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Der vierte März.

Wiesbaden, den 5. März. Wer auch mit den kühnsten Hoffnungen für die Freiheit des Landes erfüllt hätte vor einer Woche noch die großen Ergebnisse des gestrigen Tages, die Alles übertreffende Erfüllung seiner Hoffnungen geahnet?!

Groß und freudig ist der Gedanke', daß die glorreichen Resultate dieses Tages auf dem friedlichen Wege errungen wurden.

Die ernste, beunruhigende Spannung der Gemüther dann die höchste Besorgnis; für die Anfrechthaltung der Ordnung ünd des Friedens war allmählig zu einem die ganze Be­völkerung mit sich reißenden Strome der Aufregung ange­schwollen.

Danken wir dem gütigen Geschicke, welches über dieser Stadt gewaltet! Sein guter Engel führte den Herzog noch zur rechten Zeit in unsere Mitte zurück. Eine Verzögerung von wenigen Stunden vielleicht, und wir scheuen uns, es mit Worten auszudrücken die schrecklichen Folgen wären kaum zu berechnen gewesen.

Die hin und wieder zur Erscheinung gekommenen Rei­bungen zwischen widerstrebenden Partheien, und davon stets und allenthalben unzertrennbare Thätlichkeiten, warum sollen wir mit Herzählung solcher dem Ganzen gegenüber unbcdeu- tentern Einzelnheiten den freudigen Schlußcindruck des gestrigen Tages stören! Werfen wir den Schleier der Vergessenheit über das, was uns schmerzlich war! Schauen wir mit ruhig- freudigem Blicke in die Zukunft!

Wir haben errungen, was unsere Brust mit Sehnsucht erfüllte.

Herzog Adolph hat sich in dem Herzen des Volkes ein Denkmal der Liebe, des Vertrauens gestiftet^ wie es wohl in diesem Augenblick wenige Fürsten besitzen dürften.

Hört cs alle, Ihr deutschen Fürsten, und erfüllet endlich die Pflichten, welche Euch obliegen gegen eure Völker! Ge­währt dem Volke die Rechte, welche ihm gebühren!

In der Erfüllung dieser Pflicht beruht die Grundlage gegenseitiger Mitwirkung zur vollkommenem Einheit und wah­ren Wiedergeburt unseres mit euch gemeinschaftlichen Vater­landes. Auch.Hr seyd ja alle wie wir aus dem Volke her­vorgegangen.

Das Volk ist eure Familie! Nur in seinem Kreise lebt ihr sicher und frei. Werft die Scheidewand nieder, welche das Vorurtheil finsterer Jahrhunderte errichtete und nur das unterdrückte Selbstbewußtsein entarteter Geschlechter aufrecht erhalten konnte.

Die wahre Freiheit des deutschen Volkes muß und wird

auch in Kurzem diese Scheidewand Niederreißen. Diese Ue­berzeugung lebt von heute an in der ganzen Nation. Möge sie auch Eure Seele erfüllen!

Wiesbaden. Die gestrigen Nachmittagsstunden haben sich unvertilgbar mit Flammcnzügen in das Gedächtniß von Tausenden der Bewohner unserer Stadt und unseres Landes eingezeichnet und auch unsre Nachkommen dürfen auf sie mit Freude und Stolz Hinblicken! Die gewaltige Bewegung uns­rer Bevölkerung hatte sich zur fieberhaften Aufregung ge­steigert, die trotz der vom Staatsminister am Morgen auf eine für ihn so ehrenvolle Weise gegebenen, und von Ihrer Königlichen Hoheit, der Frau Herzogin, und dem Prinzen Nikolaus verbürgten Erklärung, noch fortwährend im Wach­sen war, und bald, durch das ununterbrochene Anschwellen neuer Schaaren von außen in so hohen Wogen ging, daß, ohne des Herzogs Dazwischenkunft, die Fluth jeden schützen­den Damm zu durchbrechen drohte. Schon war die der Bewegung zu Grund liegende Einheit der Bestrebungen ver­schwunden ; schon wurden hier und da Forderungen laut, die der Kern der Versammlung, als ihm fremdartig zurückstoßen mußte; schon entstand ein Anlauf auf das von der Bürger­garde bewachte Zeughaus: da, im Augenblicke der höchsten Noth, wo Alles auf dem Spiele stand, fliegt der Ruf: der Herzog kommt! durch die Straßen der Stadt, und wie durch göttliche Fügung erscheint der Fürst unter seinem Volke! Auf der Eisenbahn von Frankfurt herabgeeilt, ohne militärische Begleitung, zu Fuß, schreitet er durch die wogende Menge seinem Schlosse zu, auf dessen Balkon die für sein volks- freundliches Herz Bürgschaft leistende Mutter und sein Bru­der seiner harren! Es war einer der erhabensten Mo­mente, die in dem Leben eines Sterblichen Vorkommen fern neu! Um das Schloß wogte ein Mcnschcnmecr wer hat ihre Tausende gezählt? in der furchtbarsten Aufre­gung, die kein vom Balkon herabgcsprochcnes Wort weder des Gräfin von Walderdorff, noch des Ministers zu be­sänftigen vermocht hatte. Da tritt der Herzog auf den Balkon, in ruhiger Würde, in der Sicherheit eines immer redlichen Willens, in dem Bewußtsein, daß er nur stets das Beste dieses Volkes gewollt habe! Er winkt mit dem Federhut Grabesstille folgt auf den tobenden Lärm, und mit fester, lauter, über die Tausende hinhaltender Stimme ruft er: Nassauer, was mein Minister bewilligt, was meine Mutter, was mein Bruder verbürgt habenich halte es! DicWirkung,dcu Eindruck dieser Worte zu schildern ist unmöglich; wer vermag den urplötzlichen Nebergang aus ter ängstlichsten Spannung zur Empfindung des höchsten Jubels zu mahlen? Da lösten sich alle streitenden Gefühle, alle Mißklänge, in ein aus der