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Freie Zeitung.

.* 34. Wiesbaden. Donnerstag, SS. April L8L8.

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âeiherL und Recht!

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Die Versammlung in der Paulskirche.

Langenschwalbach, 3. April. Einen merkwürdigen Be­weis dafür, daß Alles in der Welt möglich ist, liefert wieder die am 3. L M. von Wiesbaden abgegangene, mit zahl­reichen Unterschriften bedeckte Adresse an die Versammlung in der Panlskirchc zu Frankfurt.

Dieselbe ist offenbar gerichtet gegen die entschiedene Par­tei du der Versammlung, welche die Anträge stellte, daß die Versammlung sich als constituirende betrachten solle, ferner, daß sie sich für permanent erklären solle; ferner, daß der zu erwählende Fünzigerausschuß sich nicht eher mit dem von: Volk verachteten abgestorbenen Bundestag einlassen solle, bis der letztere sich gründlich gereinigt, ebenbürtig gemacht habe, welche ferner, nachdem sie auch mit diesem letzten Antrag in der Minorität geblieben war, erklärte, sic können es mit ihrer Ehre und ihrer Pflicht nicht vereinbaren, Theil zu nehmen an der Wahl eines Ausschusses, der communcircn solle mit einem Institut, über welches das Volk den Stab gebrochen hat, welches moralisch todt ist, welche endlich aus der Ver­sammlung ausschicd, weil sie dieselbe nicht durch ihre Volks- thümlichkeit unterstützen will.

Kurz gegen die Partei, welche der Ansicht ist, daß die Versammlung in der Paulskirche sich als provisorische Central­behörde für Deutschland erklären müsse, denn darauf gingen alle Anträge hinaus.

Man kann über die Grundansicht der Partei und über die ergriffenen Maßregeln verschiedener Meinung sein, man kann und darf namentlich den Austritt aus der Versammlung nicht gerechtfertigt finden, aber nur die Reaction kann die Partei verdächtigen. Und wenigstens Verdächtigun­gen sind cs, wenn man derselben Herrschaft der Min­derheit über die Mehrheit, Anmaßung p h.ysischer Gewalt, Einschüchterung und Versuche, die con- stitutiomell - m o n arch i sch e nVcrffassungen Deut sch- lauds mit Gewalt aus dem Boden zu reißen, vorwirft. Wo ist die Thatsache, als Beleg für irgend eine dieser vagen Beschuldigungen?

Die entschiedene Partei hat mit aller Macht, durch alle erlaubten Mittel darnach gestrebt, die Majorität für ihre An­träge zu erlangen, und das war ihre Pflicht.

War es etwa ein Einschüchterungsversuch, wenn Welcker und Mathy vor zwei Monaten das Ministerium aufden dro­henden Sturm aufmerksam machten? Sind es Einschüchte­rungsversuche, wenn Hecker in einer vollständig ruhigen Stadt, mitten unter 10,000 Mann zuverlässigen Soldaten die Ver­sammlung darauf aufmerksam macht, daß die Massen draußen sich mit halben Maßregeln nicht begnügen werden?

Ist es etwa Anmaßung physischer Gewalt oder auch nur Aufregung zu Gewaltthätigkeiten, wenn die entschiedene Par­tei erklärt: Nach unserer Ansicht ist die republikanische Negie­rungsform die allein vernünftige; wir beantragen deßhalb, daß die Veasammlung sie proklamire, unterwerfen uns aber der Majorität? Die Partei will wirken auf dem Weg der Ueberzeugung. Sie will dem Volk keine Staatsform aufdrängen, wenn es dieselbe nicht will. Wer kann auch nur Einen der Ausgetretenen oder der ganzen Partei der Aufreizung zu Ge­waltthätigkeiten irgend einer Art beschuldigen? Er trete auf!

Mit den äußersten Linken haben in allen Prinzipfragen zwischen 120 150 der chrenwerthestcn Männer aus allen deutschen Gauen gestimmt und nicht etwa blos junge, sondern Männer, wie Jtzstein, Mohr, Winter, Blum rc. Und gegen alle diese Männer hat man in der Adresse ein Mißtrauens­votum niedergelegt. Das.Volk ist veranlaßt worden, seinen Verfechtern gegen die in der Versammlung übermäßig vertre­tene Bourgeoisie und Aristokratie sein Mißtrauen zu erklären.

Wer war es, der die Bewegung in Deutschland vorbe­reitete und die Gemüther für die großen Ideen unserer Re­volution empfänglich machte? Wer stellte Forderungen des Volks? Waren es diejenigen, tie das Heil suchten in Unterhandeln uuv Petitionen, oder waren es Männer, wie Struve, Hecker, Jtzstein, Winter? Und sollten wir jetzt, da wir mit unserer Revolution noch lange nicht fertig sind, die Elemente des entschiedenen Fortschritts entbehren können? Wir glauben das-nicht!

Man hat schon in Frankfurt augefangen, die Männer