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Nun das ist ein wenn, vorbehaltlich, interimistisch, eintretenden Falls u. s. w., daß noch recht gut einige Hundert Schriftsteller festgesetzt oder ausgewiesen werden können, bis dieses so weitläufig vorher angekündete Prcß- gcsctz ins Leben tritt. Bei alle dem ist noch von voran- gehen die Rede, gerade so wie bei dem König von Baiern, der sich an die Spitze der deutschen Bewegung stellen will.
— Die Berliner halten jetzt Volksversammlungen, die von der Polizei erlaubt werden; auch die Polizei cultivirt sich, wer hatte das gedacht?
— Der englische Unterthan und König von Hannover Ernst August mit seinen Ministern soll gegen Vertretung des deutschen Volkes beim Bundestage protestirt haben. Es sei eine solche Vertretung nicht vereinbar mit der monarchischen Negierungsform. Wenn statt monarchisch despotisch gesetzt wird, bin ich vollkommen einverstanden.
— Der deutsche Bundestag soll sich nach der Oberpost- amtszeitung mit dem Plan einer Bundeöreform unter Zuziehung von Männern, welche das Vertrauen des deutschen Volkes genießen, beschäftigen. Diese Männer freilich sollen die Bundesverfassung rcvidircu, aber Nota bene ohne den Bundestag dabei zu Rathe zu ziehen, sintemalen u. s. W. Er kann daher die Aufforderung an die Regierungen, ihin solche Männer zu schicken, sparen.
— Die Leipziger Zeitung spricht von einer Abdankung Metternichs, andere Blätter widersprechen. Mit einer Abdankung dieses Menschen allein aber ist der Gerechtigkeit, die jetzt wieder hier und da auf Erden erscheint, noch nicht Genüge geschehen.
Der Fürst von Lippe-Detmold hat in Folge der an ihn gerichteten Petition die Forderungen seines Volks, welche im Wesentlichen mit den der übrigen deutschen Ländern Überemstimmen, ohne langes Widerstreben gewährt.
Nach Briefen aus Hannover sollen dort an mehreren Orten des Landes bedeutende Unruhen ausgebrochen sein.
(Köln. Ztg.) Der König von Preußen hat den Prinzen von Preußen zum Gouverneur der Nhcinprovinz mit Anweisung seiner Residenz in Köln ernannt.
Aus Leipzig wird berichtet, daß die Stadt von allen Seiten mit Truppen umzingelt sei.
Die Mannheimer Abendzeitung macht mit Recht auf die unwürdige Sprache aufmerksam, welche viele Petitionen und namentlich solche in Preußen enthalten. Der König hat gesagt: Zwischen uns sei Wahrheit! und hat wirklich auch in der Eröffnungsrede des Landtages 1847 eine ganz wahre Sprache gesprochen, d. h. von seinem Standpunkt aus. Jetzt soll auch das Volk so sprechen, wie es ihm um's Herz ist, damit er endlich einmal erfährt, wie es in Deutschland aussieht ; denn daß ihm Eichhorn und Consorten die klare Wahrheit gesagt haben, ist unmöglich. Sie waren das Glas, durch welches er sein Volk betrachtete, und wenn das Glas nicht rein ist, sieht man auch Alles in unreinen Farben.
— Die Breslauer Vorfälle müssen ganz Deutschland in Entrüstung setzen. Ein Correspondent der Mannheimer Abendzeitung berichtet: Von den Kürassieren wurde scharf eingehauen auf das wehrlose Volk. DieKanibalen hatten den
Pferden die Eisen vorher abgenommen, um die Bürger geräuschlos überfallen zu können. Ein gewisser Major von Firks hat den Schützen (wen sollten diese denn beschützen?) die Preußengesinnung mit folgenden Worten eingeschärft: „Soldaten, in Frankreich ist eine Revolution ausgebrochen. In Deutschland macht man alle Dummheiten nach, die in Frankreich geschehen. Wo es eine Dummheit gibt, bleibt Breslau nicht zurück. Anfangs geht mit Schonung zu Werke, wenn ich aber befehle, so schont Nichts! Richtet die Schüsse nach den Beinen, damit die Kugeln in den Unterleib gehen u. s. w."
Wenn diese Nachricht verbürgt ist, dann für immer an den Schandpfahl der öffentlichen Meinung mit ihm, diesem handwerksmäßigen Henkersknecht.
Das schlesische Wcbcrblut schreit noch auf zum Himmel um Rache; sollen sich diese Scenen noch mehr wiederholen?
Die „Leipziger Ztg." meldet nach Briefen aus Wien so eben die Abdankung des Fürsten von Metternich. Allerdings muß die Nachricht von der französischen Revolution und von allen den Bewegungen, die von ihr aus immer weiter gegen Westen und in das Herz des Kaiserstaates drangen, wie ein Donnerschlag auf einen Mann gewirkt haben, der sich den Beruf erwählte, seit fast vier Jahrzehenden das Haupt der Reaction in ganz Mittel-Europa zu seyn. Er sicht am Rande des Lebens sein künstliches Gebäude zusam- menstürzcn, von einer Bewegung überflutet, gegen die er in kleineren Staaten noch vor kurzem mit so stolzem und verletzendem Tone glaubte sprechen zu dürfen; er kann endlich nicht entfernt hoffen, die jetzige Bewegung zu hemmen, ohne sein ganzes Regierungö- System zu ändern und für verfehlt zu erklären.
Der englische Gesandte in Paris hat eine Note Pal- merston's an Lamartine übergeben, worin ersterer erklärt, die Republik möge in der freundschaftlichen Aufnahme des Exkönigs Louis Philipp in England nicht einen Beweis von Anhänglichkeit an die frühere französische Regierung, sondern lediglich ein Zeichen der englischen Gastfreundschaft gegen einen Unglücklichen sehen.
Wie die Deutschen in Paris sich jetzt zu förmlich organi- sirten Verbindungen zusammcnschaareu, so auch die Italiener. Die italienische 'Nationalverbindung hält Sonntag den 12. d. M. eine große Versammlung.
Preßburg, 8. März. Das Ausbleiben des Erzherzogs Palatins in Wien erweckt hier eine fieberhafte Unruhe. Sie äußerte sich bereits gestern in der Sitzung der Stände- tafcl, wo der Vorschlag gemacht worden, daß die Mag- natentafel ohne den Erzherzog zusammentreten solle. Da indeß die Nachricht von der großen Aufregung durch den Telegraphen sofort nach Wien berichtet worden, so erwartet man den Erzherzog noch heute wieder zurück. Viele Magnaten aus der Regierungspartei befinden sich ebenfalls in Wien, wo sie im Staatsministerium Tag und Nacht arbeiten. — Von dem lombardisch -venetianischen Königreiche sind wir hermetisch abgesperrt. Briefe von dorther und dorthin werden auf der Post eröffnet. (Bresl. Ztg.)
Verantwortliche Redaction: Diepenbrock 8f Dr. Möller.
Verlag von H. Fischer 8? C. Ritter. — Druck der C. Ritter'schen Buchdruckerei.