Jtg JO» Wiesbaden. Montag 1L Marz 18L8.
âeiheLL und Recht!
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-+- Wiesbaden, 10. März. Mißtrauen, so heißt das Gift, welches sich gegenwärtig in die Adern unsres sonst so freudig bewegten Volksleben einzuschleichen droht, und welchem zu begegnen jetzt eine der ersten Pflichten des Volksfreundes ist! Dieses Mißtrauen ist vor Allem gegen die bestehenden Behörden und die solche bildenden Staatsdiener gerichtet; und wer wollte läugnen, daß die kaum erst zur Vergangenheit gewordene Zeit des Nahrungsstoffes übergenug hierzu geliefert hat! Wer aber wollte auch verkennen, daß eine Verlängerung dieses Mißtrauens unserer gesunden Volksentwickelung auf das feindlichste entgegcntritt! Darum ist es eine der unerläßlichsten Pflichten der Behörden und Staats- dicner selbst, Alles, was in ihren Kräften steht zur Wiedererlangung des Volksvertrauens aufzubieten, und, auf welche Weise dies unsrer Ansicht nach am zweckmäßigsten geschehen kann, darzustellcn, ist der Zweck nachfolgender Zeilen:
Daß die gesammte Staatsverwaltung einer wesentlichen Umgestaltung unwidersprechlich bedürfe, erwähnen wir hier nur im Vorbeigehen, da mit der zugesicherten Oeffentlichkeit und Mündlichkeit der auf Jury-Einrichtung gegründeten Gerichtsverfassung, sowie mit der Selbstständigkeit der Gemeinden das bisherige auf Heimlichkeit, Bureaukratie und Centralisation basirte System ohnehin fallen muß.
Die näheren Ausführungen hierüber aber wollen wir dem- nächstigen besonderen Abhandlungen vorbehalten, und uns hier nur auf die vorläufigen und in möglichst kurzer Zeit zu ergreifenden Maßnahmen beschränken. Als das erste uud wichtigste Mittel zur Erreichung dieses Zieles erscheint: 2luf< richtiges rückhaltloses Fortschreiten aufderBahn, welche wir jetzt betreten haben, und aus der unser edler Herzog nicht nur uns, sondern auch allen Fürsten und Völkern Deutschlands als ein strahlendes Gestirn voranleuch
tet., Jeder Versuch eines Rückschrittes, auch unter der verstecktesten Form, wäre das unklugste und deßhalb unverantwortlichste Beginnen, weil er bei der gegenwärtigen Oeffent- lkchkeit sofort zur allgemeinsten Kunde kommen müßte.
Den Beweis aber, daß die Behörden wirklich sich mit ungeheuchelter Freudigkeit dem Streben nach dem neuen großen Ziele hingeben, können sie am besten dadurch liefern, daß sie bei sich selbst mit denjenigen Verbesserungen beginnen, für welche sich die Volksstimme schon längst und entschieden ausgesprochen hat. Wir rechnen dahin vor Allem die Sorge für würdige und den jetzigen Zeitvcrhält- niffen entsprechende Besetzung aller und ganz vorzüglich der oberen Landesbehörden! Es ist unverkennbar der menschlichen Natur und deßhalb auch bem gesunden Sinne des Volkes entgegen, Männern, die sich als unbedingt folgsame, diensteifrige Satelliten des Systems, in welchen? das Volk mit Grund die Ursache seiner bisherigen Erniedrigung findet, erwiesen haben, und dafür mit einflußreichen und hohen Stellen abgelohnt worden sind, das Vertrauen zu schenken, daß dieselben sich der von ihnen bisher auf das feindlichste bekämpften neuen Richtung mit aufrichtigem Herzen hingeben werden; vielmehr kann es von solchen Männern nichts Anderes erwarten, als daß sie sich vorerst nur in das Unvermeidliche fügen, bonne mine au mauvais jeu machen, aber sicher keine Gelegenheit unbenutzt Vorbeigehen lassen, die Rückkehr des alten Systems anzubahnen und die Beförderer der neuen Richtung ihre Tücke fühlen zu lassen.
Zu dieser Klasse nehmen wir alle Diejenigen, welche durch Servilität, Angeberei und sogenannte Dämagogenjäge- rei zu einer traurigen Berühmtheit, sowie zu äußeren Ehren und Würden gelangt sind.
Wenn die Behörden einen großen Schritt zur Wiede»-