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dem letzteren Punkte, wo er noth thut (und dieß ist in Nassau nicht überall der Fall), vollkommen einverstanden sind, so müssen wir doch den ersten entschieden zurückweisen, und zwar- aus Gründen, die in Nr. 5 d. Bl. von einem Lehrer schon auscmandcrgcsctzt worden sind. Als Antwort auf die Frage, wer die Stelle der Geistlichen in der Leitung der Volksschullehrer ersetzen soll, scheint uns die Antwort sehr natürlich: Besondere Schulinspektoren, die nicht zugleich Geistliche sind, sehr wohl aber, wenn die Einzelnen dazu besonders passen, auch aus dem geistlichen Stande gewählt werden können; in welchem Falle sie dann natürlich ihre Pfarrstelltn niederlegen müßten. Die Red.
AuS Dauborn und Ensingen im Amte Limburg sprechen die Einwohner ihren Dank dafür aus, daß sic jetzt das herabgefallene Holz für sich einsammeln dürfen. Besonders für die Armen sei dies die größte Erleichterung. Zum Schluß stellen sie an einen benachbarten Forstmeister die Frage, ob er noch der Ansicht sei: „daß die armen Leute das zu fällende Holz in den Staats- und Gemeinde-Waldungen um den halben Lohn fallen und aufklaftern sollen, ob er noch behauptet: wenn sie viel haben, brauchen sie viel, ob er noch das Laub im Walde vom Winde verjagt und lieber die Kuh oder Ziege des geringen Mannes auf dem Pflaster kann liegen sehen? Allein auch diese Leute werden nun ihre Vertreter haben und werden jubelnd Anstimmen in die Worte: Seine Hoheit der Herzog lebe hoch!!!"
Düsseldorf, 16. März. (Correspondenz.) Von Seiten der hiesigen Stadtverordneten ist heute wieder eine dringende Vorstellung an den König abgegangen. Die Volksbewaffnung ist darin als höchst nöthig vorgcstellt worden, da die Fabriken in Elberfeld, Crefeld, Mühlheim an der Ruhr und Umgegend jeden Augenblick genöthigt sein können, ihre Arbeiter zu entlassen. — Eine Adresse der hiesigen Bürger hat die Stadtverordneten aufs Neue von der höchst unzufriedenen Stimmung der Bürger in Kenntniß gesetzt. Der Erlaß des Königs, sowie die heute Morgen publizirte Einberufung des vereinigten Landtages genügen nicht, beruhigen nicht, gewähren nichts. — Gerüchte der verschiedensten Art durchkreuzen sich. In Berlin sei die Bewegung zum Ausbruch gekommen, das königliche Schloß gestürmt, der König selbst an der Spitze eines Kürassierregiments nach Sanssouci geflüchtet. Auf der andern Seite wird der Aufstand in Berlin als höchst unbedeutend und als schon unterdrückt dargestellt. Dahin sprechen sich auch die eensirten Zeitungen aus. Eine neueste Nachricht zirkulirt endlich, der König habe schon alle Forderungen bewilligt, eine telegraphische Depesche habe die Anzeige davon gemacht. — Verbürgt ist, daß heute Morgen eine große Deputation der Kölner Stadtverordneten sich nach Berlin begeben hat, um dem Könige vorznstcllen, daß in jeder Verzögerung, die Forderungen des Volkes zu bewilligen, die höchste Gefahr liege. Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Eichmann, soll sich dieser Deputation angeschlossen haben. — Die einberufenen Reserven zeigen überall, bei jeder Gelegenheit, wie ich mich selbst überzeugt habe, die lebhaftesten Spm- pathieen für die Volkssache. Viele Abtheilungen erklärten laut und offen, sie marschirten weder gegen die Franzosen, noch gegen ihre Brüder. Die Berichte über diesen Geist des Heeres werden ihre Wirkung in Berlin nicht verfehlen,
und man wird gewiß nicht wagen, die Landwehr cinzube- rufen. — Ich freue mich, Ihnen melden zu können, daß, mit einem Wort, der Geist der Freiheit das ganze Land durchweht, daß cs feiner Macht gelingen wird, ihn länger zurückzuhalten oder zu unterdrücken. Noch ehe der vereinigte Landtag (27. April) zusammentritt, wird die Freiheit der Presse, Gedanken und Redefreiheit, so wie AssociationSrecht erobert sein. Das in Händen, wird es nicht schwer werden, alles Andere zu erwerben.
