frage an die Staatsregierung über die Prämien-Anleihe angckündigt, nur mit dem Unterschiede, daß darin ein Hinweis auf die Mitwirkung der Landcsvcrtrctung bei der etwaigen Bewilligung nicht enthalten war.
Der Handels-Mini st er gab im Wesentlichen dieselbe Erklärung wie im Herrenhause und fügte dann hinzu, daß die Entscheidung darüber, ob die Bewilligung mit dem Staatswohle vereinbar sei, sich nach dem Zwecke der Anleihe, nach den Grundsätzen, welche dabei in Aussicht genommen seien und nach den Umständen, welche zur Zeit der Verleihung obwalten, richten müsse.
Bei der weiteren Erörterung machte sich auch im Abgeordneten- Hause sehr entschieden der Wunsch geltend, daß die Genehmigung zur Prämien-Anleihe nicht ertheilt werden möge Von einer Seite wurde beantragt, daß die Frage der Prämien-Anleihen überhaupt auf dem Wege der Bund es gcfctzgc bring geregelt werde.
Der Finanz-Minister erklärte'schließlich, daß die Regierung, da die Sache noch nicht abgeschlossen sei, die knudgegebenen Wünsche gewiß in Betracht ziehen werde.
Unser König hat sich am Sonnabend (9.) nach Baden zurückbegeben und gedenkt daselbst mit der Königin bis gegen Ende dieses Monats zu verweilen.
Unser Kronprinz hat am Hofe des Kaisers von Oesterreich den herzlichsten Empfang gefunden. Er traf am Mittwoch (6.) Abends in Wien ein und wurde vom Kaiser Franz Joseph bereits auf dem Bahnhöfe erwartet und herzlich begrüßt. Auch die Spitzen der Behörden waren zu seinem Empfang versammelt und die Musik der Ehrenwache stimmte bei seiner Ankunft die preußische Volkshymne an. An der Seite des Kaisers fuhr der Prinz in die Hofburg, wo die Kaiserin ihm an der Schwarzen - Adler ■ Stiege entgegenkam. Am folgenden Tage (7.) fand die feierliche Aufwartung des Kronprinzen beim Kaiser statt, nach welcher die beiden Fürsten längere Zeit in vertraulichem Gespräch im Kabinet des Kaisers verweilten. Die Anwesenheit unsers Prinzen am Kaiserlichen Hofe wurde durch eine Reihe von Festlichkeiten gefeiert. Am 8. fand die Vorstellung der Generalität und des diplomatischen Corps vor dem Kronprinzen statt. Vor der Abreise von Wien besuchte derselbe die Kaiserliche Gruft, um das Andenken des unglücklichen Kaisers Maximilian von Mexiko zu ehren.
Am Sonnabend (9.) verabschiedete sich der Prinz von dem versammelten Kaiserlichen Hofe. Die Kaiserin sprach den Wunsch aus, ihn bald an der Seite der Kronprinzessin wieder- zusehen, der Kaiser fügte dem freundschaftlichen Abschiede hinzu: er hoffe den Prinzen bald im Orient wiederzusehen.
Die herzliche Aufnahme, welche unser Thronerbe in Wien gefunden hat, bestätigt vollauf die Erwartung, daß der Kaiserliche Hof ebenso wie die Regierung unseres Königs Werth darauf legt, die alten freundschaftlichen Bande zwischen den beiden Höfen und Staaten wieder inniger und fester zu knüpfen.
Der Kronprinz ist am Sonntag (10.) in Venedig eingetroffen und dort von der Bevölkerung freudig und festlich begrüßt worden. Von da begiebt sich derselbe nach Brindisi, um die Reise nach dem Orient anzutreten.
Die Kronprinzessin hat sich mit den prinzlichen Kindern am Montag (11.) zunächst nach Darmstadt begeben, um von da in Gemeinschaft mit ihrer erlauchten Schwester Prinzeß Alice von Hessen die Reise nach dem südlichen Frankreich nn= zutreten, woselbst sie besonders zur Stärkung der Gesundheit des Prinzen Heinrich einen mehrmonatlichen Aufenthalt zu nehmen gedenkt.
