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Frcic^itimg.

^ 29. Wiesbaden. Samstag, L. April 1848.

n m^ m»m^m âeiheiL und NechL!

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A» E. M. Arndt.

(Eingesandt.)

(Als Erwiederung seinesGlaubensbekennt­nisses für die Gegenwart.")

Eines Mannes Rede ist keine Rede, Man muß sie hören alle beede."

Mit diesem alten deutschen Spruch tritt der ehrwürdige Vater Arndt, sein Glaubensbekenntnis; in der Hand, vor das deutsche Volk, und wenn eine Stimme aus dem Volk ihm antwortet, so kann sie keinen bessern Sinnspruch wählen. _Das deutsche Parlament" sagt Arndtsoll aus allen Stämmen und Gauen des Vaterlandes versammelt werden, ein deutsches Unterhaus, neben welchen: die verschie­denen Könige und Fürsten gleichsam das Qbcr- haus bilden werden. Aber neben kräftiger und fester Ordnung des dcutichen Reiches ist auch ein fester und ge- schwindcr Befehl nöthig. Die Fürsten und das Volk be- dürfen eines Königs oder Kaisers von Deutschland. Wer soll, wer kann dieses Haupt sein? Kein Anderer als der mächtigste deutsche Herr, der König von Preussen!" u. s. w. (Denn was weiter gesagt ist, tritt vor diesem Hauptgedanken in den Hintergrund, und kanuuns hier, wo wir gegen den einen Riesen allein zu kämpfen haben, welchen Arndt in den Kampf führt, von keiner Bedeutung sein, weil mit dem Sieg über diesen auch alles Weitere ent­schieden ist.)

Wir glauben keine zu gewagte Behauptung aufzustellen, wenn wir die Ueberzeugung aussprechen, daß das deutsche Volk sich wie Ein Mann laut und entschieden gegen die Vertretung der deutschen Fürsten beim Parlament, d. h. gegen ein von ihnen zusammengesetztes Oberhaus erklären wird. Die Gründe für diese Behauptung liegen sehr nahe'; vorher aber tritt die Frage auf: Von wem ward die deutsche Freiheit errungen?. Von wem ward die Einheit der Nation, die Wiedergeburt des Vaterlandes ins Leben gerufen und verkündet? Aus wem cnt- sprang, wie die geharnischte Weisheit aus der göttlichen Stirne, der Gedanke eines deutschen Parlaments? Antwort: VouH

und aus dem Volke! Das Volk also ist auch nun mit vollem Rechte der alleinige Herr und Gebieter seines Geschickes. Von ihm werden die deutschen Fürsten die Befehle empfan­gen, welchen sie als Unterthanen Seiner Majestät des Volkes zu gehorchen verpflichtet sind, denn fortan gibt cs keine deutschen Fürsten mehr als splche. Warum? weil ihre Herrschaft zu Ende ist.

EL lag schon lange in der Hand, in der Gewalt der deutschen Fürsten, und keine Macht hat sie daran ver­hindern können, die Einheit des deutschen Volkes zu ver­künden, die Nation mit dein Ansehen und dem Range zu be­kleiden, welche ihr gebühren, und womit sie sich jetzt ohne die Fürsten und gegen deren Willen bekleidet hat vor den Augen der Welt.

Die deutschen Fürsten hatten längst das Bedürfniß und die Macht, das Banner der deutschen Freiheit aufzupflanzen auf den Zinnen eines deutschen Parlaments. Sie haben diese ernste Pflicht, diesen hohen Beruf nicht erkannt, sie haben die deutsche Nation nicht wie ein freies ebenbürtiges Geschlecht geachtet, sondern wie eine Heerde Sklaven unter das Joch der Tyrannei gebeugt, einer Tyrannei, die eben so unwürdig ihrer selbst als demüthigend und entehrend für ein großes, der Freiheit würdiges Volk war. f

Diese unselige Verblendung der deutschen Fürsten, dieser unerträgliche Stolz und Egoismus ihrer Alleinherrschaft, diese Herabwürdigung ihrer Völker würden sie etwa heute ibr Ende erreicht haben ohne die Kraft und Selbst- befreiung des Volkes? 'Würden unsre Gebeine einst in freier deutscher Erde ruhen, wenn nicht der Boden der Freiheit mit dem Blute ihrer Hel­den gefärbt wordcn'wärc? Denn, was die Nachgie­bigkeit der rheinischen Fürsten dem Volke gewährt hat, mußte es nicht in Berlin mit Strömen edlen Blutes auf den Bar­rikaden erkauft werden, welche das Volk, dem Tyrannen, dem mächtigsten, edelsten, deutschen Herrn" entgegcnwarf?

Täuschen wir uns nicht über das, was uns noth thut! Wir fünfzig Millionen Deutsche sind uns selbst genug. Wir brauchen keine Fürsten als Ordner und Lenker unserer