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Grenzstadt von Jütland. — Warum nimmt sich der Bundestag, der ja jetzt auS Männern des Volks bestehen soll, der Sache nicht an? —
Wien. Nachrichten aus Italien, welches desinitiv verloren scheint, lauten sehr traurig, und der Handel, die Industrie Böhmens und Wiens, erhalten dadurch einen tödtlichen Stoß. Die Schaf- und Baumwollen-Manufacturen müssen ihre Arbeiten cinstellen, und Tausende von Menschen werden brodlos.
— Die Nachrichten aus Ungarn, Polen und den süd- slavischen Provinzen lauten so ungünstig, daß-für den Fortbestand der österreichischen Gesammtmonarchie große Gefahr zu fürchten ist. — Oesterreich hat Sardinien den Krieg erklärt. Dieses Ercignifi hat eine drückende Stimmung hervor- gebracht. Der Handels- und Fabrikstand haben zn energischen Maßregeln gedrängt und die Stimmen erheben sich immer lauter gegen den Verlust der italienischen Provinzen. Die italienische Oper, welche heute eröffnet werden sollte, mußte geschlossen bleiben. Das Volk riß die Ankündigungen herunter; man will durch Schließung der Bühne stürmischen Demonstrationen ausweicheu. Freiwillige für Italien, mit der Aufschrift an den Mützen: „Freiwillige nach Italien", treten überall zusammen und mehren sich von Stunde zu Stunde. In der Universität wurde mit stürmischen Debatten das Preßgesetz besprochen; Dr. Hyn übernahm die Vertheidigung desselben; seine schon gebrochene Popularität aber erhielt cadurch den letzten Stoß. Was schon am Morgen geschehen sollte, nämlich Verbrennug des Gesetzes, wird diesen Abend bestimmt geschehen.
Eine Deputation, zu welcher auch Kuranda und Schuselka gewählt wurden, ist von den Studenten beauftragt worden, dem Minister des Innern ihre Wünsche in Bezug auf das Preßgesetz vorzutragen. Dem sardinischen Gesandten, Marchese Ricci, hat man seine Pässe zugeschickt, folglich ist der Krieg auf's bestimmteste erklärt.
Mittags 2 Uhr hat der Kaiser, die Kaiserin zur Seite, das deutsche Panier auf dem Balköne der Hofburg aufgepflanzt. Der Jubel des Volkes hierüber war unbeschreiblich. Die akademische Legion zog mit der deutschen Fahne über den Stepbansplatz und sang Arndt's deutsches Lied. In der gestrigen Staats-Conferenz wurde der Beschluß gefaßt: Den General Radezky zwar gegen die Piemontesen marschiren, doch auf die Wiederbesetzung von Mailand zu verzichten. Das Freikorps nach Italien ist bis auf 60,000 Mann gestiegen. Es sind viele wilde und abenteuerliche Proletaricrgestalten darunter. Gegen Erzherzog Ludwig ist die Volksstimmc so erbittert, daß er schwerlich lange mehr bleiben kann.
Pest, 31. März. Unser König nimmt Anstand, dem früheren Versprechen gemäß, das Ministerium zu bestätigen, so daß hier Alles in höchster Ausregung ist. Gestern ist Palatin Stephan nach Wien gereist, um die unbedingte Bestätigung zu erlangen, widrigenfalls seine Würde in die Hände Sr. Majestät zurückzulegen. Bringt, er nicht die Bestätigung, so sollen heute mit dem Dampschiffe alle Deputirte vom Reichstage hier eintreffen, Stephan zum König ausrufen, und, wenn er nicht annimmt, sogleich die Republik proklamirt werden. (Fr. I.)
Posen, 1. April. Leider ist aus dieser Provinz wenig Erfreuliches zu berichten. Die Deutschen wollen ihre Nationalität erhalten, die Polen wollen die Provinz natürlich zu ihrem zukünftigen Vatcrlandc gezählt sehen; beiden gemeinsam gegenüber stehen die bisher geknechteten Bauern, welchen es um keine Nationalität zu thun ist, sondern die nur plündern und brennen. Die Schilderungen, welche von deren Treiben gemacht werden, sind im höchsten Grade traurig.
