gwie Zeitung.
jy 35« Wiesbaden. Freitag, 7. April ISIS.
âeihert und Recht l
Die „Freie Zeitung" erscheint täglich in mindestens einem halben Bogen. — Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhanolungen von H. Fischer und H. W Ritter; auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. — Der Abonnements-Preis vom I. März bis I.Juli d I. beträgt hier in Wiesbaden 2 fl.; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau, des (Äroßherzogthumö Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Lanvgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau 2 fl 4o tr. innerhalb aller übrigen Thurn und Taris'schen Postbezirken 3 st. —
Inserate werden bereitwillig ausgenommen. — Die Jnserations-Gebühren betragen für die dreispaltige Pctitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.
Es ist mit vielen Nummern der gestrigen freien Zeitung ein gedrucktes Blatt, betitelt „die wichtigsten Fragen der Gegenwart" mtsgegeben worden, was dnrchaus nicht zur freien Zeitung gehört und nicht in ihrem Sinne geschrieben ist, Die Unterzeichner des Blattes haben dieses in derselben Druckerei, wo die freie Zeitung erscheint, drucken und ohne meine Ginwilligung mit derselben ausgeben lassen. Ach weise namentlich den Irrthum, der leicht entstehe« konnte, im Borans zurück, daß die Redaktion der freien Zeitung mit Allem, was in dem Programm enthalten ist, übereinstimme.
Dr. Ferd. Möller.
Was erwartet der deutsche Volksschullehrer von Deutschlands Wiedergeburt?
In einer Zeit, wo deutsche Herzen freier schlagen und alle Kräfte sich in freierer Bewegung entfalten, wo es gilt die große Errungenschaft dem Heranwachsenden Geschlechte'zu bewahren und fruchtbringend zu machen, steht, wohl in den meisten deutschen Landen, der Erzieher dieses Geschlechts, der deutsche Volksschullehrer, allein noch seufzend unter alten Fesseln da. Soll er allein leer ausgehen am großen Bescherungstagc der Nation, er, der doch auch mit Newt seinen Antheil daran hat? Denn hat er nicht durch bessere Bildung dazu bcrgetragcn, unser Volk für seine Freiheit reifer und empfänglicher zu machen? Wird er nicht berufen sein, den freien teutschen Sinn der neuen Generation zu erhalten, so daß sein Wirken zumeist eine sichere Bürgschaft für die gesetzliche Entwickelung und gesegnete Fortbildung des Gewonnenen geben wird? Dieses wohl erkennend, hat auch schon ein edler, politisch gebildeter deutscher Bolksstamm die Selbstständigkeit der Schule in feine Forderungen cingeschloffen.
Der Volksichullehrer war bisher nur „der Proletarier deS Geistes." Wie der Proletarier, so war er fast ausge- schloffen vom Leben der Gesellschaft,, nicht durch sich selbst ver
treten, bevormundet von andern Ständen; ja er durfte meist nur, wie jener, im Sinne dessen wirken, in dessen Interesse es lag, ihn niederzudrücken. Soll das so bleiben? Darf der Stand ein Proletariat bleiben , in dessen Händen die geistige Zukunft unsers Volkes liegt?
Viele werden mit einer Verbesserung des Gehaltes dem allein abhelfcn wollen. So nöthig diese ist — allein genügt sie nicht. Mag der Knecht sich wohl fühlen bei guter Fütterung, welche ihn brauchbar erhält; unsern Lehrern wird man solche Gesinnung nicht zutrauen. Dem Volkslehrer gebührt vor allem eine freie, würdige Stellung; daS ist fein Antheil an der glorreichen Freiheit seiner Mitbürger. So lange dem Lehrerstande die Bedicntcnrollc zugetheilt bleibt, so lange steht er nicht als selbstständiges Wesen der Gesammtheit gegenüber; so lange gilt er nicht für den Ausdruck seiner eigenen Individualität, nur als Werkzeug eines fremden Willens; man duldet ihn nur, achtet ihn. höchstens als Mensch. Hierin liegt der Ursprung des Titels „armer Schulmeister."
Seiner gegenwärtigen Stellung nach ist der Volksschul- lchrer, den Dienern der Kirche gegenüber, der wahre servus servorum dei (Knechts der Knechte Gotttes).. Man denke