FrcicLcitimg.
JW. 6» Wiesbaden. Mittwoch, 8. März L8L8.
Freiheit und Recht!
Der Abonnementspreiß von heute bis L Juli betragt hier in Wiesbaden 2 Gulden; Bestellungen beliebe man zu machen in Wiesbaden in den Buchhandlungen von H. Fischer $ H. W. Ritter. Auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.,
Das Unrecht in einem freien und in einem unterdrückten Lande.
„Wir leben in einer Zeit „ Uw die Tugend alS Berbrechen behandelt wird und daS Verbrechen als Tugend einhergeht," —
Dr. Wirth'S deutsche Geschichte.
Das gefallene System mit seiner Censur, seiner Polizei- gewalt, seinem Horchen und Lauschen, Verfolgen und Verdächtigen, seinen geheimen Jnquisitionsgerichten, seiner Ca- binetsjustiz war auf vollständiger Unmoralität, auf die Unterdrückung des Rechts und der Tugend, auf die Unterstützung des zügelosesten Lasters und der schreiendsten Ungerechtigkeit gegründet.'— Unser Zustand war unerträglich, unser Staat war eine alte, lahme, verrostete Maschine, unser Volksleben war nicht, wie es sein stell, ein stolz wogendes Meer sondern ein fauler Sumpf
„wo lustige Fische sterben und Kröt' und Molch sich mästen."
Es durfte alles geschehen und man mußte schweigen, man mußte das Unrecht, die? Plünderung des armen hungernden Volks immer anmaßender werden ■ sehen und man durfte nicht sprechen, man mußte die schauderhaftesten Justizmorde, die roheste Gewaltherrschaft, die üppigste Mätressenherrschaft, die sinnloseste Verschwendungen geduldig ansehen und durfte und konnte nicht öffentlich auftreten. — Was kümmerte man sich darum, daß jedes Jahr 50,000 fleißige deutsche Menschen auf ewig das Vaterland verließen, um dieser allgemeinen Sündfluth zu entgehen? was kümmerte man sich um den Ekel der Nation über die Skandale eines Georgi, eines Görlitz, einer Lola Montez? über die an einem Krackrügge, Jordan, Weidig re. verübten
Gewaltthaten? Man kümmerte sich nicht um den Abscheu der Nation, weil die Wahrheit entweder gänzlich unterdrückt war oder weil sic nur schwach und schüchtern auftreten konnte. — Jetzt aber, wo die Tugend über das Laster gesiegt hat, wo das Pferd nicht mehr, wie in der verkehrten Welt, auf dem Menschen reitet, sondern der Mensch auf dem Pferd, jetzt wo die Wahrheit und Tugend nicht mehr flüstern, sondern donnern und pochen, jetzt werden alle verborgenen Schandthaten ans Licht gezogen werden, es werden alle Justizmorde von nun an unmöglich gemacht, es werden keine schlesischen Weber verhungern. .Schleswig-Holstein wird uns nicht entrissen, die scheußliche Mätressen- und Jesuitenherrschaft wird aufhören, wir brauchen nicht mehr vor den andern Völkem über unsere Schande zu erröthen, denn von nun an ist das Laster und die Schande nicht mehr straflos, sie wird zur Rechenschaft gezogen und die Tugend richtet nicht bei verschlossenen Thüren, sondern öffentlich vor den Augen und den Ohren des ganzen Volks.
Das Stadeste und Nöthigste. I.
/X Wiesbaden, den 6. März. — Die Würfel sind gefallen. Der Sieg der guten Sache ist entschieden. — In den von unserem Fürsten genehmigten Forderungen des Volks haben wir eine Grundlage, auf welcher sich das Staatsleben sowohl für Nassau an sich, als für sein Verhältniß zu unserem deutschen Vaterlande auf das Gedeihlichste entwickeln kann. Aber vergessen wir über der Freude des Siegs, nicht die Nothwendigkeit fortgesetzter, rastloser, beharrlicher Thätigkeit. Es ist freilich schön, sich von dein Gefühle einer vollbrachten großen That durchglühen zu lassen und in Begeisterung für