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Euch fragte, und nach welcher die Schultheißen ost Jahre lang im Dienst blieben, wenn auch die ganze Gemeinde gegen sie war? In den meisten Fällen aber haben die Schultheißen nur das gethan, was ihnen von ihren Vorgesetzten befohlen wurde, denen sie doch gehorchen mußten. Und nun meint Ihr, mit einem anderen Schultheißen sei es gethan, anstatt daß Ihr eine andere Verfassung fordern solltet! Wie verkehrt und kurzsichtig! Nein, eine freie Gcwcindcver- fassung müßt Ihr haben, und die hat Euch ja der Herzog zugesagt und die neuen Landstände werden sie ausarbeiten. So lange wartet also ab. Dann könnt Ihr ja, wenn Euch Euer Schultheiß oder Rechner nicht gefällt, auf ordnungsmäßigem Wege andere wählen. — Und wißt Ihr denn bei Euren Zusammenkünften in den Wirthshäusern gar nichts Besseres zu thun, als über Eure Schuldheißen zu räsonnircn? Seid Ihr nicht alle darüber einig, daß z. B. der Zehnten abgeschafft werden muß? Warum regt sich denn Niemand deswegen? Warum laßt Ihr Euch nicht Bittschriften aufsetzen, worin Ihr die Aufhebung dieser und aller andern auf dem Ackerbau ruhenden ungerechten Lasten verlangt, und die Ihr dann in den Wirthshäusern besprechen und unterschreiben könnt, um sie an die neuen Landstände einzureichen? — Und Euren Zorn, den, bitte ich Euch, hebt auf für Eure wirklichen Feinde. Und wer diese sind? — O, ihre Zahl ist Legion! Aber die gefährlichsten unter allen sind die Russen, welche bekanntermaßen die gcschwornen Feinde aller Freiheit sind. Die können jeden Augenblick gegen Deutschland rücken, um Alles wieder zu unterdrücken. Gegen diese wilden Barbaren und gegen Alle, die sich mit ihnen gegen Euch verbinden, spart Euren Zorn auf, anstatt ihn gegen ein paar armselige Schultheißen und Förster zu wenden! Gegen die Russen übt Euch einstweilen im Gebrauche der Waffen! Wenn diese kommen, müßt Ihr alle, wie ein Mann aufstehen ! Ja, wenn diese uns und unsre Freiheit wieder unterdrücken wollen, dann gilts einen Vertilgungskrieg, dann ^Nllssem ^wir-sie- überall todtschlagcn, wie die tollen Hunde. Sonst versinkt unser Vaterland in grausige Nacht und Barbarei, aus welcher uns so leicht Niemand mehr erretten kann! Gedenkt an die Prophezeiung Napoleons!
Ein wahrer Freiheitssreund.
— In Berlin ist viel Blur geflossen, und die Ruhe noch immer nicht hcrgcstcllt. Der König bleibt hartnäckig. (Wie heißt's doch in der alten Prophezeihung von ihm: Bo- russiae rex ultimus eris l Und trotz dem will man ihn an er Correspondenz der Weserzeitung zufolge zum deutschen Kaiser machen. Dieser königlich preußische Wähler ist wohl dem Tollhause entsprungen!»
Die neuesten Berichte aus Wien melden, daß in den meisten Theilen der Stadt und in den Vorstädten das Militär auf das Volk gefeuert und eingehauen habe, in Folge dessen die Erbitterung immer höher stieg, so daß das Volk zuletzt die Gemächer der Hofburg stürmte, den Fürsten Metternich zur Abdankung zwang, und dem Kaiser die Zusage aller Forderungen abtrotzte: Preßfreiheit, Volksbewaffnung und Zurückziehung des Militärs. Die Studenten leiteten haupt- säcblich die ganze Bewegung und benahmen sich sehr tapfer und entschieden.
Spätere Nachrichten aus Breslau zufolge soll der Erzherzog Albrecht mit dem Metternich, beide incognito
Verantwortliche Redaction: Diepenbrock & Dr. Möller.
Verlag von H. Fischer und C. Ritter. —Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei
als Obersten, auf ihrer Flucht dort durchgekommen und der Fürst Metternich seinen Weg nach dem Rheine genommen haben. (Die Rheingauer erwarten ihn schon lange mit Sehnsucht.)
Von den Wiener Ereignissen spricht die allgem. Zeitung: Der ganze Aufstand war von wohlgekleideten Leuten begonnen und ausgeführt; kein eigentliches Gesindel war zu sehen und kein Eigenthum wurde verletzt. Man sah einer unruhigen, blutigen Nacht entgegen. Auch in den Vorstädten, namentlich in Mariahilf, sind viele Menschen getödtet worden. Hier wurde aus den kaiserlichen Stallungen auf das Volk gefeuert. Nur das Lcopoldstädtcr Theater gab seine Vorstellung vor leeren Bänken; diese Vorstadt war ruhig geblieben. Plötzlich sieht man wie durch Zauberschlag die hohen Häuser der Stadt sich beleuchten; nach und nach macht man cs in den Vorstädten nach. Man weiß nicht, aus welchem Grunde und muthinaßt, daß die Gasbeleuchtung zertrümmert sei und deßhalb die Häuser beleuchtet werden. Wer nicht schnell Licht vor die Fenster stellt muß, seine Saumseligkeit mit zerbrochenen Scheiben bezahlen. Da reitet ein Bürger-Offizier vorüber und spricht: Meine Herren, der Fürst Metternich hat abgetanst Bravo erschallt. Die Ruhe ist hergestellt. Die Soldaten ziehen in die Easernen. Nur an der Burg, au der Staatskanzlei, am Ständehause bleibt Militär in ruhiger Haltung. Tausende durchziehen die Straßen; man steht in Gruppen; man geht spazieren; Herren und Damen; Alles beleuchtet und ein milder Frühlingshimmel sieht herab auf die ruhig wallenden Menschen.
Wien, 14. März, Nachm. 3 Uhr. — A. Z.) Na- tionalgarde unter dem Befehl des Grafen Hoyos; Preßfreiheit; dieß sind die großen Angebinde der Bewegung. Erzherzog Albrecht, welcher gestern den Befehl zum Feuern gab, hat das Gcneralcommâö der Militärmacht verloren, und wird vom Fürsten von Windischgräß ersetzt werden. Als Stellvertreter von Metternich wird Montecu- culi oder Colloredo genannt. Die Bürgerschaft wird unverzüglich zur Wahl eines neuen Bürgermeisters schreiten, und man hat Rudolph Art Haber so ziemlich als Denjenigen bezeichnet, auf den die Wahl fallen wird. Welche große Er-» eignisse in 24 Stunden! Oesterreich mit den freiesten Institutionen, das soweit darin zurück war. Aber die Bevölkerung hat sie sich errungen, auf eine Weise errungen, die sic deren werth zeigt. Der Jubel ist unbeschreiblich; Alles mit weißen Schleifen geschmückt, welche die Damen nebst Kränzen auf die vorrübergchenden Bürger werfen. Als Motto wählt die Nationalgarve: Besitz, Arbeit, Intelligenz! Kein Unterschied der Confessionen, obgleich noch nicht von oben herab decretirt; ebenso dem Adel Achtung, wenn er arbeitet ober intelligent ist.
Neueste Nachrichten von Wien.
Es ist Alles zugestanden: Oestreich ist frei! Metternich ist in Breslau.
Privatanzeige.
Von heute an bis Mittwoch Abend lasse ich Steinkohlen
in Bicbrich ausladen.
S. Marburg.