greif Zeitung.
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âeiheLL und Recht!
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Unsere Forderungen, namentlich für unsere Brüder auf dem Lande erläutert.
5. Volksbewaffnung.
Bisher hatten wir Deutsche eine ungeheure Menge bewaffneter Soldaten, welche fast die Hälfte der Einkünfte aller Staaten verzehrten, aber trotzdem können wir nicht sagen, daß das deutsche Volk bisher bewaffnet gewesen ist. Diese stehenden Heere in Friedenszeiten waren nur den Fürsten untergeben und waren auch nur zu ihrem Schutze da. Sie gebrauchten sie in den letzten 33 Jahren nicht, um die Freiheit und das Recht des Vaterlandes zu schützen, sondern nur um ihrer Willkühr vollständigen Spielrqum zu gewähren. Wenn ein Einzelner oder ein Volksstamm seine ihm von Gott gegebene Vernunft dazu verwenden wollte, Fehler und Schlechtigkeiten im bisherigen Regie: ungswesen nachzuweisen, da wurden Soldaten als willenlose Maschinen angewandt, um solche Menschen oder Völker zu unterdrücken und körperlich und geistig zu knebeln. Dazu mußten denn freilich auch die Soldaten eigenthümlich erzogen werden und um ihnen einigen Ersatz dafür zu gewähren, daß sie aus dem Volke ans- schieden und ihre geistigen Kräfte verleugneten, gab man den höheren unter ihnen allerhand glitzernde Spielsachen zur Entschädigung; z. B. goldene Epauletten, Schnürchen und- schöne bunte Kleider, Adler, Bären und sonstig» Orden, Und prägte ihnen ein, sie seien etwas ganz anderes, als die Menschen, welche dergleichen verschmähten; ja man erfand sogar eine besondere Art von Ehre für sie, die Standcsehre; die niederen dagegen brachte man durch Prügel, Einsperren re. in eine solche Furcht, daß sie aus diesem Grunde sich zu Allem gebrauchen ließen.
Jetzt muß alles dieses wegfallen, denn trotz der prunkenden Außenseite hat doch ein großer Theil von ihnen die Hohlheit ihrer bisherigen Stellung eingesehen und ist selbst erftcut darüber, daß sich diese Verhältnisse ändern. So die Soldaten in Kurhessen, welche schon bei dem Tode des alten Kurfürsten sich-freisinniger und kräftiger benahmen, als die Stände; so unsere nassauischen Soldaten in allen Garnisonen,
so die badischen und würtembergischen Soldaten, so die in noch vielen anderen Ländern, wo sie in der Mehrzahl den Umschwung der Dinge frendig begrüßten, und nur theilweise sich noch als die mörderischen Werkzeuge der Despotie bewiesen.
An der Stelle dieser stehenden Söldnerheere werden wir, sobald die neuen Gesetze ausgearbeitet sind, bewaffnete Bür- gertrllppen haben, welche die Interessen unseres Vaterlandes mit deutscher Kraft und deutschem Muth aufrecht erhalten und nicht den Ländern die ungeheuren Summen kosten werden. Doch darf man dieses natürlich nicht so verstehen, als ob nicht immer eine Achtung gebietende Anzahl kampfbereit unter den Waffen stehen würde, dieses muß natürlich immer der Fall sein, denn sonst könnten wir im Fall eines plötzlichen Krieges vielleicht erst nach langem Verzug dem Feinde eine geordnete Armee entgegenstellen; aber fortan muß die jüngste Altersklasse der Nationalgarde das bisherige Linienmilitär bilden und uns alle Vortheile der stehenden Heere ohne ihre Nachtheile bieten.
Neue Einrichtungen aber lassen sich nicht im Augenblick vollständig verwirklichen. Die Gesetze, nach denen die Volksbewaffnung vor sich gehen soll, die Einrichtung der Volks- tvchr selbst, ihre Waffenübung, sind nicht in einer Stunde, nicht in einem Jahre so auszuführen, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickeln müssen. Die Grundgesetze darüber werden wir erst von unserem künftigen deutschen Parlament, dem alle einzelnen Staaten untergeordnet sind, erhalten. Was aber jetzt geschehen kann und theilweise schon geschehen ist, besteht in folgendem:
1) Aus dem Zeughause sind an die Bürger Wiesbadens und der Umgegend mehrere Tausend neue und taugliche Gewehre abgegeben worden mit der nöthigen Munition. Die Wiesbadener Bürgergarde ist gebildet und besteht aus 16 Com- pagnieen, deren jede annähernd 100 Mann enthält. Ebenso haben sich in fast allen Städten des Herzogthums und auf dem Platten Laude Bürgergarden gebildet, die theils von der Regierung mit Gewehren versehen sind, theilweise ihre eigenen gestellt haben Wir können im Altgenblick vielleicht 12000 bis 18000 bewaffnete Nativnalgardisten rechnen.