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Wien, 29. März. ©erlern wurde noch im Ministerrathe beschlossen: das ganze kaiserliche Heer in sämmtlichen Ländern mit Einschluss aller ersten Landwehr-Bataillone der 35 deutschen Infanterie - Regimenter auf den Kriegsfuss zu stellen, und die disponiblen Truppen so schnell als möglich nach Italien ab# zu senden. In Folge dessen hat gestern Abend noch das hier liegende Infanterieregiment v. Wocher, welches zuletzt in Kreins gelegen, plötzlich Befehl zum Abmarsch nach Italien erhalten, und um Mitternacht mittelst der Eisenbahn Wien verlassen. DaS Regiment muß heute Abend schon in Eilly Eintreffen.

Erzherzog Johann ist zum Bundestag nach Frankfurt bestimmt. (?) Ist dies nicht der Mann, auf den Deutschland seine Blicke richten darf? (A. Z.)

Wien, 30. März. Nach dem Fr. I. soll die telegra­phische Depesche von «Prag gekommen sein, daß Böhmen sich als Republik oder doch wenigstens unabhängig von Oesterreich erklären werde, wenn nicht noch an demsel­ben Tage die Gewährung aller von den böhmischen Depu- tirten in Wien verlangten Wünsche in Prag einträfe!

Kopenhagen, 31. März. Die Nachricht von der Con- siituirung einer provisorischen Regierung in Schleswig-Holstein hat in der dänischen Residenz einen furchtbaren Eindruck ge­macht. Das Zeughaus wurde dem Volke überlassen und der König hat erklärt, selbst gegen die Revolutionäre (!) zu Feld ziehen zu wollen. Der Krieg Dänemarks gegen Schles­wig-Holstein ist aber zugleich ein Krieg gegen Deutschland; schon sind 6 Batterieen preußisches Geschütz in Harburg ein# getroffen und morgen wird ein Theil der preußischen Linie, darunter 2 Regimenter, welche in Berlin gefochten haben, erwartet. Die faktische Kriegserklärung ist bereits gestern erfolgt, indem 2000 Mann dänische Truppen von Fünen auf die zu Schleswig gehörende Insel Alsen überge- setzt sind, und die Städte Augustenburg und Sonderburg ge­nommen haben. Die ganze dänische Macht beläuft sich mit der Reserve auf 20,000 Mann, und würde, ohne auf den Schutz Rußlands zu rechnen, gewiß keinen Angriff auf Deutsch­land wagen.

Preßburg. Für Ungarn stehen die Tage der Entschei­dung dicht vor der Thüre. Noch besinnt sich der König über dieselbe. Kossuth s Antrag, durch eine Gesandtschaft beim Vicekönig Palatin darauf zu dringen, daß der König selbst sich nach Preßburg begeben soll, um alle Gesetze und beson­ders die über das Ministerium zu sanktiomren und dann den Landtag auFulösen, ist einstimmig angenommen worden. Im Fall cs nicht geschehen sollte, geht der Landtag auseinander und die Abhängigkeit Ungarns vom österreichischen Kaiserhause dürfte damit ihr Ende erreichen.

Posen, 30. März. Das in Posen bestehende polnische National - Comite hat sich am 27. März in diejenige Com­mission umgewandelt, welche im Verein mit dem Oberpräsi- denten von Beurmann die Reorganisation des Großhcrzog« thuins im polnischen Sinne einleiten soll. Die Commission hat zu diesem Zwecke einen besonderen aus Emgebornen des Grossherzogthums zusammengesetzten Ausschuß gewählt, be# stehend aus den Herren: 1) Dr. Libelt; 2) Dr. v. Kraszewski; 3) Graf M. Mielzynski; 4) v. Potworowski; 5) Assessor

Szuinan; 6) Landschafts-Director v. Brodowski; 7) Geist­liche Prusinowski; 8) Landgerichts-Rath Gregor; 9) Ober- Bürgermeister, Geh. Reg.-Rath Naumann und 10) Land- gerichts-Rath Boy. (Allg. Pr. Ztg.)

Aus der Standesherrschaft Schaumburg.

Unter den mancherlei Forderungen, welche die in der Standesherrlchaft Schaumburg gelegenen Orte als Biebrich, Steinsberg, Gutenacker re. stellen, und die auch überhaupt im Interesse des Bergbaues liegen, ist insbesondere die Frcige- bung des Bergbaues beansprucht.

Die Standesherrschaft Schaumburg nämlich nimmt, un­ter welchem Rechtstitel steht dahin, das Bergregal in ihrem Gebiet in Anspruch, ohne davon in langen Jahren einen kaum nennenswertsten Gebrauch zu machen. Daher kommt, daß während im Herzogthum fast überall der Bergbau blüht, Alles im Standcsgcbiet darnieder liegt, und dass während die umliegenden Orte durch den freien Bergbau an Arbeit-- und Fuhrlöhnen Geld verdienen, die Schaumburg'schen immer mehr verarmen, daher wohl Grund genug vorhanden sein dürfte, daraus zu dringen den Bergbau im Standesgebiet ebenfalls frei zu geben, und dadurch dasselbe auch an den Vortheilen Theil nehmen zu lassen, welche das übrige Her­zogthum zum größten Theil besitzt.

Erklärn »g.

Die Unterzeichneten erklären hiermit, daß sie an der angeblich von Herrn Wemhândler Nepomuk Kramer dahier bei der Depulirtenkammer einge­reichten Petition um Trennung des Amtes AmbuG vom Amte Diez bei der Wahl der Abgeordneten für die Ständeversammlung nicht den geringsten Antheil haben, und erst durch die Nummer 26 der Freien Zeitung" von derselben Kenntniß erhalten haben.

Limburg, den 30. März 1848.

Sämmtliche katholische Geistliche.

Diese Erklärung wurde der Redaktion von Albert Diefenbach aus Limburg eingeschickt, um als Zierat ausgenommen zu werden. Ich kann sie nicht ohne Anmerkung lassen, da sie eine zu schöne Falle sein kann für solche, welche den Charakter Der frommen Parthie, wo­zu Herr Albert Diefenbach zu gehören scheint, nicht kennen. Erst­lich fehlen unter der Erklärung alle Unterschriften; dann ist weiter darin zwar von der bei den Ständen eingereichten Petition, aber kein Wörtchen von der Betheiligung an dem heimlich ver- breiteten Flugblatt, die Wahl gut katholischer Gläubigen in die Kammer betreffend, die Rede. DieErklärung" will sonach wenig bedeuten. D. Red.

Frankfurt, 3. April. Die letzten uns soeben zugekom­menen Beschlüsse der Frankfurter Versammlung sind erfreu­lichen Inhalts:

Der Bundestag hat dem Präsidenten erklärt, daß alle Ausnahmebeschlüsse zurückgenomincn seien; die alten Bundes­tagsgesandten, selbst Colloredo, haben ihre Demission einge# reicht und die 62 ausgeschicdencn Deputirten der radikalen Partei haben sich darnach wieder in der Versammlung vereinigt. Die Ausschußwahlen werden demnächst durch die Presse veröffentlicht.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.

Verlag von H. Fischer Lt C. Ritter. Druck der C. Ritter'scheu Buchdruckerei.

(Hierzu eine Beklage.)