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der jüngsten »Provtnzial - Correspond enz« bekämpft wurde, fällt einzig und allein der liberalen Presse zur Last.

Es ist kaum nöthig hinzuzufügen, daß die Regierung den Augenblick freudig begrüßen würde, wo sie wirklich eine durchgreifende Wiederherstellung unserer Finanz­lage zu verkünden vermöchte.

Die Regierung hat zu keiner Zeit verhehlt, wie schwer sie sich dazu entschließt, eine Mehrbelastung des Volkes zumal an direkten Steuern zu beantragen.. Um so mehr darf man vertrauen, daß sie jede sich darbie- tende Möglichkeit benutzen werde, um die Anforderun­gen an das Land auf das möglich niedrige Maaß zurück- zuführen.

Die der Regierung nahe stehenden Blätter haben des­halb jede Besserung der Finanzlage, jede Aussicht auf eine Verringerung des Bedürfnisses in jüngster Seit unverweilt und unumwunden verkündet, aber sie haben es unterlassen, daran unberechtigte Erwartungen auf eine gänzliche Beseitigung aller Finanzschwierigkeiten zu knüpfen, um nicht ihrerseits sp ätere Enttäuschu ngen mit zu verschulden.

Politische Uebersicht.

Unser König wird voraussichtlich noch bis in die zweite Hälfte nächster Woche in Bad Ems verweilen, und dann mehrere Tage in Wiesbaden und in Homburg residiren.

Der König wird demnächst den Herbstübungen mehrerer Armee-Corps der Norddeutschen Bundes-Armee beiwohnen. Manö­ver im ganzen Corps finden beim III. (Brandenburgiscken) Armee- Corps in den Tagen vom 27. bis 31. August in der Gegend von Müncheberg, beim II. (Pommerschen)Armee-Corps vom I. bis II. Sep­tember in der Gegend von Stargard, beim I. (Preußischen) Sirmee- Corps vom 10. bis 18. September bei Heiligenbeil und Braunsberg statt. Bei den übrigen Armee-Corps werden nur Manöver der ein­zelnen Divisionen abgehalten. Beim Garde-Corps findet eine grobe Parade am 30. August bei Berlin, beim II. Corps am 6. September bei Stargard, beim I. Corps am 13. September bei Heiligenbeil und Braunsberg vor Sr. Majestät statt.

Unmittelbar nach der Rückkehr der einzelnen Trupventbeile in ihre Garnisonen wird überall die Entlastung der Reserven statt- finden.

Nach Beendigung der Herbstübungen gedenkt der König sich noch auf einige Zeit nach Baden-Baden zu begehen, um dort vermuth­lich bis Ende September mit seiner erlauchten Gemahlin zu verweilen.

Das Norddeutsche Panzergeschwader, bestehend aus den drei großen Panzerfregatten »König Wilhelm«, »Kronprinz« und »Friedrich Karl« wird unter dem Befehl des Vize-Admirals Fachmann und unter Theilnahme des Prinzen Friedrich Karl in den nächsten Tagen den Hafen von Kiel verlassen, um eine llcbungsfahrt nach unserm Kriegshafen in der Jade Wilhelms­hafen zu machen.

Die Bundes-Liquidations-Kommission, welche seit längerer Seit in München vereinigt war, um eine Verständigung zwischen dem orddeutschen Bunde und den süddeutschen Regierungen über das be­wegliche Eigenthum in den früheren BundesfeMigcn ju erzielen, ist jetzt zu einer allseitig befriedigenden Vereinbarung gelangt, deren Ratifikation (Bestätigung) Seitens aller betheiligten Regierungen un­verweilt in Aussicht zu nehmen ist.

Die Ernteberichte lauten aus fast allen Provinzen fort und fort günstig: die wanne Witterung der letzten Wochen bat die Hoff­nungen auch da, wo sie vorher gesunken waren, neu belebt und gesteigert.

Auch aus Ostpreußen liegen erfreuliche Nachrichten über die Ernteaussichten vor. Ein Bericht von dort (vom Ende Juli) lautet:

Das vergangene Frühjahr ist, obwohl die dem vorzeitigen Ein­treten hoher Temperatur folgenden Nachtfröste und längere Dürre nicht unerhebliche Nachtheile berbeifübrten, doch im Ganzen, besonders durch den Einfluß der spätern feuchten Witterung, der Vege­tation überaus günstig gewesen. Es sind zwar dadurch die Schäden, welche der Winter dem Rübsen, den Kleefeldern und dem Roggen zugefügt hatte, nickt ausgeglichen, daher der (ohnehin durch Insekten verkümmerte) Rübsen einen geringen Ertrag gegeben hat, der erste Kleeschnitt schwach gewesen ist und der Roggen im Ganzen nur mittelmäßig lohnend zu werden verspricht,' dagegen hat sich der Weizen in seltener Fülle entwickelt und die Sommersaaten haben, sowie die Kartoffeln, Futterkräuter und alles Gemüse, bisher vortreffliches Gedeihen gehabt. Sollte die jetzt eingerretene trockene

und warme Sommerwitterung von Bestand sein, dann würde bk Gcsammternte eine recht gesegnete werden

Der Einschnitt von Feld- und Flußwiesen ist im Ganzen ergie­big gewesen und gut eingebracht,' dagegen hatte der Graswuchs auf den weiten Haff - Wiesen in Folge von Nachtfrösten gelitten und es kann daher dort erst auf die Nachmaht gerechnet werden.

