Freie Zeitung.
e/W 2^« Wiesbaden. Dienstag, 28. März L8L8.
Freiheit und Recht!
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Das Nassauische.Schulwesen.
Glorreich hat sich das nassauische Volk erhoben, hat seine Wiedergeburt am ewig denkwürdigen 4. März gefeiert. Aber welche Verrichtungen übernahmen bei dieser erhabenen Feier die Lehrer dieses Volkes, die seine Bildung, seine Reife billig repräsentiern sollten?
Sie waren nicht erschienen, sondern harrten duheim ängstlich der Dinge, die kommen würden. Der Herzog hat die gerechten Forderungen seines Volkes genehmigt, und hat verordnet, daß die neuen Institutionen rasch ins Leben überge- führt werden sollen.
Wo durch Presse und Verkehr die Bildung das Volk durchgedrungen, da entfaltet bereits das Leben seine bildende Kraft; aber wo das Volk dem Strome des öffentlichen Lebens ferner wohnt, da steht es ohne ordnenden Geist, und macht dem Gefühle des Unmuths durch wilde Zerstörung Luft. Die Bevorzugung steigt bereits von ihrer Höhe, Jesuiten und Aristokraten nennen sich freisinnig, das Volk und die Freiheit zu betrügen. Die gesinnungslose Liberalität von gestern drohet den Männern des Fortschritts bereits den Boden zu entreißen; sollten da die Lehrer des Volkes sich nicht ordnend und schaffend an die Spiye stellen? Wohl sollten sie es, besonders auf dem Lande, wo Männer höherer Bildung fehlen!
Aber, Dank der Verwaltung Seebode's, die Lehrer fürchten die That und hoffen durch Petitionen-Geschrei das Manna vom Himmel zu rufen.
Schon diese eine Erscheinung muß das nassauische Volk über den traurigen Zustand seiner Schulen aufklären. Die lange Knechtschaft hat die Lehrer entmuthigt. Das Wiener Gespenst, das über unserm Leben schwebte, wußte wohl, daß vor Allem die Schule geknechtet sein mußte, um dem Volke die Erhebung unmöglich zu machen. Der Gedrückteste der Gedrückten war daher der Lehrer.
In dem ursprünglichen Schuledict sind diese ganz, der Willkür der Geistlichen preisgegcbcn, sie haben im Schul- voifftande keine Stimme. So lange daher das Seminar feine Zöglinge zur Selbstständigkeit führte, war ewiger Hader zwischen!
Geistlichen und Lehrern, weil letztere nicht alle sich sogleich in die nöthige Charakterlosigkeit finden konnten, und in der Schule die verhaßte Entwickelungsmethode einführten.
Eine nicht geringe Zahl der jesuitischen und pietistischen Geistlichen hatte von der neuen Methode keine weitere Kenntniß, als das quälende Gefühl, überflügelt zu sein, und die Furcht unnütz zu werden. Man setzte daher den Lehrern die Anmaßung der Herrschaft entgegen. „Du mußt deinem Schulmeister besser aufknieen" war der fromme Rath des Confraters, wenn der geistliche Herr das kräftige Wirken des Zehrers bedenklich fand. Da nun das Schicksal des Lehrers ganz in die Willkühr der Geistlichkeit gelegt war, und der Mangel ohnehin die Kraft verzehrte, darf es da wundern, daß die Mehrzahl sich fügte, und an Geist, Körper, Gang, Miene, Ton und Sprache den entwürdigten Sklaven zeigte. Die besseren Lehrer wurden wie die Parias in Indien mißhandelt. Die ganze Aufsicht hatte den Charakter geheimer Verläum- dung, der Lehrer durfte nicht wissen, wer und wessen man ihn beschuldigt. In früheren Jahren fand indessen Mancher, „den man geplaget allzusehr" noch einigen Schutz, denn die Willkühr hat auch oft die Laune gutmüthig zu sein, und es gab Fürsprecher. Erst Seebode erhob die Willkühr auf eine höhere Potenz, gab ihr einen Zweck, die Verhöhnung des Rechts.
Man könnte leicht eine nicht unbedeutende Schandchronik aus seiner Verwaltungszeit schreiben, doch werden wenige Beispiele genügen, falls der Herr Regierungsrath nicht mehrere als Beleg der Behauptung verlangt. Ich habe Material im Ueberfluß. Die ganze Verwaltung wird durch folgende Thatsache charakterisirt. .
Noch unter der Verwaltung Metzlers hatte das blinde Glück einige Elementarlehrer zu Reallehrern erhoben, woraus sich mehrere andere Elementarlehrer zu einem dessallffgen Examen meldeten. Sic wurden zugelassen und bestauben bis auf Einen, welcher durchsiel. Inzwischen Hatteunser böser Genius Herrn Seboode ins Land gebracht.
Jener durchgefallene Reallehrer-Kandidat, ein sehr würdiges Seitenstück zum Elias Krimuu, hatte sich die Gunst des Herrn Referenten erworben,, so wie er der Liebling deS