unterstützen, einen Bau durchzuführen, der, indem er die Fahrt durch ta8 Kattegat erspart, eine europäische Bedeutung habe, ja die Interessen Amerikas günstig berühre und dem Kanal von Suez ebenbürtig zur Seite stehen würde.
Nach der Annahme des Etats des Handels ° Ministeriums folgte die Berathung des Etats des Justiz-Ministeriums, welcher gleichfalls ohne Schwierigkeit erledigt wurde.
Der Finanz-Minister Camphausen legte in der Sitzung vom Dienstag (16.) den jüngst angekundigten Gesetzentwurf in Betreff der Reform des Staatsschuldenwesen s vor. Die Vorschläge der Regierung gehen in der Hauptsache dahin, daß zur Einlösung der Verschreibungen von verschiedenen bisherigen 4^- und 4prozeutigen Staatsanleihen (und zwar 12 zu 4| pCt., 5 zu 4 pCt.) — Verschrei- bungen einer kousolidirten preußischen Staatsanleihe zu 4| pCt. ausgegeben werden.
Die Tilgung der kousolidirten Anleihe erfolgt, sobald und so weit für diesen Zweck verwendbare Ueberschüsse der Staatseinnahmen über die Staatsausgaben sich ergeben, nach der darüber durch den Staats- haushalts-Etat zu treffenden Bestimmung. Die Tilgung geschieht in der Art, daß die dazu bestimmten Mittel zum Ankauf eines cnt- sprechenden Betrages von Scbulddokumcnten verwendet werben.
Der Finanz-Minister wird ermächtigt, die Einlösung derjenigen Verschreibungen, w e l cß e von den Inhabern dazu angeboten werden, in der Art bewirken zu lassen, daß die Verschreibungen der 4^proz. Anleihen gegen Ueberlassung von Verschreibungen der fonfolibirten Anleihe in gleichem Nennbeträge, die Verschreibungen der 4proz. Anleihen mit je 900 Thalern des Nennbetrages gegen Keberlaffung von je 800 Thalern in Verschreibungen der konsolidir- ten Anleihe erworben werden.
Den Inhabern der Verschreibungen älterer Anleihen kaun für deren Einlieferung bis zu einem von dem Finanz-Minister zu bestimmenden Termin eine nach dem Rennwerth der dagegen auszugeben- den Verschreibungen der kousolidirten Anleihe zu bemesseude Prämie bewilligt werden.
Der Gesammtbetrag dieser Prämien darf den Satz von Einem Prozent der für die Einlieferung älterer Verschreibungen im Ganzen auszugcbcndcn Verschreibungen der kousolidirten Anleihe nicht über- schreiten.
Der Finanz-Minister legte ferner denILutwurf eines Gesetzes wegen Aufhebung der Mahl- und Schlachtsteuer und Einführung der Klassensteuer in den Städten Rathenow, Schwedt, Wriezen, Cottbus, Guben, Lüstrin, Laudsberg a. W., Anclam, Coslin, Stralsund, Bromberg, Opreln, Neisse, Neustadt O. S., Franken- stein, Glatz, Oels, Schweiduitz, Sagan, Iauer, Liegnitz, Glogau, Merscburg, Weißenfels, Wittenberg, Torgau, Eleve und Wesel vor.
In Betreff der Berathung des Unterrichtsgesetzes würbe auf den Vorschlag des Präsidenten von Forkeubeck beschlossen, dasselbe einer Kommission von 35 Mitgliedern zur Vorberathung zu über- wciseu, um die öffentlichen Sitzungen zunächst so viel als irgend möglich zur Förderung der Kreisorduuug zu verwenden. Es scheint auf allen Seiten die Ueberzeugung obzuwalten, daß an ein Zustandekommen des Unterricbtsgcsetzes in der gegenwärtigen Session doch nicht zu denken, vielmehr nur eine Auseinandersetzung über die allgemeinen Grundsätze der Borlage in Aussicht zu nehmen ist.
Der Vorschlag der national-liberalen Partei, das Unterrichtsgesetz alsbald im Hause zu berathen, fand vor Allem deshalb Widerspruch, weil hierdurch möglicherweise das Zustandekommen der Kreis-Ordnung beeinträchtigt werden könnte. — Dagegen wird das Gesetz über die Lehrer-Wittwen- und Waisenkasscu im Hause vorberathen werden. ___
Unser König wohnte am Sonntage (14.) der Eröffnungsfeier der Brandenburgischen Provinzial - Synode int Dome bei. Am Montag (15.) nahm der König an der Enthüllung des dem berühmten Baumeister Schinkel auf dem Platze vor der Bau-Akademie in Berlin errichteten Denkmals Theil. Der Platz, auf welchem jetzt die Gedenkbilder der um Kunst, Gewerbe unb Landwirthschaft hochverdienten Männer Schinkel, Beuth und Thaer vereinigt sind, soll nach Bestimmung des Königs fortan den Namen Schinkels führen, dessen Andenken nicht blos um der von ihm aufgeführten oder im Entwürfe ausgearbeiteten Monumente willen, sondern auch wegen seiner großen Verdienste um die Erneuerung eines gediegenen Geschmacks auf allen Gebieten der Kunst allgemein in Ehren gehalten wird.
Montag Nachmittag begab sich der König zur Fasanenjagd Dei Herrn von Iagow auf Krüden und kehrte am Dienstag von dort zurück Am Donnerstag (18.) reist der König über Magdeburg und Wolmirstädt nach Letzlingen, um dort wie alljährlich unter Theilnahme benachbarter Fürsten am 19. und 20 große Hosjagden abzuhalten und am 21. nach Berlin zurück- zukehren.
