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die durch Arbeiter selbst herbeigeführten Unfälle verantwortlich machen, die Fahrlässigkeit der Bergleute gefördert und leicht die Gefahr erhöht würde, welche man zu bekämpfen wünsche. Gegen die That­sache, daß Klagen wegen Schadenersatz fast gar nicht Vorkommen, wird angeführt, daß auf andere Weise, in Preußen namentlich durch die Knappschaftskassen, für Beschädigte und deren Familien ausreichend gesorgt worden sei. Beachtenswerth ist allerdings, daß z. B. im s-a-r: 1866 die Knappschaftskassen, zu deren Beständen oic Bergmerksbes.«: einen erheblichen Beitrag liefern, einen Betrag von 657,429 ThIr. an Invaliden-, Wittwen- und Waisen-Pensionen verausgabt haben.

Wenn aber in Betreff des Umfangs, welcher den Haftverpflich- tungen der Bergwerksunternehmer zu geben ist, unter den Fawmän- nern noch Meinungsverschiedenheiten bestehen, so herrscht doch volle Uebereinstimmung wenigstens über zwei wichtige Punkte:

1) daß die Haftpflicht durch ein allgemeines Berggesetz zu regeln sei, um der Ungleichmäßigkeit der gesetzlichen Einrichtungen in den ver­schiedenen Theilen des preußischen Staates und des Norddeutschen Bundes ein Ende zu machen, und

2) daß die Verbindlichkeit der Unternehmer mindestens für allen durch ihre Bevollmächtigten und Beamten herbeigeführten ^Schaden unbedingt scstzustcllen sei.

Die Bundesregierung hat, wie schon erwähnt, den Gegenstand ernstlich in die Hand genommen. Auch die einzelnen Bundesstaaten haben vorwiegend die Zweckmäßigkeit einer bundesgesetzlichen Rege­lung anerkannt, und zunächst wird der Justiz-Ausschuß des Bundes­raths nähere Borschläge für eine solche Regelung zu machen haben. Es steht daher zu hoffen, daß die hier in Betracht kommenden Fragen eine Lösung erhalten werden, welche den Interessen der Bctheiligten und den Forderungen der Billigkeit Genüge thut.

Unser König ist von Pommern aus, wo er von allen Seiten der Bevölkerung die innigsten Beweise der Verehrung und Liebe erhalten hat, am 11. nach Königsberg abgereist. An den Orten, wo der Königliche Zug auf der Hinreise anhielt, hatten sich die Stände, die Magistrate, die Geistlichkeit, die Schützengilden, Gewerke und Schulen u.s. w. aufgestellt, um dem Landesherr» ihre ehrfurchtsvollen Huldigungen darzubringen. Die Ankunft Sr. Majestät in Königsberg erfolgte noch am 11. Abends. Die Stadt war glänzend erleuchtet und die Bevölkerung trotz der späten Stunde in überaus großer Anzahl versammelt, um den Monarchen mit freudigstem Zuruf zu begrüßen. Nach des Königs eigenem Ausspruch erinnerte der Jubel des Volkes an den begeisterten Empfang beim Einzüge zur Krönungsfeier.

Die Truppenübungen des 1. Armee.Corps vor dem Könige haben am IBten mit der großen Parade zwischen Heiligenbeil und Schirten begonnen, der sich die Feldübungen der Truppen anschließen. Am Nachmittag fand auf dem Schlöffe in Königsberg ein Festmahl statt, bei welchem Se. Majestät nach der An­sprache des kommandirenden Generals von Manteuffel folgen­den Trinkspruch ausbrachte: „Ich erhebe Mein Glas, um dem ersten Corps Meine Anerkennung für die Art auszusprechen, wie es heute vor Mir erschienen ist. Zugleich trinke Ich aber auch auf das Wohl der Provinz, aus der dieses Corps hervorgegangen ist. Das Armee = Corps und die Provinz haben zu allen Zeiten, in guten und bösen Tagen, Meinem Hause und dem Vater­lande treue Hingebung und Aufopferung bewährt. Diese Treue und Hingebung hat das Corps in jüngstvergangener Zeit auch mit Ausdauer in ernsten Stunden zu paarcii gewußt, und dies giebt Mir Bürgschaft dafür, daß der Geist, welcher einst in Tagen schwerer Prüfung die Provinz in dieser Richtung belebt hat, sich auch wieder bewähren wird, wenn gewichtige Momente an. uns herantreten sollten. Somit trinke Ich auf das Wohl des ersten Armec-Corps und der Provinz, und for­dere Sie aus, auch Ihre Gläser zu leeren, um Ihre Wünsche mit den Meinigen zu vereinen."

Die schöne Feier in Königsberg, bei welcher die patriotische Theilnahme der Bevölkerung sich überall in lebhaftester Weise kundgab, ist leider durch einen schweren Unglücksfall getrübt worden: durch den Bruch des Geländers auf der Brücke des Schloßteichs in Folge starken Andranges wurde ein Theil des darauf befindlichen Publikums in das Wasser hinabgestürzt. Die Zahl der Verunglückten ist noch nicht festgestellt,- doch ist fchon jetzt eine Anzahl von Leichen aufgefunden worden.

Die Königin Augusta ist von Schloß Mainau, nach­dem sie zuvor noch einen kurzen Aufenthalt in der Schweiz genommen hatte, am 10. d. in Baden zur Herbstkur einge­troffen und hat daselbst am 12. den König der Belgier empfangen.

