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und Preußen sich bis jetzt noch immer nicht so freundlich ge- Jtaltct haben, wie es zum Wohl beider Staaten wünschenswerth st. Indessen auch in Oesterreich muß der Zug der allgemeinen Lage und die Gewalt der inneren Bedürfnisse schließlich den Sieg über die widerstrebenden Neigüngen davon tragen. Eine Regierung, welche Schwierigkeiten ohne Zahl im Innern zu bewältigen, namentlich mit den Wirkungen anhal­tender Finanzzerrüttung und mit den weit auseinandergehenden Bestrebungen eines vielgliedrigen Staatskörpers zu kämpfen hat, kann sich nicht auf die Dauer den Schwankungen einer Politik hingeben, welche stets die Gefahren verhängnißvoller Verwicklungen im Schooße trägt. Noch jüngst haben die hervorragendsten Parteiführer in den Delegationen beider Reichshälften sich unumwunden dahin aus­gesprochen, daß Oesterreichs Gedeihen an die Her­stellung eines Freundschaftsverhältnisses mit Deutschland ge­knüpft sei. Die österreichische Regierung findet sich daher durch die öffentliche Meinung des eigenen Landes gedrängt, die na­tionale Neugestaltung Deutschlands ohne Rückhalt anzuerken- nen, wie sie bereits gegenüber Frankreich und Italien sich mit den vollendeten Thatsachen befreundet hat.

Was endlich die Politik Preußens betrifft, so hat sie über den Ernst ihrer friedlichen Absichten nach allen Seiten hin keinem Zweifel Raum gelassen. Durch seine Handlungen, wie durch seine Kundgebungen hat das berliner Kabinet die Ver­dächtigungen entkräftet, als arbeite Preußen darauf hin, durch Angriff auf die Nachbarländer oder durch gewaltsamen Druck auf seine deutschen Bundesgenossen einen Zuwachs an Macht und Gebiet zu erlangen. Die preußische Regierung hat sich vor­zugsweise den wichtigen und schwierigen Aufgaben zugewandt, welche die innere Entwickelung des engeren und weiteren Vater­landes an sie stellt/ sie hat durch ihre versöhnliche Haltung jedes Zerwürfniß mit den Nachbarmächten fernzuhalten gesucht / sie hat im Besonderen nach der Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Oesterreich, welche in dem Präger Frieden ihren Abschluß gefunden, für ein Freundschaftsverhältniß mit der österreichisch- ungarischen Monarchie stets die besten Wünsche gehabt und noch jüngst in einer nach Wien gerichteten Depesche die Ueber­zeugung ausgesprochen, daß die Völker beiderseits von dem Ver­langen nach einem friedlichen und freundschaftlichen Verkehr be­seelt seien.

Offen und bestimmt hat auch KönistWilhelm in den feierlichen Ansprachen an die Vertreter des deutschen Volkes dem Gedanken Ausdruck verliehen, daß Deutschland für die Ordnung seiner inneren Verhältnisse selbst der Segnungen des Friedens bedürfe und das Werk seiner Neugestaltung als eine Bürgschaft für den Weltfrieden hinzustellen habe.

Wenn die Regierungen der großen Staaten sich mit dem Geiste dieser Erklärung in Uebereinstimmung setzen, dann ist der Friede Europa's auf die Dauer gesichert.

(Bundesfestungs-LiquidKtron ) Auf Grund der von der Bundes-Liquidations-Kommission in München gepflogenen Verhandlungen ist unter dem 6. Juli d. I. zwischen dem Nord­deutschen Bunde und den süddeutschen Regierungen über die künftige Behandlung des gemeinschaftlichen beweglichen Eigen­thums in den ehemaligen deutschen Bundesfestungen Mainz, Ulm, Rastatt und Landau eine Verständigung erfolgt, welche nunmehr' die allseitige Genehmigung der betheiligten Re­gierungen erhalten hat. In Gemäßheit dieser Verständigung bleibt das Material der genannten Festungen, wie bisher, im gemeinschaftlichen Eigenthum der betheiligten Staaten und wird als solches im allgemeinen Interesse Deutschlands erhalten. Hiernach darf das getroffene Abkommen als ein neues erfreu­liches Zeichen der allseitigen Bethätigung des nationalen Sinnes begrüßt werden.

Unser König hat Coblenz, wo bekanntlich die Königin August« noch weilt, nach einem zweitägigen Aufenthalt ver­lassen und sich von dort am 11. nach Wiesbaden begeben. Bei der Ankunft in Wiesbaden wurde der Monarch von der Bevölkerung aufs Freudigste und Herzlichste empfangen. Es hatte sich am Bahnhöfe eine große Volksmenge einge­

funden, die dem Landesherrn mit stürmischen und begeisterten Zurufen begrüßte/ die Stadt war festlich geschmückt und Abends fand eine prächtige Beleuchtung des Kurhauses, der Hallen und der dazwischen liegenden Bassins und Fontainen statt. Am 14ten hatte Se. Majestät Wiesbaden wieder verlassen und sich über Frankfurt, wo nur ein kurzer Aufenthalt statt hatte, nach Homburg begeben. Auch dort war, wie in Wiesbaden, eine sehr große Volksmenge am Bahnhof versammelt, die den Monarchen mit lebhaftem und anhaltendem Jubel begrüßte. Der König wird voraussichtlich in Homburg noch einige Tage verweilen und dann die Reise nach Berlin in der früher an­gegebenen Weise fortsetzen.

