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Freie Zeitung.

J\fo J Je Wiesbaden. Dienstag LL März L8L8.

Freiheit und Neeht!

Die Freie Zeitung erscheint täglich in mindestens einem halben Bogen. Bestellungen darauf beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer nnd H. W. Ritter; auswärts bei den zunächst ge­legenen Postämtern. Der Abonnements-Preis vom L März bis L Juli d. J. beträgt hier in Wiesbaden 2 Gulden; auswärts durch die Post bezogen innerhalb des ganzen Herzogtums Nassau, des Großherzogthums Hessen, der freien Stadt Frankfurt, der Landgrafschaft Hessen-Homburg, sowie der Kurhessischen Provinz Hanau 2 fl. 40 kr.; innerhalb aller übrigen Thurn Sf Taxis'schen Postbezirken 3 fl.

Inserate werden bereitwillig ausgenommen; und da die Freie Zeitung schon jetzt die größte Verbreitung im Lande gefunden hat, so sind Anzeigen darin jedenfalls von bedeutendem Erfolge. Die Jnserations-Gebühren be­tragen für die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum 3 Kreuzer.

§. Wiesbaden', 11. März 1848. Die bisherigen öffentlichen Besprechungen*) über das zu entwerfende neue Wahlgesetz haben eine Uebereinstimmung der Ansichten eigent­lich nur über den einzigen Punkt, des Einkammersystem, an­gegeben, wahrend sich über alle anderen zur Verhandlung ge­kommenen Fragen, namentlich die Zahl der zu wählenden Abgeordneten, direkte und indirccte Wahl, Census re., die Anwesenden in sehr verschiedenem Sinne aussprcchen. Wir sind nun weit entfernt, diese Verschiedenartigkeit zu bedauern, oder gar anzunehmen, daß diese Verhandlungen, weil sie nicht zur Vereinigung hierüber geführt haben, nutzlos gewesen seien, wir sind vielmehr im Gegentheile überzeugt, daß sie wesentlich zur Läuterung der Begriffe und Ansichten beitrugen, daß überhaupt nur auf dem Wege des Austausches auch der entgegengesetzten Ansichten die Wahrheit gefunden werden kann und ergreifen, um der Discussion ein noch weiteres Feld zu eröffnen, hiermit auch den Weg der Presse.

Wir sind nun, was vorerst die Zahl der zu wählen­den Abgeordneten betrifft, der Ansicht, daß Sechzig keine zu hohe Zahl, vielmehr unsern Verhältnissen vollkommen ange­messen, und deßhalb zu empfehlen sein wird. Einmal können wir überhaupt keinen Nachtheil sondern nur Vortheil von einer großen Zahl Repräsentanten erwarten und sind der Meinung, daß gerade darin die sicherste Garantie liege für Vereinigung der edelsten Kräfte des ganzeu Landes in der Kammer, sowie dafür daß jedes darin etwa auftauchende bösartige Element auch seine Correctur finde, daß sie also gewisser Maßen einen Ersatz gewähre für die mit dem Zwei­kammersystem anerkannter Maßen verbundenen Vortheile.

Den Haupt-Nutzen einer zahlreich besetzten Kammer

*) In berathenden Versannnlungen, die jeden Abend hier in An­wesenheit der Deputaten gehalten werden.

finden wir aber barin, daß sie sich ihrem Ideale, einer voll­ständigen Vertretung jeder Meinung und jedes Interesses im > Volke möglichst nähert, und deßhalb von ungleich größerem moralischen Gewicht sowohl der Regierung als auch der Be­völkerung, welche darin nun ihr eigenes Spiegelbild erblicken kann, gegenüber sein muß, so daß Auflehnungen und Ge­waltthätigkeiten gegen die Beschlüsse einer solchen imposanten Versammlung fortan weder von oben noch von unten her dankbar sein werden,

Diese Vortheile sind so unwidersprechlich und einleuch­tend, daß wir sicher in allen größeren Ländern weit zahl­reichere Repräsententen - Versammlungen finden würden, wenn nicht Physische Ursachen verhinderten, zu Menschenmassen von mehreren Tausenden zu reden, auch dieselben Beschlüsse fassen zu lassen re. Von einer Schwierigkeit in dieser Hinsicht kann aber bei einer Versammlung von 60 Personen offenbar keine Rede sein, und sind wir daher der Meinung, daß wir des Vortheils, den uns hier gerade die geringe Ausdehnung des Landes bietet, uns erfreuen, und uns eine möglichst voll­ständigen Repräsentation schaffen sollen.

Wir bemerken noch, daß wir gerade auf die Zahl 60 gekommen sind, weil wir die vorhandenen 28 Aemter bei der längst anerkannten zu großen Ausdehnung einiger derselben für 30 annehmen können, und für jedes derselben durchschnitt­lich zwei Repräsentanten wünschten Mit dieser Zahl nähern wir uns auch dem deßfallsigen Vorschlag der, überhaupt sehr beachtcuswerthrn, Petition der Stadt Weilburg.

Die Einwürfe gegen die Erhöhung der Zahl der Ab­geordneten auf 60 waren nur die:

1) daß eine geringere Zahl, namentlich 36 für unsere Verhältnisse genüge! Wir antworten darauf, mit Bezugnahme auf die oben erwähnten Vortheile einer zahlreichen Repräsentation, einfach nur: Gut ist gut, besser ist besser!