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Freie Zeitung.

JI« LG Wiesbaden. Samstag, 8. April 18^8.

âeiheit und Recht!

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Wiesbaden, 6. April. (Fortsetzung des gestrigen Ar­tikels über unsere Republikaner.) CS lvar daher ein großer Irrthum der republikanischen Partei in Wiesbaden, wenn sie eine Menge von Vortheilen, welche die Republik habe, auf­zählt, die doch ebensogut in einer demokratischen Monarchie vorhanden sein können; ja ihre Selbsttäuschung geht so weit, daß sie unter den versprochenen Vortheilen Dinge anfzählcn, welche wir jetzt schon haben, z. B. vollkommene Glaubens- und unbedingte Preßfreiheit. Ein anderer Theil ihrer in Aussicht gestellten Vortheile zeugt zwar von einer sehr guten Absicht, ist aber in so allgemeinen und unbestimmten Redens­arten gehalten, daß man sich gar nichts Gewisses dabei den­ken kann. So versprechen sieAbhilfe des Nothstandes der arbeitenden Klasse", und das ist gewiß ein schönes und gut­gemeintes Wort, allein wie soll das sofort ausgeführt wer­den? Welche Mittel wollen sie zu dem Zwecke Vorschlägen? Die kraßesten Republikaner in Paris haben das auch ver­sprochen und selbst noch etwas mehr, sie haben die Arbeit und den Arbeitslohn durch den Staat garantiren wollen; aber eben weil sie mehr versprochen haben, als ein Mensch zu leisten im Stande ist, haben sic eine unendliche Verwirrrung in die Staatsverhältnisse gebracht, ja sogar ganz das Gegen­theil von Dem bewirkt, was sic wollten, denn cs ist ja zur Genüge bekannt, daß gegenwärtig alle Arbeiten in Frankreich im traurigsten Zustande sind; die Fabriken und Manufakturen stocken, die Arbeiter gehen brodlos zu Tausenden auf den Straßen herum und werden vom Staate einstweilen unter­halten. Das kann wohl einige Wochen, aber nicht auf die Dauer gehen, und die über Nacht eingeführte Republik in Frankreich ist schon so weit gekommen, daß man überlegt, ob man den Grafen von Paris oder den Prinzen von Joinville zum König wählen solle, wenn sich die bevorstehende Natio- nalversammlung wieder für Einführung der demokratisch- monarchischen Negierungsform entscheide.

Ein Hauptgrund, warum die Einführung der Republik in diesem Augenblick unthunlich ist, besteht in der verschiedenen politischen Bildung Deutschlands. Selbst.'zugegeben, daß diese

Staatsform die beste iss läßt sich doch der einfache Thatbce stand nicht abläugnen, daß der Norden Deutschlands, sowi der größte Theil des Südens die Republik noch nicht will, und eben dieses ist der beste Beweis dafür, daß jene Gegen­den noch nicht reif dazu sind. Dieß sollten unsere Republi­kaner nicht aus den Augen lassen und daher weniger die Republik verlangen, als vielmehr solche Einrichtungen, welche auf demokratischen Prinzipien beruhen, und bei denen die Möglichkeit vorhanden ist, barste ohne Schaden sogleich eingeführt werden können.

Hierher gehören aber vorzugsweise die Institutionen, welche von allen politischen Parteien gefordert werden, Preß­freiheit, Glaubensfreiheit, freies Vcreinigungsrccht, Volksbe­waffnung, öffentliche und mündliche Schwurgerichte, Abschaf­fung drückender Steuern und Lasten, die Vereinigung Deutsch­lands in einem volkstümlichen Parlamente und andere. Verlangen sie diese, arbeiten sie mit allen Kräften dahin- daß dieselben in Deutschland nicht bloß zugesagt bleiben, son­dern auch wirklich ins Leben treten und ausgeführt sind, dann und nicht früher ist es Zeit, die Frage aufzuwerfen:

Soll Deutschland die demokrntisch-monarchischen Verfas­sungen beibehalten oder soll es die rein republikanischen For­men annehmen?. Im Augenblick; ist die Frage noch vollkom­men unpraktisch und dient nur dazu, die Aufmerksamkeit und Thätigkeit des Volkes vom Wichtigsten abzulenken.

Schließlich noch ein Wort über die Bedeutung, welche man hier d efenwichtigsten Fragen der Gegenwart" beige­legt hat. Man hab großen Lärm darüber gemacht; die nass. Allgcm. Ztg. Hab sogleich ein Extrablatt drucken lassen, wo­rin" unsere Republikaner aus dem Ncrothal mit den Pariser Republikanern verglichen werden; die nass. Ztg. träumt sogar davon- daß wir in Wiesbadenam Vorabend der Republik stän­den," fromme Mütterchen schlugen ob der unerhörten Dinge die Hände über dem Kopf zusammen das war Alles unnötig und nur eine Variation über das alte: Viel Lärm um nichts. Diewichtigsten Fragen" sind eben das erste öffentliche Le­benszeichen der republikanischen Partei, und konnten denjenr-