Deutschland wird frei von schnöder Knechtschaft Bande.

Mein Volk, es ist ein großer Wurf geschehen,

Die schwarz-roth-gold'nen Fahnen seh' ich wehen, Ein Deutschland wird, ein einiges, erstehen!

Die Freiheitsliebe möge nie erkalten!

Weg schwinde, was dich deutsches Volk gespalten!

Ein einig Deutschland will sich neu gestalten!

W. den 26. März 1848. I. Ottoni.

Wiesbadener Theater.

Spezial- Revue. (Fortsetzung.)

Gerade aber in klassischen Stücken, großen Tragödien und Schauspielen tritt dieser Mangel auf eine zu grelle Weise hervor, da man oft Einzelnen der Anstalt Rollen anvertraut, deren Lösung für sic eine Aufgabe ist, die außer dem Bereich ihrer Möglichkeit liegt. Nehmen wir aus dem Chorpersonale die Herren Heckmanns, Witte und Kirsch­ner heraus, so sind wir fertig, und selbst diese sind nur in chargirtcn Rollen zu verwenden. Es wäre daher gut, wenn außer diesen noch zwei bis drei vorhanden wären, welche bedeutende Episoden zu spielen tauglich wären. Kommen wir jedoch wieder auf den Hauptgegenstand zurück. 3rL Fürst ist für jugendliche, muntere Rollen engagirt. Sie füllt in diesem Fache ihren Platz würdig aus und hat sich durch ihr ungezwungenes Spiel und freundliches Beneh­men schon längst in die Gunst des Publikums zu setzen ge­wußt, welches seinem Liebling stets mit der freundlichsten Aufmunterung entgcgenkomint. Nehmen wir noch eine nützende

Persönlichkeit dazu, so ist unser Urtheil über Frl. F. abge­geben. Frl. Deny, als tr Q$c Liebhaberin, ist eine

freundliche Bühnenerscheinung. en künstlerischen Leistun­gen weiß sie in mehreren Rollen auszerchnende Geltung zu verschaffen; doch glauben wir, Frl. Deny mehr Be­schäftigung erhalten müßte, de cs ihr namentlich in grö­ßern tragischen Rollen an plastischer Beweglichkeit fehlt/ so­wie derselben auch mehr Feuer, begeisternder Redeschwung und mehr Gefühlswärme anzuempfehlen wäre. Sonst ist Frl. Deny gerne gesehen. Mad. Flindt spielt Anstands­damen, junge Frauen und weibliche Charakterrollen. Mad. Fl. ist eine vorzügliche Schauspielerin und hat sich seit Jahren immer des gleichen Beifalls zu erfreuen. Rollen wie: Marie inEin Weib ans dem Volke", Eboli inDon Carlos", Elisabeth tuMaria Stuart" sind ganz vorzüg­liche Leistungen derselben. Mad. Fischbach hat zweite und dritte Liebhaberinnen und Kammerjungfern zu spielen und genügt für dies Fach. Frl. Stephani: komische Alte, tragische Mütter und was in dies Fach einschlägt, hat viel Verdienst; weiß stets geschmackvolle Toilette zu machen; es sind jedoch die ständischen Naseltöne störend, wie über­haupt dieses bedeutende Fach besser besetzt sein dürfte. Frl. Krause kömmt alle hundert Jahre,(ohne Groll des Publikums) einmal auf die Bretter und hat denn höchstens ein Stubenmädchen zu verarbeiten. Könnte pensionirt werden! Eine tüchtige Soubrette im Schauspiel wäre auch hier sehr zu wünschen. Unter den Herren verdient als Schauspieler, wie schon früher geäußert, Hrn. Dr. Meyer unstreitig den ersten Platz. Hr. Dr. M. hat ein äußerst ausgebreitetes Repertoir und ist in Rollen wieLear",Götz von Berli- chingen",Hans Kohlhaas",Oberförster" in den Jägern rc., wie überhaupt in all' seinen Rollen, tüchtiger Künstler! Möge er aber, in seinem Interesse, sein Licht nicht allein leuchten lassen und der Umgebung auch Gelegenheit dazu geben. Nächst ihm sind die Herren Stölzel, Gremmer im Fache gesetzter, und letzterer als jugendlicher Liebhaber mit gleicher Auszeichnung zu nennen. Hr. Stölzel ist denkender Künst­ler und nimmt als Conversations-Schauspieler eine höchst ehrenvolle Stufe ein. Hr. Gremmer ist ein jugendliches, rasch aufstrebendes Talent und der besondere Liebling der Damen. Im komischen Fache hat sich Hr. Weßnig stets sehr verdient gemacht, sowie derselbe ein äußerst ver­wendbares und nützliches Mitglied der Anstalt ist. Er wird jedoch zu wenig in seinem Fache beschäftigt, und wir halten cs für Pflicht, der Direktion diesen Vorwurf zu. machen. Herr Wollrabe spielt Jntriguants und chargirte Rollen, und ist gerne gesehen. Besonders lobend erwähnt zu werden, verdient Herr Tietz, der in Allem beschäftigt wird, und jede seiner Aufgaben höchst ehrenvoll zu lösen weiß. Herr Fischbach hat das zweite Liebhaberfach im Besitz, spielt Naturburschen :c. Hr. F. ist in seinem Fache recht brav und verdirbt nie etwas. Aus dem Chorpersonale rechnen wir die früher angegebenen Herren noch dazu, ver­weisen übrigens auf das dort Gesagte in Betreff der Be­setzungen im Schauspiel. Unsere Leser werden in dieser Uebersicht die Kräfte unsers Schauspiels ersehen, daß etwas Gutes geboten werden kann, und dies in den meisten Fällen auch geschieht. Im nächsten Blatte über die Oper. (Fortsetzung folgt.)

Verantwortliche Redaction: Dr. Möller.

Verlag von H. Fischer K» C. Ritter. Druck der C. Nitter'schen Buchdruckerei.