Die Königin Augusta empfing in der letzten Woche in Coblenz mehrfach Fürstlichen Besuch und wohnte mit Ihrer erlauchten Tochter der Großherzogin Louise von Baden und der Prinzessin Wilhelm von Baden am Montag (15.) den Feierlichkeiten zur Vermählung des Fürsten Karl von Rumänien (Prinzen von Hohenzollern) mit der Prinzessin von Wied im Schlöffe Ncuwied bei.
Unser Kronprinz hat sich am 8. d. von Jaffa nach Beyrut eingeschifft, wo er am 9. ctngctroffen ist. Se. Königl. Hoheit besuchte dort zunächst die deutschen Anstalten und machte dann einen Ausflug nach dem Libanon, wo er von den Drusen und der christlichen Bevölkerung überall mit Freuden- bezeugungen empfangen wurde. Am 11. Abends traf der Prinz in Damaskus ein und wurde von einer großen Volksmenge lebhaft begrüßt. Die Stadt war glänzend erleuchtet. Am 12. setzte der Prinz die Rückreise nach Beyrut fort, von wo er sich am 14. Abends nach Port Said, dem Hafen- platze an dem dieffcitigen Endpunkte des Suezkanals, begab.
Mittwoch (17.) soll bekanntlich die feierliche Eröffnung des Kanals ftattfinben.
Die Hwovinzial-Synvde» in den sechs östlichen Provinzen haben theils am Sonnabend (13.), theils am Montag (15.) ihre Thätigkeit begonnen.
Der Kultus-Minister Dr. von Mühler wohnte der ersten Sitzung der Brandenburgischen Synode bei und richtete an dieselbe, nachdem die Vorstandswahlen vollzogen waren, folgende Ansprache:
Im Namen Sr. Majestät des Königs, unseres Allergnädigsten Herrn, begrüße ich die hier in der Hauptstadt des Landes versammelte außerordentliche Brandenburgische Provinzial - Synode unb wünsche ich ihr den Segen Gottes zu ihren Berathungen. Zweimal schon in diesem Jahrhundert, vor 25 und vor 50 Jahren, bat eine Brandenburgische Provinzial • Synode zu dem gleichen Zwecke eines Weiterbaues der evangelischen Kirchenverfassung hier getagt. Möge es der gegenwärtigen Synode beschieden sein, eine bleibende Frucht zu schaffen. Es ist der Geist, der die Formen bildet und sie mit lebendigem Inhalt erfüllt. Haben wir erst vor wenigen Tagen in der Gemeinschaft des evangelischen Glaubens mit unserem Könige in unsern Gemeinden den Herrn um Beistand zu diesem Werke angerufen, so lassen Sie uns nun nicht müde werden, unablässig zu bitten, daß der Geist, welchen die Kirche gebaut und in den j Tagen der Reformation erneuert hat, der Geist der ersten Zeugen, der * Apostel und Bekenner und der Reformatoren, auch unter uns in unserer Zeit und in unserem Volke offenbar werbe. Wir haben die Verheißung, daß, wenn wir uns zu dem alleinigen Haupte unserer Kirche, zu unserem Herrn und Heilande Jesus Christus bekennen, Er sich auch zu uns bekennen will und unsere Arbeit kann dann nicht eine vergebliche sein. Möge der Segen dieser Verheißung sich auch an dieser Versammlung und an den zu gleichem Werke in den anderen Provinzen unseres Landes versammelten Synoden in reichem Maße erfüllen. Das ist der Wunsch, mit welchem ich Sie hier begrüße.
Der neuernannte Bviscimftcr des Norddeutsche« Bundes am Kaiserlich französischen Hofe, Freiherr von Werther, hat am Montage (15.) dein Kaiser Napoleon seine Beglaubigungsschreiben überreicht. Die Ansprache desselben, sowie die Erwiderung des Kaisers geben von Neuem entschiedenes Zeugniß von den freundschaftlichen und vertrauensvollen Beziehungen, welche zwischen den beiden Regierungen bestehen.
Der Botschafter richtete folgende Worte an den Kaiser: „Ich gehorche dem ausdrücklichen Willen meines Souveräns, wenn ich alle meine Anstrengungen darauf richte, die Beziehungen der Freundschaft unb völligen Einvernehmens, welche in so erfreulicher Weise zwischen Frankreich und Preußen wie dem Norddeutschen Bunde bestehen, zu erhalten und zu befestigen, Beziehungen, welche auf gegenseitigen Interessen beruhen, deren Entwickelung von beiden Ländern lebhaft gewünscht wird."
Der Kaiser erwiderte: „Ich weiß die Gesinnungen zu würdigen, welche Sie mir im Namen Ihres Souveräns ausdrücken. Wie dieser, so wünsche auch ich die Aufrechterhaltung und weitere Entwickelung guter und freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Regierungen Preußens und des Norddeutschen Bundes einerseits und Frankreichs andererseits. Ich kann mich nur wegen der Wahl beglückwünschen, welche Ihr König traf, indem er Sie hierher sandte. Ich bitte Sie, eines wohlwollen- ben Empfanges bei uns gewiß sein zu wollen."
Dornnvv örtlich: E. Kiedtke in Berlin.
Berlin, ©wd »nd Verlag der Könißlichen Gehrimen Ober-Hofimchdnickerei (N. v. DeSrH.