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und heiligstes Recht der unumschränkten Wahlfreiheit für seine Vertreter gekränkt sehen, um den verräthcrischcn Plänen des selbst in seinem Heimathlandc setzt geächteten Jesuitismus zu dienen.
Wahret Euch, Ihr Katholiken Nassau's, daß Ihr nicht in demselben Augenblicke, wo Ihr Freiheit der Religion zu erlangen glaubt, Eure politische Freiheit, deren Treiben ihr in dem Schweizerischen Sonderbund gesehen habt, einbüßt, hütet Euch vor den Wölfen in Schaasskleidern, die unter dein Vorgeben Euch die noch nie in unserem Lande beschränkte Ausübung Eures Gottesdienstes erringen zu helfen, Euch für die Freiheit im Staate unempfänglich machen und für ihre nichtswürdigen Zwecke mißbrauchen wollen. Wählet unabhängig bei den Landtagswahlcn diejenigen, die Ihr für die Fähigsten haltet die großen Fragen der Zeit zu befürworten und zur Wirklichkeit zu führen, die eure bürgerlichen gewerblichen Interessen kennen und die politische Rednerbühne nicht zu einer Canzel umflempeln; thut Ihr dieß, schickt Ihr srei- sinnigc Männer in die Kammer, die über jeder Religions- Partei erhaben stehen, so wird die Regierung eine aufmerksame Wächterin zur Seite haben über Eure Freiheiten und die Freiheiten Eurer Kirche. Ihr aber endlich, Ihr losalitischen Scelenknicker, seht Euch mehr vor für Euer irdisches Heil, als Eure überirdische Castratseligkeit, versichert Eure Köpfe, daß nicht der Sturm der Freiheit der in nächster Zukunft von Neuem über unsere Gauen brausen wird, hier der rächenden Nemesis cntgegenführe. Das Jahr 1848 wird strenges Gericht halten über alle Verräther des Volkes.
Schleswig-Holstein. Kiel, 25. März/ Der König von Dänemark hat in Folge der Umwälzung, wodurch der Sieg der nationalistischen Partei in Kopenhagen gesichert ward, den Krieg, um Schleswig für Dänemark zu erobern, beschlossen. Die Deputation aus den Herzog- thümern, welche während ihres Aufenthalts in Kopenhagen, wenn sie sich öffentlich zeigte, in Lebensgefahr schwebte, indeß von allen rechtlichen Einwohnern Schutz erhielt, hat gestern auf ihre bekannten Anträge vom Könige Antwort erhalten. — Einige 20 deutsche Angestellte in Kopenhagen sind mit dem „Hccla" sogleich nach Kiel abgegangen. Alle Mitglieder der Kanzlei haben resignirt (unter denen, welche resignirt haben, ist, nach einem andern Berichte, auch Etatsrath Francke); erfindet also im größten Theile der Geschäfte keine administrative Verbindung mehr statt. Die schleswig-holsteinische Regierung auf Gottorf hat gar keine Autorität mehr. Ueber- all ist der König in Beziehung auf die Herzogtümer unfrei. Die nächsten Tage werden bedeutende Er- eigrnsse bringen. Die Sache ist jetzt der Entscheidung des Schwertes anheimgefallcn und das schleswig-holsteinische Volk wird^tbun, was recht und noth ist. Das Dampfschiff „Hecla" ist stark armirt und bedroht die Stadt, obwohl cs zunächst nur die Bestimmung haben soll, die Prinzessinnen von Glücksburg aufzunehmen. (Dörsenh.)
(Den 26., Morg cns.) Rendsburg. gewährt einen kriegeriichcn Anblick. - Das Jägcrcorps nebst Studenten und Turnern unter dem Commando des Capitän Michelsen geht noch heute aus Rendsburg, um eine Position im Norden einzunehmen. Man vernimmt noch nicht, ob diese Expedition
die so wichtige Deckung der Nordgränze zum Zweck hat. — Die Armirung der Festung wird mit großem Eifer fortgesetzt. Wo der weiche Boden die Pferde unbrauchbar macht, legen Menschen Hand an die Kanonen und bringen sie an ihren Bestimmungsort. — 8 % Uhr. Abmarsch der schlcöwigschen Dragoner nach den umliegenden Dörfern. — 10 % U h r. Augenblicklich geht ein Detachement von hier ab, um Friedrichsort zu besetzen.. (Fr. I.)
Mailand, 23. März. Den 21. und 22. wurde hier hart gekämpft. Am 22. bot Radetzky einen dreitägigen Waffenstillstand an. Er wollte Lebensmittel in die Stadt und Flüchtlinge aus der Stadt 'lassen; nach Ablauf jener drei Tage würde er aber ernstlich bombardiren. Die provisorische Regierung versprach diesen Waffenstillstand. Die Stadt wurde am 21. und 22. mit Bomben und Kugeln beschossen, bis den 23., Morgens 2 Uhr, wurde das Feuer eingestellt und bei Tagesanbruch fand mau das Castell von den Ocstcrreichern geräumt. Mehrere Häuser sind in Brand gerathen; einige Ermordungen fielen vor. (Franks. 3.)'
Erwiederung.
Dein Herrn Wilh. Albrecht diene auf seine ctwaS' brüske Aufforderung nur dies Wenige als Erwiederung. Eine höfliche Bitte hätte vielleicht Anfangs fördern können, und die Verständigung wäre sofort erfolgt. Wer seine letzte Zeit.' nicht verschlummert hat, wer sic in ihrem vollen und wahren Sinn versteht, fragt jetzt nicht mehr nach dem wer, sondern nach dem bessern was. Es kömmt nicht mehr darauf an wer etwas sagt, sonder was er sagt. Findet sich denn die Kehre so schwer, wenn die Zeit eine Wendung macht? Trifft das Gesagte den Nagel auf den Kopf, dann ist desiDpeck erreicht; und fehlt das Wort die rechte Stelle, der Hammer seinen Ambos, dann mag es, widerlegt, verhallen wieder der halbe Klang. Die Sache ist für sich der Mittelpunkt, von dem die Strahlen ausgehcn müssen. Daß die N amen es nicht mehr thun, sehen wir täglich, fast stündlich, indem sie rasch aus den glänzenden Reihen verschwinden, wo sie lange der Nimbus der Autorität umgab. Was soll der Name, wenn die Feder nicht unebenbürtig ist, zur Widerlegung; zur Berichtigung bedarf es feiner nicht. Der Verfasser irrt, wenn er meint der kleine Feldzug gegen Nr. 11 verhöhne das Verdienst; diesem, auch dem geringsten, seine Krone. Es handelt sich aber hier um ein Verdienst dem die doppelte Krone gebührt! Das Gegebene war nichts mehr, als die leichte Variation auf ein spezielles Thema. Kein Gegner steht hier, der Witz und Hohn gebraucht. Nein, nein! Die freie Presse gestattet Rede und Gegenrede und wer für einen kleinen Fingerzeig mehr verlangt, dem läßt sie den kurzen Weg offen, wo etwa gewünschter Schutz zu finden ist.
Theater.
Da wir in einigen Tagen die Aufführung der „Karls- schüler", v. Laube, auf unserer Bühne zu erwarten haben, so wünschen wir, daß im Interesse der Kunst, Hr. Stölzel, der unbeschäftigt bliebe den „Schiller", Hr« Gremmer den „Koch" spiele. So nur, haben wir einen genußreichen Abend zu erwarten.
Einige Theaterfreunde.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. Möller.
Verlag von H. Fischer Lf C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.
(Hierzu eine Beilage.)