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macht haben, welche durch solch deutschkatholische Bestrebungen, wie dieser Lesevcrcin beabsichtige, der Religion drohe. Dieser Mensch, dem von seinem früheren Pfarrer, Arthen zu Salz, wegen seiner Hetzereien bei den Landleuten die Kirche soll ge­schlossen und verboten worden sein, hatte in der jüngsten Zeit sogar die Frechheit, einen achtungswerthen Lehrer, Collobrator Gallo dahier, in dem Confessionsunterrichte seinen Schülern als einen Mann von gänzlicher Unwissenheit in der Religion persönlich zu nennen, und lügenhaft dabei zu bemerken, daß nur die Geistlichkeit die Hadamarer abgehalten habe, denselben von hier zu verjagen.

So viel ist sicher, durch diese oder ähnliche Manöver wurden viele Bewohner der Stadt und namentlich der be­nachbarten Orte so aufgereizt, daß man die Anhänger der Redefreiheit von allen Seiten warnte, an einem solchen Ver­eine Theil zu nehmen, und sich auch Mancher, im Hinblicke auf ähnliche Ereignisse in Luxemburg, hat abhalten lassen, dies zu thun. Bet solchen Vorkommnissen dringt sich wohl mit Recht die Frage auf:Sollte wohl unsre Geistlichkeit, entgegen dem Beispiele, welches der edle Papst Pius IX. ge­geben , die kürzlich errungenen Freiheiten selbst- und herrsch- süchtig ausbeuten und das Volk in seiner politischen Ent­wickelung zurückhalten wollen?"

Es ist Pflicht der Presse, alle Fälle, welche in dieser Beziehung Aufschluß und Licht verschaffen können, zur öffent­lichen Kenntniß zu bringen, und war dies auch der Zweck dieser Zeilen.

Wiesbaden, 3. April. Den vielen Anfragen, welche wegen Form, Stickerei rc. der zu verfertigenden Fahnen für unser Bürgermilitär aus allen Theilen des Landes an das Sicherheitö-Comite gestellt werden, zu begegnen, haben wir zu erklären, daß die Frauen Wiesbadens unter Beirath erfahre­ner Heraldiker bereits Zeichnungen entwerfen ließen, die so­eben der genauern Beurtheilung vorliegën. Ein Beschluß darüber steht in diesen Tagen zu erwarten, und cs soll dann das feststehende Modell lithographirt mit näherer Beschreibung zur gefälligen allgemeinen Rücksichtsnahme an alle zum Zweck der Anschaffung von Fahnen für die nassauischen Wchrmän- ner-Abtheilungen bestehenden Frauenvcreine uuf vorherige ge­fällige Anzeige eingesendet werden.

Wiesbaden, 4. April. Wir erfahren soeben, daß unsere gestrige Aufforderung wegen Abberufung des bisheri­gen Nassauischen Bundcstagsgcsandtcn überflüssig war, end­lich ist er abberufen und durch v. Eagern ersetzt worden. Wenn auch die Wahl Gagerns nicht befremden kann, so war doch die allgemeine Erwartung eher für Hergenhahn. Gagern nimmt auf den neuen Posten die Achtung seiner Mitbürger mit und kann sich ihre Dankbarkeit leicht erwerben, wenn er mit aller Energie die Rechte des Volkes vertritt. Nur keine halben Maßregeln! Diese wären nicht geeignet, dem alten verschütten Bundestag nicht seine Ehre, denn die ist doch unwiderbringlich verloren, sondern nur noch einige Autorität zu erhalten.

Mit dem bisherigen nassauischen Bundestagsgesandten haben auch die übrigen Gesandten aller Höfe, mit Ausnahme derer, welche erst in neuester Zeit den Volkswünschen ent­sprechend hin gekommen sind, ihren Abschied eingereicht. Die hohen Besoldungen, welche sie jetzt verlieren, werden sie wohl am meisten schmerzen; hätten diese Herren vor 8 Tagen

eingesehen, daß man bei einer Umgestaltung des Instituts nicht die alte Juquisitions - und Bedrückungsmanier beibe­halten kann, so wäre die unglückliche Spaltung in der be­rathenden Versammlung nicht eingetreten. Wir haben daran auch wieder ein Beispiel für uns, daß nach gewechseltem System die alten Personen nur schaden können!

Singhofen, Amt Nassau, 1. April. Während man fast an allen Orten unseres Herzogthums mit der Organisation einer Bürgergarde rasch vorwärts schreitet und die Uebungen schon allenthalben begonnen haben, sucht hier eine Oppositions­partei, die überhaupt allen gemeinnützigen Unternehmungen entgegcnzutreten scheint, das Zustandekommen der Garde zu hintertreiben. An der Spitze dieser Partei steht der ehemalige Schultheiß B.....l, der sich schwer von seinem früher aus- geübten Despotismus entwöhnen kann und nun alle Mittel anwendet, um Unordnung und Zwietracht in die Gemeinde zu bringen, was ihm um so leicher wird, da er eines Theils viele Verwandte im Orte hat, die er nach seiner Willkür lei­ten kann, andern Theils ihm aber auch viele Einwohner, die er sich während seiner Dienstzeit fast zu Leibeigenen gemacht hat, dienen müssen.

Mehrere Bewohner von Wörsdorf beklagen sich in einem Schreiben an uns bitter über ihren entsetzten Schultheißen W....d, der jetzt noch die Gemeinde bei der Behörde in Idstein anzuschwärzen und auf das gemeinste zu verdächtigen sucht, als sännen sie nur Ungesetzlichkeiten und sonstige Excesse. Dieselben verwahren sich dagegen in ernsten und ruhigen Aus­drücken, indem sie stets die Ordnung und das Gesetz geachtet hätten.

Ein Berichterstatter aus Marienberg theilt uns mit, daß sich auch bei ihnen ein Sichexhcits-Comite gebildet hätte; der Berichterstatter spricht sich hauptsächlich dahin aus, daß das Comite dafür sorgen möge, daß den unbemittelten Bür­gergardisten baldigst Waffen ans Gemeiudemitteln angeschafft werden mögen.

Berlin. Die Miuister Camphausen, Schwerin, Auers­wald, Bornemann, Arnim, Haussmann und von Reiher ha­ben in einer Eingabe an den König erklärt, die Verant­wortung aller ihrer Maßnahmen bei der künf­tigen Volksvertretung nach den von derselben zu erlassenden Gesetzen zu übernehmen. In Bezug hierauf hat der König folgendes erlassen:Einverstanden mit den in dem Berichte vom heutigen Tage ausgesprochenen Ansichten und Vorschlägen werde Ich von jetzt an die in Verfassungsangelegeuheiten an Mich gelangenden Anträge an das Staatsministerimn verweisen und ermächtige dasselbe, die Bittsteller auf solche Anträge mit Bescheid zu versehen. Pots­dam, den 30. März 1848. (gez.) Friedriw Wilhelm." (A. Pr. Ztg.)

Berlin, 31. März. Hanse mann hat das Finanz­ministerium nur mit der Bedingung angenommen, daß ihm sechs Millionen Thaler zur Verfügung gestellt werden, um die Industrie in dieser bedrängten Zeit zu unterstützen und zu fördern. Bald wird die commercielle Krisis auch über uns hereinbrcchcn, die hiesige und die Stettiner Bank werden sehr schwierig im Discontiren und Zahlungsciiiftellungen er­folgen bereits täglich zunächst im Waareugeschäft. Staats« schuldschcinc sind heute auf 65 pCt. gesunken, Bankantheile auf 61. " (Fr. I.)