Der Kronprinz und die Kronprinzessin sind am 12. von Norderney nach Potsdam zurückgekehrt, nachdem die Kinder des erlauchten Paares bereits am Tage vorher daselbst eingetroffen waren. Außer Wilhelmshaven haben Ihre König­lichen Hoheiten auch noch Bremen und Hildesheim auf der Rück­reise besucht. Am 15. hat sich der Kronprinz nach Pommern begeben, um die Truppen des 2. Armee-Corps zu besichtigen.

(Erute-NkKÄrrichren.) Seit dem Eintreten nasser und kühler Witterung sind aus den östlichen Provinzen des Landes einige Mittheilungen in die Oeffentlichkeit gelangt, welche von Umsichgreifen der Kartoffelkrankheit und von drohendster Gefahr für das Gesammtergebniß der Kartoffelernte sprechen. Nach zuverlässigen Ermittelungen erscheint eine solche Darstel­lung durchaus einseitig, und die daran geknüpften Besorgnisse sind zur Zeit unbegründet. Aus einigen Kreisen in den öst­lichen Landestheilen wird allerdings gemeldet daß auf einzelnen Punkten Spuren der bekannten Kartoffelkrankheit hervortre­ten/ doch ist der Stand der Frucht im Allgemeinen günstig und hält die Hoffnung auf einen guten Ausfall der Ernte bis jetzt völlig aufrecht.

(Rinderpest.) In jüngster Zeit ist die Rinderpest aus mehreren Punkten des preußischen Staatsgebietes zum Ausbruch gekommen und hat eingreifende Maßregeln zur Abwehr einer weiteren Verbrei­tung nothwendig gemacht.

Die Seuche war zunächst in die Provinz Preußen durch einen Viehhändler eingeschteppr worden, welcher 36 Ochsen im Königreich Polen eingekauft und bei Kagrau über die diesseitige Grenze einge­bracht hat. Dann wurden die Ochsen durch Neidenburg, Gilgenburg, Löbau, Deutsch-Eylau und Christburg nach Tiefensee getrieben, und der Händler verkaufte schon unterwegs 24 Stück derselben, welche den Krankheitsstoff weiter in die Provinz verbreiteten.

Der erste Ausbruch der Seuche wurde in dieser Provinz zuerst am 10. dieses Monats in Lübenau, Kreis Rosenberg, beobachtet/ bald darauf kam sie jedoch auch auf mehreren anderen Punkten zum Vorschein, durch welche der erwähnte Viehhändler die Ochsen getrieben hatte. Von Seiten der Behörden wurden ungesäumt die gesetzlich vorge- schriebenen Anordnungen getroffen, um die heimgesuchten Ortschaf­ten abzusperren und eine schleunige Vernichtung der Krank- Heitsheerde zu bewirken. Auf Grund dieser Anordnungen waren ungefähr sechshundert Haupt Rindvieh sofort getödtet worden. Von den 12 Ochsen, welche nach Tiefensee gekommen, waren am 19. vorigen Monats auf dem Viehmarkt in Mühlhausen, Kreis Mohrungen, 8 Stück an märkische Händler verkauft worden. Die Letzteren haben diese 8 Ochsen mit 17 andern nach Vietz in der Neu- mark geführt und dieselben von dort aus an mehrere größere und kleinere Grundbesitzer im Oder- und Warthebruch verkauft. Darauf kam die Seuche am 5. dieses Monats in mehreren Ortschaften zum Ausbruch. Auch von den dortigen Behörden sind die Abspcrrungs- nnb Tilgungs-Maßregeln sofort in nachdrücklichster Weise cingeordnct worden. Es wurden ungefähr 250 Haupt Rindvieh getödtet.

Innerhalb der Seuchenbezirke aller betroffenen Landestheile ist die Abhaltung von Viehmärkten, so wie der Transport von Rindvieh und der Verkehr mit giftfangenden Sachen streng verboten/ der Trans­port von Rindvieh, Schafen und Ziegen auf den bezüglichen Eisen­bahnlinien ist eingestellt, und die Desinfizirung der berührten Eisen­bahnwagen vorgenommen worden.

In Folge dieser nachdrücklichen Maßregeln ist begründete Hoffnung vorhanden, daß es gelingen wirb, die Seuche in ihren ersten Ursprungs- hcerden zu ersticken. Inzwischen ist die Regierung zu Frankfurt a. O. auch schon wieder in der Lage gewesen, einige Verkehrserleichterungen zu gestatten.

Unser König hat in landesväterlicher Fürsorge sich über die Ent­stehung und Verbreitung der Seuche wiederholentlich Bericht erstatten lassen.

Verantwortlich.- L. Liedtte in Berlin.

Berlin, Druck und SS erlag dir Königlichen Geheim« Oi-r.Hosbuchbruck-rei (R. ». Decker).