Die Besorgniß, daß wegen Mangels an Saat die Frühjahrs-Bestellung auf vielen Aeckern werde haben unterbleiben müssen, hat sich nach sorgfältigen Nach­forschungen als unbegründet erwiesen, vielmehr er- giebt sich, daß in dieser Beziehung die Landwirthschaft in diesem Bezirke wieder zu dem frühern normalen Zu­stande gelangt ist.

Der österreichische Reichskanzler Graf von Beust hat jüngst in einem sogenannten Rothbucke eine große Anzahl von De- besehen veröffentlicht, welche an und für sich ohne erheblichere poli­tische Bedeutung sind, jedoch durch ein gewisses Hinweggehen über Hergebrachte politische Rücksichten aber vielfach unliebsame Erörterungen veranlaßt haben. Da in einer dieser Depeschen, welche Graf Beust nach Sachsen gerichtet hat, die Absicht zu Grunde zu lie­gen scheint, eine Kritik gegen angebliche Mittheilungen Preu­ßens an den sächsischen Minister zu richten, so hat die preu­ßische Regierung sich zu der Andeutung bewogen gefunden, daß sie die Berechtigung einer solchen Kritik schon aus allgemeinen national-politischen Gründen abweisen müsse, indem die diesseitigen Mittheilungen an deutsche Regierungen sich jeder Kontrolle auswärtiger Kabinette entziehen und in noch höherem Grade vermöge der Soli­darität (Einheitlichkeit) der Norddeutschen Bundes- Diplomatie diejenigen Mittheilungen, die von hier nach Dresden gerichtet werden.

In Frankreich ist am 2. August der Senat (die erste Kammer) zusammengetreten, welcher der Verfassung gemäß über die von dem Kaiser beabsichtigten Veränderungen der öffentlichen Einrichtungen zu- näckst Beschluß zu fassen hat. Der Präsident Rouher hielt zur Eröffnung der Sitzungen eine Sinrebe an den Senat, in welcher er sagte: Der Senat sei versammelt, um wichtige Abänderungen der Verfassung des Kaiserreiches zu prüfen, welche durch ein erfreuliches Entgegenkommen zwischen der Regierung und dem gesetzgebenden Körper herbeigetührt seien. Der Kaiser, welcher die Bewe­gung der öffentlichen Meinung aufmerksam verfolge, habe aus freien Stücke» nach und nach seine selbstständige Alleinherrschaft in eine freiheitliche Regierung umgewandelt, und schreite jetzt dazu, ein noch vollkommeneres Gleichgewicht zwischen den öffentlichen Gewalten, eine bessere Verwesung ihrer Rechte und Befugnisse herzustellen. Nach einem Worte des Kaisers selbst sei das Kaiserthum populär genuep um sich mit der Freiheit zu verbinden, und stark genug, um die Frer- Heit vor der Anarchie zu schützen. Es gelte jetzt, zwischen den öffent­lichen Gewöllen eine aufrichtigere Eintracht und eine fruchtbarere Ge­meinschaft herzustellen und den Kaiserlichen Einrichtungen größeren Glanz, größere Kraft und Popularität zu verleihen.

Die Vorlage, welche dem Senat gemacht worden, enthält fol­gende Hauptpunkte:

Der Kaiser und der gesetzgebende Körper haben das Recht, Gesetze vorzuschlagen. Die Minister sind nur vom Kaiser abhängig und halten ihre Berathungen unter seinem Vorsitz. Die^ Minister sind verant­wortlich, können jedoch nur durch d en Sena t in Anklagezustand versetzt werden. Die Minister können fortan sowohl Senatoren wie Deputirte sein, und haben das Reckt, den Sitzungen sowohl des Senats wie des gesetzgebenden Körpers beizuwohnen.

Der Senat kann die Veränderungen andeuten, welche bei einem Gesetz als zulässig erscheinen; er kann ferner beschließen, daß eine Gesetzes- vorlage zu erneuter Berathung an den gesetzgebenden Körper zurück- verwiesen wird,' es steht dem Senat außerdem zu, sich gegen die Ver­öffentlichung eines Gesetzes auszusprechen. — Der gesetzgebende Körper regelt seine innere Geschäftsordnung selbstftänbig; derselbe erwählt für jede Session seinen Präsidenten, Vizepräsidenten, sowie die Sekretäre. Der Senat und der gesetzgebende Körper haben das Recht, die Regierung zu intcrpelliren. Kein Abänderungsantrag kann zur Berathung gestellt werden, wenn derselbe nicht vorher an eine Kommission verwiesen und der Regierung mitgetheilt war. Das Budget und alle Ausgaben werden (fortan nicht mehr in ganzen Gruppen fonbern) kap'telweis berathen. Alle Abänderungen, welche von jetzt ob bei Zolltarifen und internationalen Verträgen ge­macht werden, bedürfen der Genehmigung des gesetzgebenden Körpers.

Es ist nickt zu verkennen, daß in dieser Vorlage sehr erhebliche und werthvolle Erweiterungen der bisherigen Befugnisse der französischen Volksvertretung enthalten sind, und daß für die französische Nation damit ein neuer wichtiger Abschnitt der inneren Entwickelung be­ginnt.

Vrrnntworttich: T. Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheime» Ober-Hofbuchdruckerei (N. v. Decker).