— 15 —
zwei; finden wir den Plaß, wo fie graben, und sie entdecken uns und zeigen sich feindselig, wohl, so schießen unsere Büchsen so sicher als die ihrigen, vielleicht noch sicherer — nehmen sie aber Vernunft an, desto besser, mich verlangt nicht nach i Menschenblut, und es wird genug Silber für uns aUe Viere vorhanden sein; aber wissen muß ich den Platz, und umsonst will ich nicht Jahrelang damit vergeudet haben, ihren Spuren nachgcfchlichen zu sein, ohne meinen Zweck erreicht । zu haben.
Preston schwieg und schaute sinnend, über seinen Plänen brütend, in die zusammenfallenden Kohlen, während Thomson einige Minuten ebenfalls tiefes Schweigen beobachtete, und mit seinem breiten Jagdmesser allerlei Figuren vor sich in die Erde grub; endlich wandte er den Kopf halb zu seinem Gefährten herum und frug, während er dabei die Spitze seines Messers auf den ledernen Leggins reinigte und sich damit die Zähne stocherte:
Wann wollen wir aufbrechen?
Sobald der Mond aufgeht, und das geschieht, ein Viertel nach zwölf, antwortete Jener, dann müssen wir dem Laufe des Flusses, stromaufwärts, folgen, bis wir an das^Schilf- dickicht kommen, und dort dasselbe umlauern, bis die Spanier, mit dem edlen Metalle beladen, zu ihren Thieren zurückkehren. Sic werden den Weg oft machen müssen, und unserer Schlauheit ist es jetzt anheim gestellt, das ganze friedlich, das heißt unbemerkt — oder feindselich — wenn entdeckt, abzumachen. Hunde haben sie nicht mit sich, von diesen ist also keine Entdeckung zu fürchten, und finden wir den Platz, so sind wir gemachte Leute.
Gut, rief Thomson, aufs Neue ein mit Fleisch bestecktes Holz vor sich hinpflanzend, welchem Beispiele dicßmal sein ernsterer Jagdgefährte folgte, gut — ich bin dabei — cs ist wenig Mühe und Gefahr, und die Hoffnung auf ungeheueren Gewinn; da widersteh' ein Anderer. Wir wollen uns nur noch tüchtig stärken und ein halb Stündchen schlafen, denn wer weiß wie wir's nöthig haben werden; kommt dann der Mond, so haben wir wieder Kräfte und ertragen waS uns in den Weg kommt leichter und mit frischerem Muth.
Schweigend beendeten die beiden Männer ihre Mahlzeit, schürten dann das Feucr auf, das, von dürrem Holze genährt, hoch emporloderte, hüllten sich in ihre Decken und versuchten, ihre Körper zu den bevorstehenden Anstrengungen auszuruhen.
Der jüngere war bald sanft eingeschlafen, und sein tiefes, regelmäßiges Athmen bewies, wie wenig er die Gefahr, der er entgegen ging, kannte, oder wenn er sie kannte, wie furchtlos er sie erwartete.
Der Acltere wickelte sich zwar auch in seine Decke und schien, den Kopf auf ein Stück faulen Holzes gelegt, zu schlummern, seine Augen aber waren und blieben geöffnet, und sinnend schaute er hinauf zu den Myriaden von Sternen, die oben vom dunkeln Nachthimmel friedlich und freundlich auf ihn herabfunkelten.
Endlich erhellte sich an den östlichen Bergkuppen der Himmel — der Mond mußte gleich erscheinen; da hob sich Preston von seinem harten Lager, dehnte und streckte die Glieder, weckte seinen Eameradcy und ging dann zum nur wenige Schritte entfernten Wasser, sich Gesicht und Hände darin zu baden, um mit klaren Augen und hellem Verstände den gefährlichen Weg anzutreten.
Thomson sprang auf und folgte seinem Beispiel; Beide wickelten dann ihre Decken zusammen und hingen sie sich über die Schulter, nahmen ihre Büchsen, schütteten frisches Pulver
auf die Pfanne und waren so gegen Alles, was ihnen entgegentreten mochte, gerüstet.
Sollen wir nicht lieber im Thale hingehen? fragte jetzt Thomson, als er sah, daß Preston an einigen steilen Felsstücken hinauskletterte, um eine der Terassen zu erreichen — wir haben auf jeden Fall besseren Weg und können schneller fortkommen; denn Hol's der Henker, so in der Nacht zwischen den scharfen Steinen mit zerrissenen Moccasins umherzuklettern, ist eine verteufelt böse Sache, meine Füße brennen mich schon jetzt wie Feuer.
(Forts, folgt.)
So lange das Schloß Johannesberg nicht nassauisch ist, bleibt es ein Stein des Anstoßes!
Wie viele schmerzliche Erinnerungen macht nicht dieser so lange besessene Berg in den Herzen der Rheingauer auftauchen! Kellermann besaß ihn und verkaufte die Kir- schcnau, die zum Schlosse — also auch zu Nassau — gehörte!!! — Der Minister von Marschall, der ein zweiter Metternich gewesen, verursachte der Winkler Gemeinde durch die Herstellung der mettcrnich'schcn Chaussee eine Ausgabe von 3000 fl. und verbot es dieser sogar, sich ja nicht an den Fürsten um eine Beisteuer zu wenden!!! — Er hat noch mehr gethan! doch er ruhe in Frieden! — Eins nur wird noch besprochen werden müssen: Minister von Marschall bekam Domainengüter zum Geschenke, welche derselbe wiederum veräusserte. Welche und wo sic liegen, ist bekannt. Wem sind dieselben jetzt geworden?? — Beherzige man:
„Was die Unwissenheit, Schwache und Thorheit der Vorfahren zugelassen, von diesen die Gewalt erzwungen oder die List erschlichen hat, kann der Verstand und die Kraft der Nachkommen immer ohne Ungerechtigkeit wiederfordern (ab- stcllen). Gegen das ewige Recht der Völker und gegen die Vernunft gilt keine Verjährung!" —
Beitrag zur Metternich'schen Biographie.
Im ungefähr 18. Lebensjahre war Metternich Schüler des noch lebenden, ehrwürdigen, 96jährigen Professors Hofmann in Winkel, dessen Herz jetzt noch für Freiheit, Recht und Wahrheit glüht; er war sein Schüler zu Mainz, wo Metternichs Vater als österreichischer Beamter bangueroutirte. Bei der Versteigerung, die deßhalb stattfand, ersteigerte Prof. Hofmann eine ausgezeichnet schöne und gute Uhr, die er noch besitzt. Bald darauf kam Prof. Hofmann nach London, wohin er von Frankreich im Jahre 1792, um inkognito mit England zu unterhandeln, abgeschickt wurde. Metternich gelangte daselbst auch zu derselben Zeit als Elève der Diplomatik an, erkannte bei einem Hofconcerte den Prof. Hofmann und — verrieth ihn!! Hofmann, der es gleich merkte, nahm den Arm einer Dame, bat sie, ihn zur Thüre zu begleiten, weil sein Kopf in Gefahr stehe. Er entging glücklich, verließ heimlich seine Wohnung und wußte so den Mordanschlag Metternich's — des Schülers gegen seinen Lehrer! — zu vereiteln. — Napoleon hat den Schelm für seine Brautwer, bung kaiserlich bezahlt. Belohnt warb derselbe für die Alliance Nußland's und Oesterreich's gegen Napoleon, der wie