Erklärung.
Der in Nr. 19 erschienene Artikel, in welchem in Bezug aus die Ausschließung der Geistlichen von der laudständischen Wahlberechtigung und Wählbarkeit einige Fragen aufgeworfen wurden, hat großen Anstoß erregt. Der Verfasser desselben sieht sich daher veranlaßt, zu seiner Rechtfertigung einige Erläuterungen zu geben.
Die Weilburger Liberalen, an welche ich mich gewendet habe, suchten bekanntlich ihren Antrag mit einer Definition von der Bestimmung des geistlichen Standes zu inotiviren, welche ein Ueberbleibsel einer verschollenen Dogmatik genannt werden kann, welche alle Freisinnigen , sowohl unter uns, als unter den Laien, verwerfen müssen, welche sie selbst, wenn sie, was wohl nicht zu bezweifeln ist, keine Orthodoxen oder Pietisten sind, mit ihrer innern Ueberzeugung nicht vereinigen können: sie sprachen also unter einem nichtigen, einfältigen Vorwande den Geistlichen ein Recht ab, das in einer freien Verfassung jedem Staatsbürger, jedem unbescholtenen Menschen zusteht. Wer erkennt hier nicht, daß der Verdacht, von unreinen Motiven geleitet worden zu sein, mit drückender Schwere auf ihnen lastet. Auf diesen hinzuwcisen, und zugleich aufzufordern, ihn so viel als möglich zu entfernen, ist die Absicht, welche dem durch den Druck verstümmelten Schlußsätze meines Artikels*) zu Grunde liegt. Die Derbheit der Ausdrücke, deren ich mich dabei bedient habe, wird gerechtfertigt durch die Art, auf welche der fragliche Antrag zu Staude kam (ohne Zer- stimmung der sog. Bürgerversammlung), sowie durch die Reden und Zeitungsartikel, durch welche man in Weilburg den geistlichen Stand öffentlich verleumdete (wobei man stets der Gesammtheit beimaß, was einem kleinen unwürdigen Theile zur Last fällt). Die ffttlichc Entrüstung, die in mir rege wurde, erscheint daher als eine sehr natürliche, und dadurch, daß ich ihr Worte lieh, glaube ich ausgesprochen zu haben, was alle Vernünftige bei einem so schnöden Angriffe auf die Ehre und Rechte des geistlichen Standes mehr oder weniger stark empfanden. Somit ist, wie ich überzeugt bin, der bewußte Artikel in seinem rechten Lichte dargestellt und nichts Verdächtiges klebt ihm mehr an. Da indessen die Wahrheit Wahrheit bleibt, auch wo sie als ein unwillkommener Gast erscheint, und auch in diesem Falle cs völlig gleichgiltig ist, von wem sie ausgesprochen wird, so sehe ich zur Angabe meines Namens, wozu mehrfach aufgefordert wurde, durchaus keinen Grund vorliegen.
Waffen.
Das Herzogl. General, Commando hat auf den Wunsch des unterzeichneten Sicherhcits-Comite's die Herz. Zeughaus- Direction angewiesen, durch öffentliche Bekanntmachung diejenigen Inländer zur Anincldung aufzufordern, welche vollständige Caliber Gewehre liefern, oder Theile derselben an- fertigen, oder dieselben zusammensctzen und schäften können.
Wir bringen diesen Beschluß im Interesse der betreffenden Gewerbsleute hiermit zur öffentlichen Kenntniß, mit dem Bemerken, daß für den augenblicklichen Bedarf binnen Kurzem eine Sendung Gewehre von Lüttich dahier eintreffen wird.
Wiesbaden, den 6. April 1848.
Das Sicherheits-Comitc.
*) vor unverständige muß nicht eingeschoben werden.
D. Eins.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.
Verlag von H. Fischer 8» C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.