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tignisse noch nicht zu beregnen sei. Aus den vielen sich wi­dersprechenden mündlichen Berichten ist es schwer, die Wahr­heit zu Tage zu fördern.

(Auszug aus den Granzbotcn.)

Wiesbaden, 21. März. Die Wiener Bewegung hat sich rasch und zum Schlüsse freudig gelöst. Der 12. März wird in den Annalen Oesterreichs und in seiner rückwirkenden Bedeutung auch des übrigen Deutschlands mit goldnen Lettern leuchten. Der Universität gebührt der Ruhm dieses ersten Tages, der Erhebung Wiens und des ganzen Landes aus der Knechtschaft der Jahrhunderte. Die Advresse der Stu­denten stellte zuerst an den Kaiser die Forderung der Lehrfrei­heit, Preßfreiheit, Ocffentlichkeit und Mündlichkeit, Gleich­stellung der Culte, welche Punkte dann sofort zur Kenntniß der ganzen Bevölkerung gebracht wurden. Man wählte eine Deputation, um diese Forderungen sogleich an den Kaiser zu bringen. Ein Doktor der Rechte hielt während dessen eine Rede an das Volk, welches Metternich und Sedlinitzky ein Percat brachte:Nicht so meine Freunde! Die sind schon moralische Cadaver, was noch von physischem Leben in ihnen ist, ist ihnen obncdies kurz zugemessen, und das reicht eben noch aus, um sie unsern Fluch noch hören zu lassen. Aber fort mit ihnen, sie sind Rebellen, sie haben uns verrathen." Das Volk erwiedert aus tausend Kehlen durcheinander:Wir haben seit 1830, wo alle unsere Brü­der Forderungen stellten und wir ruhig blieben, achtzehn Jahre nun gewartet. Jetzt wollen wir nicht mehr. Consti­tution, Preßfreiheit, Ocffentlichkeit, Wcgjagen Metternichs, Abdankung Ludwigs, dies sind die Rufe, welche sich von allen Seiten durchkreuzten. Darauf rückte die bewaffnete Macht vor und feuerte. Erzherzog Alb­recht war der erste, welcher Feuer kommandirte (derselbe, wel­cher vor mehren Jahren auf unschuldige Cigarren- rauch er schießen ließ), und dadurch die furchtbare Gährung hcrvorrics, welche sich von nun an wie eine Lawine durch die ganze Kaiserstadt fortwälzte. Man sprach auf dem einen Punkte schon von 20 Todten. In Folge dieser Gräuel, welche von allen Seiten berichtet wurden, forderten die Studenten sofortige allgemeine Bewaffnung; man strömte zum bürgerli­chen Zeughause und setzte sich in den Besitz der dort aufge­häuften Waffen. Später erscholl nun der Ruf:Metternich hat abgedankt und ist entflohen." Seine Villa am Rennwege wurde bis auf den Grund zerstört. Seine Abdankung mußte aber erkämpft werden durch das Blut so vieler Solen und Begeisterten vom Gefühl erster Bürgerwürde. Cavallerie- und Infanterie-Regimenter waren aufgeboten worden, auf die un­schuldige wehrlose Menge einzuhauen. Die ins Leben getre­tene Volksbewaffnung unterstützte dann mit Nachdruck die Verweisung der Linicntruppeu aus der Stadt, und allmälig kehrte nun die Ruhe zurück. Die Resultate sind den Lesern bereits bekannt. Die Erzherzoge Ludwig und Albrecht, sowie der Fürst Metternich auf der Flucht. Erzherzog Stephan soll zum Mitregenten ernannt sein.

Bad-Ems, 15. März. Seit dem glorreichen, für Wiesbaden sowohl als für alle Nassauer ewig denkwürdigen Tage dem 4. März hat die hiesige zahlreiche Gemein­de einen rühmlichen Eifer für die Erhaltung der Ruhe, Ord­nung und Sicherheit der.Personen und des Eigenthums kund gegeben unb dadurch an den Aug gelegt, daß Ems seine Stellung als berühmter Badeort vollkommen begreift.