(Englische Aeußerungen über König Wilhelm.) Bei den letzten Manövers in Pommern und Preußen waren bekanntlich Offiziere fast aller fremden Armeen, darunter auch 25 englische Offiziere, anwesend. Ueber die Aufnahme derselben in Preußen und über die Eindrücke, welche sie bei uns empfangen haben, bringen die englischen Zeitungen jetzt mannigfache nähere Mittheilungen. Aus denselben leuchtet neben der Anerkennung unserer militärischen Einrichtungen besonders eine hohe Bewunderung und Verehrung für unseren König hervor.
Eines jener Blätter äußert sich unter Anderem folgendermaßen:
Die Erfahrung habe dem preußischen Volke gezeigt, daß Wilhelm 1. »jeder Zoll ein König«, weil »jeder Zoll ein Mann« sei; daß es unleugbar keinen populäreren Mann in seinem Lande gebe und daß in dieser Hinsicht nur sein Sohn und Erbe mit ihm wetteifere. Die Preußen aller Schulen seien stolz auf den frisch ausschenden alten
Krieger mit seiner stattlichen Gestalt, mit seinem grauen Knebelbartc, mit seinem stets bereiten Lächeln beim Danquet, mit seiner feurigen Energie in der Schlacht, mit seiner unverdrossenen Ausdauer bei den nachahmenden Kriegsübungen der Manöver. Diese Manöver sind für den König Wilhelm I. kein Spiel mit Soldaten. König Wilhelm I. will, daß Jeder seine Pflicht thue. Er gebt in dieser Hinsicht Allen mit seinem Beispiel voran und gleicht an Munterkeit und Eifer dem jüngsten Offizier. Die preußische Armee verdankt einen großen Theil ihrer Wirksamkeit dem starken und praktischen Interesse, welches der König und die Prinzen an ihrem Soldatenberufc nehmen. Der König stand bereits zur Zeit des Unglücks von Jena in einem Alter, daß er die Größe jenes Unglücks tief empfinden konnte. Dafür erlebte er auch den Einzug in Paris und ein halbes Jahrhundert darauf einen Sieg, der ihm die Thore von Wien öffnete. — Das Blatt hebt darauf hervor, wie sich mit dem kriegerischen Geiste des greisen Königs das liebenswürdigste Herz verbinde,' wie er ebenso gern ein Kind herze, alS einen Kavallerieangriff leite. Das Blatt erzählt, wie der König kleine Mädchen, die sich, um ihn zu sehen, durch die Menge durchgedrängt, zu seinem Helm cmporgeboben und mit seinen »ehrlichen« Knebelbartlippen geküßt habe. Diejenigen müßten blind sein, welche in dem Könige nicht das einfache und doch edle Urbild jener ManneSnatur, wie sie in der deutschen Vorzeit vorkommt, zu erkennen vermöchten, jener Mannesnatur, welche Genialität mit Kraft verbinde und der wahrste Ausdruck innerer Würde sei.
Das Blatt kommt dann auf die deutsche Einheit zu sprechen. Diese habe, Dank dem Könige, den Königlichen Prinzen, dem Grafen Bismarck und dem Kriegs-Minister v. Roon sehr bedeutende Schritte vorwärts gemacht, weil das preußische Volk für Zwecke der Verthei- digung und des Angriffs in eine in sich befriedigte einheitliche Nation zusammengewachsen sei. Vom König herab bis zum gewöhnlichen Arbeitsmann verstehe sich in Preußen Jeder auf die Handhabung der Waffen, weil Jeder durch das Lagerleben gehen müsse, wie durch die Schule. Wenn irgendwo auf Erden das Wort wahr sei: »Die Bayonnette haben zu denken angesangen,« so sei das in Preußen der Fall.
