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dieser Landes-Synode entwickelt habe, und der in der Thot, soweit die Nachrichten reichen, eine Sktbinbung mit politisch - partikularistischen Bestrebungen in sich schlicht, daß dieser Geist Folge und ^rucbt wäre der Maßnahmen, welche von Seiten des preußischen Kultus-Ministe­riums ausgegcmgcn seien. Dem muß ich auf das Entschiedenste wider­sprechen. Er selbst führt die Thatsache an, daß die Mehrheit der Synode Einträge stelle, welche darauf hinausgehen, sich von dem Kultus - Ministerium nicht allein, sondern auch von der berechtigten Stellung Sr. Majestät des Königs in der hannoverschen Kirche voll- ständig zu befreien. Wäre das Kultus-Ministerium der Vater dieses Geistes der Majorität, nimmermehr würde diese Majorität sich zu befreien bemüht sein von einer Stütze, die sie gerade in diesem Ministerium zu haben meinte.

Aber, meine Herren, es sind noch andere schlagende Thatsachen, die das widerlegen, was der Herr Abgeordnete angeführt hat. Zu der Synode sind 12 Mitglieder, 6 geistliche und 6 weltliche, ernannt von Sr. Majestät dem Könige. Diese Ernennung ist auf den Antrag des Kultus-Ministeriums erfolgt, und unter die­sen 12 Ernannten werden Sie gerade diejenigen finden, welche am entschiedensten den Verirrungen und Ueber­treibungen entgegentreten; von denen sich die Majorität hat gefangen nehmen lassen. Ich kann in Anspruch nehmen, daß der Standpunkt, der von Seiten der, durch das Kirchenregiment berufenen Abgeordneten auf der Synode eingenommen ist, als der­jenige im Großen und Ganzen anerkannt werde, dem das Kirchen- tegiment folgt, und daß dem Kirchenregiment nicht zur Last gelegt werde die Gesinnung, welche die unabhängig von seinem Einfluß durch die freicste Wahl gebildete Majorität kundgegeben hat, ban dem Kirchenregimente nicht zugeschoben werde die Verantwortung für den Geist, der sich in dieser Majorität geltend macht.

Es wird ferner dem Kirchenregiment vorgeworfen, daß der Ein­fluß, welchen die Provinzialbchörden auf die Besetzung der Pfarrstellen üben, in nachtheiliger Weise gehandhabt werde zur Förderung derjenigen Richtung, die eine politische Absonderung der Provinz im Auge habe. Nach den Versaffungsgesetzen, welche mir von dem früheren hannoverschen Regiment übernommen haben, und an welcher zu ändern die preußische Regierung, mit Stecht glaube ich, Abstand genommen hat, ist das Kultus-Ministerium ohne allen Einfluß auf die Besetzung der Pfarrstellen.

Alles, was der Herr Abgeordnete angeführt hat in Bezug auf die inneren kirchlichen Verhältnisse, sind Dinge, die nicht an die Adresse des Kultus - Ministeriums gehen, sondern des Landes- konsistoriumS, und das Landeskonsistorium, dessen Befugnis? imb Selbstständigkeit er selbst anerkennt, bat in Fragen des Bekenntnisses und der Union eine freie und selbstständige Stellung,' der Kultus- Minister hat nicht das Recht, ihm Vorschriften zu machen.

Ich muß es als eine ganz entschiedene Unrichtigkeit hier zurück- weisen, wenn der Herr Abgeordnete die Ueberzeugung ausspricht, es fei die Entwickelung, wie sie jetzt gekommen ist, von oben her künstlich genährt und künstlich herbeigeführt worden,' es widerspricht dies allen Thatsachen und allen Absichten, die von hier aus irgendwie kund- gegkben worden sind. Der Herr Abgeordnete möge sich doch erinnern, was Se. Majestät unter Gegenzeichnung des Minister - Präsidenten und unter der nichtigen im Dezember 1866 dem Landeskonsistorium und durch das Landeskonsistorium dem ganzen Lande eröffnet hat, daß Allerhöchstdieselben mit Gerechtigkeit den kirchlichen Rechtszustand des Landes aufrecht halten wollen, daß aber Se. Majestät der König von der Ueberzeugung auSgebe, daß in Freiheit und in Liebe diejenigen Vereinigungspunkte gefunden und entwickelt werden möchten, welche die neuen Provinzen mit den alten Provinzen in nähere Verbindung bringen, auch auf dem kirchlichen Gebiete. Das steht aktenmäßig fest unter der beiderseitigen Gegenzeichnung.

Freilich, wenn das hier die Absicht ist, daß das Kultus-Ministerium sich aufwerfen soll zum Vertreter, eines sogenannten aufgeklärten Protestantismus eines Protestantismus, der sich lossagt von den Grund­sätzen unseres Bekenntnisses, einem solchen Protestan­tismus kann und wird das Kultus-Ministerium nie­mals Vorschub leisten.«

Unser König empfing am Donnerstag (2.) den Vorstand der Brandenburgischen Provinzial-Synode unter Führung des Kultus-Ministers Dr. von Mühler.

