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«reit Zeitung.

^ AN, Wiesbaden. Montag 30. März 1848.

Freiheit und NeehL!

Die Freie Zeitung erscheint täglich in mindestens einem halben Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer nnd H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst ge­legenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom 1. März bis 1. Juli d. I. beträgt hier in Wiesbaden 2 Gulden; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanan

2 fl. 40 kr.; innerhalb aller übrigen Thurn Sf Taxis'schen Postbezirken 3 fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen; und da die Freie Zeitung schon jetzt die größte Verbreitung im Lande gefunden hat, so sind Anzeigen darin jedenfalls von bedeutendem Erfolge. Die Insertions-Gebühren be­tragen für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

Der deutsche Bundestag, die ermordeten Gefangenen und die armen Verbannten.

Man kann behaupten, daß der deutsche Bundestag, gegen dessen Verbrechen alle Thaten der spanischen Inquisition wahres Kinderspiel sind, (?) an seiner eigenen Schande und an der Verachtung aller ehrlichen Menschen in ganz Deutsch­land gestorben ist. Man könnte eine Million Thaler Be­lohnung bieten und kein Berliner Professor wäre im Stande, nur eine einzige ehrenvolle That des Bundestags aufzu- weisen, indessen das Register seiner Sünden und Verbrechen gegen Gott und die Welt unabsehbar ist. Doch das Schlechte führte zum Guten und wie der Teufel in Göthe's Faust, so kann auch der Bundestag von sich sagen:

Ich bin ein Theil von jener Kraft,

Die nur das Böse will unb stets das Gute schafft."

Wir wollen ein Beispiel anführen. Was hat der deutsche Bundestag dabei gewonnen, daß er den unerreich- lichen göttlichen Weidig von dem Höllenhund Georgi auf die infamste Art ermorden ließ? Gar nichts. Der Mord dieses einen Mannes hat dem deutschen Bundestag trotz aller Censur und aller Spionircrei und aller Ketten und aller Bücherverbote mehr als 100,000 Menschen zu Todfeinden gemacht. Wahrlich! jeder ehrliche Mann, der Weidig's Schicksal erfuhr, Jedermann, der Weidig's herrliche Ge­dichte las, Jedermann, der sich überzeugte, daß der große Weidig, wie einst Sokrates, keinen Fehler hatte, als denjenigen allzureincr Tugend, wurde ein Todfeind der sauberen Sippschaft zu Frankfurt. Der Name eines Weidig, eines Jordan, eines Arndt rc., wurde in ganz Deutsch­land das Loosungswort des Hasses gegen den Bundestag und seine höllische Anstalten: Censur, geheime Inquisition, Cabinetsjustiz, Spioncusystem rc. Die Ermordeten kommen nicht wieder, aber die freigewordene deutsche Presse hat jetzt

die Aufgabe, dahin zu wirken, daß alle Verbannten, die seit 1815 das harte Brod des Eriks genossen haben, ins Vater­land zurückkehren. Es ist die heiligste Pflicht des freien Deutschlands, da cs die ermordeten Gefangenen nicht wieder lebendig machen kann, wenigstens die armen Verbannten zurückzurufen, denn ohne diese Opfer wären wir nicht, was wir sind. Dieses Zurückrufen der armen Verbannten wäre nicht allein edel, es wäre auch klug; denn diese Männer würden Erfahrung und Intelligenz aus der Verbannung zurückbringen. Ich nenne hier einen Mann mit Liebe, Dank und Hochachtung, den Namen Wilhelm Snell, Rector der Universität zu Bern. Wahrlich, dieser Ehren­mann, dieser große Gelehrte, dieser erfahrungsreiche Mann in Sachen des Rechts und der Staatswiffenschaft, verdiente nicht allein zurückberufen, er verdiente, wie Gagern in Hessen, wie Römer und Pfizer in Würtemberg, in un­serer Staatsverwaltung an einen passenden Ort gestellt zu werden!!

(Fortsetzung und Schlußdie Aufgabe der Bürger-Comitö's" betreff.)

Drei und dreißig Jahre lang hatte der deutsche Michel seine bamnwollenk Schlafmütze dicht über die Ohren gezogen, fast lautlos und theilnahmlos sind die Donnerstürme zweier französischen Revolutionen an seinen tauben Ohren vorüber­gehallt, ohne den Siebenschläfer aus seinem Phlegma heraus- zubringen. Endlich beim Pelotonfeuer der dritten französischen Revolution ist der alte Bärenhäuter aus seinem Scheintodte erwacht. Sorgen wir nun, daß er wach bleibt und nicht wieder die alte Schlafsucht ihn befällt, lassen wir ihn nicht nach halb gethaner Arbeit gleichgültig in Lethargie zurück­sinken und sich quasi re bene gesta (als ob die Sache voll­kommen ausgeführt sei) aufs Bärenfell ausstrecken, um wie­der ein halbes Jahrhundert auf der faulen Haut zu liegen.