Die frankfurter Ausweisungsangelegenheit hat jetzt auch Seitens des schweizer Bundesrathes einen Abschluß gefunden, wie er nach Lage der Sache zu erwarten war. Der Bundesrath hat das an ihn gerichtete Ansuchen, sich der Ausgewiesenen anzunehmen, im Allgemeinen abgewiesen. Ueber die bezüglichen Verhandlungen theilen die schweizer Blätter Folgendes mit:
»In der Angelegenheit der jungen Frankfurter, welche in der Schweiz Bürgerrecht erworben haben und nun aus Frankfurt aus- gewiesen worden sind, hat es sich herausgestellt, daß in allen 26 Fällen, bezüglich welcher beim Bundesrathe Beschwerde geführt wurde, einen einzigen ausgenommen, nicht die Eltern es sind, welche mit ihren Kindern dem alten Vaterlande den Rücken wenden wollten, weil es seine Selbstständigkeit eingebüßt hat, sondern daß diese Eltern sich keineswegs veranlaßt sahen, irgend Schritte zur Aenderung ihrer Lage zu ihun, und lediglich Söhne im Alter von 5 bis 17 Jahren cinkauften, bei denen von Rücksichten auf politische Ueberzeugung wohl nicht geredet werden kann, vielmehr es sich offenbar nur darum handelt, ohne alle Rücksicht _auf politische Motive die Vortheile zu wahren, welche den Betreffenden der Aufenthalt in Frankfurt bietet, und andererseits den Nachtheilen zu entgehen, welche mit dem Besitze des preußischen Bürgerrechts wie jedes anderen verbunden sind. Ferner aber ist den Betreffenden die für die Erwerbung eines schweizerischen Bürgerrechts nöthige vorgängige Entlassung aus dem bisherigen Staatsverbande ausdrücklich »zum Zwecke der Auswanderung nach der Schweiz« ertheilt worden. Die Entlassenen, resp, ihre Eltern, lvußten somit, daß sie ihren bisherigen Bürgerrechten und Pflichten in der Voraussetzung der wirklichen Verfassung des Vaterlandes entbunden waren. Sie mußten die Möglichkeit voraussehen, daß Preußen darauf bestehen werde, diese Voraussetzung ins Leben treten zu lassen. Fälle, in denen dem Einzelnen die Wohnsitzberechtigung entzogen werden kann, sind in den Niederlassungsverträgen der Schweiz mit dem AuSlande Vorbehalten, und selbst die Bundesverfassung sieht die Bedingungen vor, unter denen die Niederlassung verwirkt wird. Diese Vorbehalte bestehen selbstverständlich auch für die Staaten, welche in Bezug auf den Aufenthalt Fremder nicht durch Vertrag, sondern nur durch die allgemeinen völkerrechtlichen Pflichten gegenüber einem anderen Staate gebunden sind, und die preußische Regierung hat davon gegenüber den Behufs Auswanderung Entlassenen Gebrauch gemacht, und zwar in einer Weise, daß der Bundesrath daran keinen Anlaß zu bezüglichen Reklamationen findet. Er hat demnach auch beschlossen, das an ihn gelangte Gesuch um Verwendung für die Rücknahme der Ausweisungsmaßregel von der Hand zu weisen, ausgenommen in Betreff einer Familie, deren Haupt für sich und alle seine Angehörigen die Entlassung genommen und das neue Bürgerrecht erworben hat. Demgemäß wird der Gesandte in Berlin beauftragt, die Rücknahme der Ausweisungsbefehle lediglich in Bezug auf diejenigen Frankfurter nachzusuchen, welche mit ihren Familien in das Schweizer-Bürgerrecht ausgenommen worden sind.«
Verantwortlich: E. Liedtke in Berlin.
Bettln । fftui mi Bettag der Königlich-» S-h-im-n Ob-r-S°sbuchdru<Irr,i (S. 8. Seiet).