Auf die Ansprache des Vorsitzenden der Synode erwiderte der König etwa Folgendes:

»Ich danke für die wohlgemeinten Wünsche und wünsche meinerseits, daß das in Frieden angefangene Werk möchte in Frieden vollendet werden. Es that der Kirche dringend noth, daß etwas geschah zur Beruhigung der Geister. Denn wir haben viel Feinde,' ich denke nicht an die Katholiken. Wenn wir nicht mehr den Glauben haben an den Heiland, daß er ist der Sohn Gottes, was soll dann werden? Dann wären

auch seine Aussprüche nur Menschensatzungen. Darum wiederhole ich meinen Wunsch, daß Sie in Frieden möchten das begonnene Werk zu Ende bringen.«

Im Landtage nähern sich die Berathungen über den Staats­haushalt ihrem Abschlüsse.

Nachdem die Erörterungen über den Etat des Kultus-Ministe­riums in Folge der Verstimmung, welche von Seiten eines großen Theils des Hauses dein Kultus-Minister gegenüber zum Ausdrucke gelangte, eine volle Woche in Anspruch genommen hatten, sind die weiteren Berathungen in den letzten Tagen soweit vorgeschritten, daß die einzelnen Etats fast durchweg erledigt sind.

Das Gesetz über den Staatshaushalt im Ganzen kann jedoch nicht eher feftgcfielit werden, als bis durch Annahme der Vorlage über das Staatsschuldenwesen die Mittel zur Deckung der Ausgaben für 1870 vollständig gesichert sind. Da der Kommissionsbericht über diese Vorlage noch heute (8.) zur Vertheilung gelangen soll, so wird derselbe noch in dieser Woche berathen werden können.

Der dcmnächstigc Abschluß der Vorberathung des Staatshaus­halts und der Sch lnßbcrathung über denselben im Abgeordnetenbause werden jedoch immerhin noch die nächste Woche in Anspruch nehmen, so daß der Etat kaum vor dem 18, Dezember an das Herrenhaus gelangen kann.

Es wird daher, zumal das Gesetz über das Staatsschuldenwesen, auf welchem das Zustandekommen des Etats beruht, jedenfalls eine gesonderte Berathung erfordert, auch jetzt wieder der oft bewährten vollen Hingebung des Herrenhauses bedürfen, um den Staatshaushalt vor bem Jahresschlüsse zur Feststellung gelangen zu lassen.

Die chinesische Gesandtschaft mürbe am 2. d. Mts. von Sr. Majestät dem Könige im Rittersaale des Königlichen Schlosses in Gegenwart der Königin, der Prinzen und Prinzessinnen, der Gene­ralität' und der höchsten Staatsbeamten empfangen. Die Gesandschaft besteht aus sieben Mitgliedern, unter welchen der außerordent­liche Gesandte und bevollmächtigte Minister Anton Burlingame ber Sprecher ist, dem zwei chinesische Staats - Minister zur Seite stehen. Sobald Se. Majestät der König den Thron bestiegen hatte, an dessen linker Seite die Prinzen sich aufstellten, mürbe die Gesandtschaft von den Ccremonicnmeiflcrn eingeführt. Nach­dem Herr Burlingame vor Sr. Majestät dem Könige sich tief verbeugt und eine Anrede in französischer Sprache gehalten hatte, welche die Wünsche des Kaisers von China für das Wohlergehen Sr. Majestät des Königs, des Königlichen Hauses und des preußischen Volkes ausdrückte, überreichte er dem Könige das Beglaubigungsschrei­ben, welches ihm und den beiden chinesischen Ministern vom Kaiser von China ausgestellt worden war. Der König ertheilte dem Herrn Burlingame eine entsprechende Antwort in französischer. Sprache. Hiermit endigte die feierliche Audienz.

Die Königin Augusta ist nach einem kurzen Besuche am Großherzoglich wcimarschen Hofe am 1. Dezember zu dauerndem Aufenthalt nach Berlin zurückgckehrt.

Der Kronprinz ist, von seiner Nilfahrt zurückkehrend, am 3. in Kairo eingetroffen und hat daselbst am 5. den Grund­stein zu einer neuen evangelischen Kirche gelegt. Von den in Kairo wohnenden Deutschen wurde Sr. Königl. Hoheit eine Abendmusik mit einem Fackelzug gebracht.

Der Bundeskanzler Graf von Bismarck ist am Sonnabend (4.) unerwartet in Berlin eingetroffen, um sich mit seiner Gemahlin zu seinem schwer erkrankten ältesten Sohne nach Bonn zu begeben. In Folge günstigerer Nachrichten ist der Gras selbst hier zurückgeblieben.

Die Leitung der Geschäfte wird Graf Bismarck für den Aligenblick noch nicht in größerer Ausdehnung wieder über­nehmen, da ihm nach dem günstigen Gebrauche einer Karls­bader Brunnenkur zur vollen Sicherung des Erfolges derselben noch eine Nachkur und Ruhe von einigen Wochen wünschen 8- werth ist. Doch ist derselbe von Sr. Majestät dem Könige bereits mehrfach empfangen worden.

Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. v. Decker).