Während des Aufenthalts des Königs in Schloß Pansin, bei Stargard, traf auch der Bundeskanzler Graf Bismarck daselbst ein. Der hohe Staatsmann wohnte im Gefolge Sr. Majestät den Truppenübungen bei und nahm auch an dem zu Ehren des Königs von den Ständen des Saatziger Kreises veranstalteten Festmahl Theil. Nach der Abreise des Körngs von Pansin ist Graf Bismarck wieder auf sein Gut Varzm zurückgekehrt.

Seit einigen Wochen sind über das Befinden deS Kaisers Napoleon III. Nachrichten verbreitet worden, welche in weiten Kreisen Unruhe und Besorgniß erregt haben. Obgleich man von zu­verlässiger Seite wiederholt die Versicherung erhielt, daß der leidende Zustand des französischen Herrschers keineswegs die ernste Bedeutung habe, welche demselben durch unverbürgte Gerüchte zugeschrieben wurde, so fanden letztere doch vielen Glauben. Diese Gerüchte sind jetzt in überzeugendster Weise durch die Thatsache widerlegt, daß der Kaiser wieder öffentlich in der Hauptstadt erschienen ist, täglich Ausfahrten macht und bereits mehrfach Besuche empfängt. Die neuesten Berichte melden, daß die Genesung des Kaisers in erwünschter Weise fortschreitet.

(Urtheile über die preußische Armee.) Ueber die preu­ßische Kavallerie bemerkt der militärische Berichterstatter eines englischen Blattes, welcher den Herbstübungen des 3. Armee • Corps beigewohnt hat: ,Bei Reitern wie Fußtruppen zeigen die Manöver die gleiche Gelassenheit und Ruhe,- Aufregung und Verwirrung werden über­haupt im preußischen Heere sorglich vermieden. Den Offizieren wird ganz besonders eingeschärft, eine ruhige gesammelte Haltung zu be­wahren ,da man mit Recht von der Ansicht ausgeht, daß Unruhe und Hitze bei den Vorgcsctzicu in der Schlacht sich sehr bald bei den Mannschaften wiederspiegeln würde. Nur wenige Worte werden außer den nothwendigen kurzen scharfen Kommandos während der Manöver gesprochen. Vorwurf und Tadel werben dort, wo sie er­forderlich sind, ruhig nach Beendigung der Uebungen des Tages er­theilt und mit besonderer Sorgfalt wird darauf gesehen, daß Befehle und Weisungen von den höhcrn an die ihnen unterstehenden verantwortlichen Befehlshaber, nicht aber direkt an Personen gelangen, welche kleine Abtheilungen komman- diren. So weiß jeder Führer vollkommen, was von ihm erwartet wird, und Alle arbeiten ruhig und gesammelt dem gemeinsamen Ziel entgegen. Auf diese Weise ist es auch dazu gekommen, daß bei der preußischen Kavallerie bei viel geringerer Hast beträchtlich größere Ge­schwindigkeit erzielt wird, als bei den Reitern anderer Nationen. Die Kommandoworte sind ebenfalls kürzer und schärfer als in anderen Heeren, und die langatmigen Befehle, von denen das englische Re­glement überströmt, sind hier unbekannt.

Sieht man auf die beendeten Manöver zurück, so bleibt am leb­haftesten der Eindruck, welchen die ausgezeichnete Kavallerie auf den fremden Besucher macht. Die Intelligenz der Offiziere, die vom ersten bis zum letzten eine vollkommene Schule in den Dingen besitzen, die der Reiteroffizier wissen muß, die Schnelligkeit, mit der sie sich in dem Terrain zurechtfinden, die gewandte Beurtheilung der Ver­hältnisse, die zu raschem Entschluß und schleuniger Ausführung leiten, alles giebt Veranlassung zu eingehender Beobachtung und Er- wägung. Dabei ist das Reiten der Mannschaften bemcrkenswerth gut, was auch von der Art und Weise gilt, wie der Vorpostendienst betrieben wird und darin Meldungen erstattet werden. Es giebt nur wenige Offiziere in England, die eine klare Einsicht darüber haben, wie tüchtig die preußische Kavallerie in der That ist.«

(Rinderpest.) Die Berichte über den Stand der Rin­derpest lauten aus allen betroffenen Landestheilen über­einstimmend günstig und lassen keinen Zweifel darüber, daß dieSeuche im preußischenStaatsgebietc als erloschen zu betrachten ist.

Im Regierungsbezirk Frankfurt ist die Pest auch im Dorfe Zicher, wo noch der jüngste Erkrankungsfall vorgekommen war, er­loschen, und der Ort konnte vom 13. dieses Monats an für seuchenfrei erklärt werden. Der ganze Regierungsbezirk Frankfurt ist daher wie­der dem Verkehr frei gegeben.

Auch das Gesammtgebiet der Provinz Preußen ist völlig pcst- frei, da seit dem 20. v. M. kein verdächtiger Erkrankungsfall eingetre­ten ist. In Folge dessen sind die erforderlichen Anordnungen getrof­fen, um die ganze Linie der Ostbahn ungesäumt wieder für den Vieh­transport freizugeben. t

Den umsichtigen und nachdrücklichen Vorkehrungen der Behörden ist es zu danken, daß die Seuche nicht eine weitere Ausbreitung er­langt hat und so schleunig getilgt worden ist. Wenn aber fortan im Innern die Sperrmaßregeln in Wegfall kommen, so ist es doch uner­läßlich, die Abschließung der Grenzen gegen Polen und Rußland auf­recht zu erhalten, weil auf dortigem Gebiete noch immer neue Er­krankungsfälle vorkommen.

Verantwortlich: £ Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und '-rrlaz der Königlichen Geheimen Lber-.Z»fbu4bruckerei (N. Ik Decker).