Die Bürger beeilten sich, nach dem Beispiele Wiesba­dens ein Sicherheits-Comito aus ihrer Mitte zu wählen und

unter dessen Leitung eine National - Garde zu bilden, die zu einem Bataillon angewachsen ist. Die von derselben ausge- gangene Wahl ihrer Offiziere (Anführer), welche auf tüchtige, allgemein beliebte Männer fiel, und der gute Geist, welcher die ganze Mannschaft beseelt , sichern unsern Ort vor rohen Ausbrüchen zügelloser Gewalt und gewähren den vornehmen Familien aus Frankreich, welche bereits sich hier aufhaltcn, ein in jeder Beziehung sicheres Asyl.

Das Sichcrheits-Comitö.

(EingescndetH Die Polizeidiener find darauf aufmerk­sam zu machen, daß sie jetzt, wo das Fanggeld für Bettler abgeschafft ist, immer noch verpflichtet sind, dem Ein­dringen der Bettler in die Häuser cntgegcnzuwirkcn, was oft nur ein Vorwand zu Schlimincrcm ist. Ein Bürger.

Höchst, 19. März 1848. (Cvrresp.) Gewiß schön ist das Streben unserer Volksschullehrer, die Bevormundung durch die Geistlichen auf gesetzlichem Wege endlich los zu werden. Aber, und namentlich ihr Rcallehrcr, sucht euch auch vorzn- sehen, daß nichtincidat in Scyllam, qui vult vitare Cha* rybdim (daß ihr nicht aus dem Regen in die Traufe komiut), daß ihr nicht aus den Händen der Bibelgelehrten (?) in die Klauen derjenigen gerathet, die ihre Studien Humaniora nennen und das Heil der Menschheit in der Kenntniß der griechischen und lateinischen Sprache suchen. Auch solche Vor­mundschaft kann die Volksschule nicht brauchen.

Erwiedern« g.

(Forsetzung und Schluß aus Nr. 1. des Unterhaltungsblattes.)

Sollte das Land diese Creditbewilligung nicht für ge­rechtfertigt halten, so können wir dasselbe im voraus darüber beruhigen, daß wir die erwähnte Summe nicht von ihm ver­langen werden.

Wir zweifeln nicht, daß die Bewohner Nassau's auch ohne weitere Erläuterung die Nothwendigkeit der Stellung des Sicherheits - Sonntet, wie sie jetzt ist, erkennen werden. Wir zweifeln nicht, daß die außerhalb Wiesbadcns wohnen­den Nassauer erkennen, daß die hiesige Stadt der Natur der Sache nach der Mittelpunkt der Bewegung ist, daß Wach­samkeit und Einheit noch fortan Noth thut und wir ver­trauen wie immer dem guten Sinne des Volkes, daß es sich durch keine verdächtige Bestrebungen einzelner Partheien oder Personen, deren Interessen durch die jetzige Bewegung ge­fährdet sein mögen, von seiner bisherigen ehrenhaften Haltung und dem cinmüthigen Zusammenwirken zur Erstrebung ves gemeinsamen Zweckes wird abwendig machen lassen.

Das Comite glaubt hiermit auf die obigen an cs ge- stellten Fragen genügende Antwort gegeben zu haben.

Wiesbaden, den 18. März 1848.

Das Sicherheits-Comite.

Frankfurt, 19. März. Die Nachrichten aus Wien er­regen hier eine freudige Sensation. Durch den unfreiwilligen Rücktritt Metternich's eröffnet sich für Oesterreich endlich auch die so lange störrig verschlossene Bahn des Fortschritts und es fallen dadurch die Schranken, die das österreichische Kai­serhaus von dem, zum Selbstgefühl neu erwachten, emanci- pirten Deutschland räumen mußten.

Um so leichter wird sich jetzt das Oberhaupt für unser deutsches Bundesverhältniß finden, das als leitende und cre- cutive Gewalt, die Bcdingniß dessen Fortbestandes bildet.

Gerade hiervon würde bei der Reform der Bundesver­fassung die größte Schwierigkeit in Beseitigung concurriren-