Nach der Gr. Hess. Zeitung hat Gagern einen Aufruf an die Odenwälder erlassen, worin er wiederholt, daß alle Feudallasten beseitigt, die Privilegien einzelner Klassen aufgehoben und alle Staatsangehörigen vor dem Gesetz unbedingt gleichgestellt werden sollen. — Der Fürst von Hohcnzollern Sigmaringen ist auf der Flucht in Stuttgart angekommen.
(A. Ä. Ztg.)
— Zn den Petitionen, welche die deutschen Völker so er# folgvoll an ihre Fürsten richten, vermisse ich das längst und dringend von der öffentlichen Meinung geforderte und von Ständeversammlungen beantragte allgemeine Verbot der Ha- zardspicle, an das jenes des gleich verderblichen Lotto'ö anzuknüpfen sein würde.
Es kann wahrlich dem deutschen Vaterlande nur zur Schmach gereichen, daß, während in Frankreich alle Hazardspielc im recht verstandenen Interesse des Familien-Wohlstandes verpönt sind, es den Angehörigen eben dieses Staats gestattet ist, solche in unseren deutschen Gauen gegen hohe, glänzende, siöcalische Pachtzinsc auszubeuten.!
Diese Anregung wird übrigens genügen, um die Aufmerksamkeit auf den wohl nicht unwichtigen Gegenstand zu lenken und dadurch denselben der Erledigung zuzuführen, welche bisher auf anderem Wege gehofft wurde.
Frankfurt, den 14. März 1848. M.. r.
— Berlin, 15. März, Abends. Unsere gestrige Nachricht von dem Einhauen der Cavalleric hat sich leider bestätigt, ja vielmehr noch schlimmer dargestellt, als sie milgetheilt wurde. Nach dem Frkf. Journ. hat sich die Gräuelscene vom Abend des 14. wiederholt, am 15. war die größte Aufregung unter dem Volk und den Bürgern. Ersteres forderte Fernhaltung des Militärs, letzteres die Errichtung von Bürgergarden. Bcschwerdeschriften wurden eingereicht und einzelne höhere Ofstciere insultirt. Eine Stadtverordnetenversammlung berathschlagte über die Errichtung der Bürgergarde, kam aber zu keinem Entschluß. In der Versammlung erklärte der hinzugekommene Polizei-Präsident, daß das Einschreiten des Militärs wider seinen Willen stattgefunden habe und es solange in den Casernen consignirt bleiben würde, bis seine Kräfte zur Aufrechthaltung der Ordnung nicht mehr ausreichten. Um 6 Uhr verlangte die vor dem Schloß angesammelte Menge die Entfernung der Wachen; Plakate erschienen, welche die Niedersetzung einer gemischten Commission zur Untersuchung der Blutscenen versprachen, allein die Menge blieb, da stürzten Dragoner und Kürasssicre aus den Schloßportale» und bewährten ihren Heldenmuth an dem unbewaffneten Volke, was nur gerechte Forderungen aussprach. Auf wessen Seele lasten diese Mordthaten?
Wien, 13. März. Woran gewiß ganz Deutschland bei der seit einem Zähre enschiedenem Stabilität unsers Kaiserstaats am wenigsten gedacht hat, das ist heute auf eine sturmvolle Weise ins Leben getreten: Wien ist im Aufstand. Ein, ich sage, furchtbarerVolkS- sturm ist losgebrochen und entwickelt sich stündlich mehr und mehr. Die Studenten stehen an der Spitze, man fordert Preßfreiheit, Entfernung des Fürsten Metternich und eine freiwillige Constitution. ES wurde die Erklärung von einem Regierungsbeamten abgegeben, daß der Kaiser schon lange die Verbesserung vieler Mißstände beabsichtigt hätte und jetzt sei die Regierung schon mit deren Abänderung beschäftigt. Nach der Schl. Z.
VerantworAiche Redaction: Diepenbrock SC Dr. Möller.
Verlag von H. Fischer SC C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.