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deren Schwierigkeiten verknüpft ist, wird nach der Rückkehr des Finanz-Ministers gegen Mitte August den Gegenstand weiterer Be­rathung im Staals-Ministerium bilden.Ferner sollen dicVorlagen über die Fortbildung unserer korporativen Einrichtun­gen in Gemeinde, Kreis und Provinz, welche auf Grund der mit Vertrauensmännern aus beiden Häusern des Landtages gepflogenen Borberathungen ausgearbeitet werden, ebenso wie das Unterrichtsgesetz demnächst Behufs baldiger Einbringung im Landtage festgestcllt werden. Im Bereiche der Iustizpflege werden die Arbeiten für eine umfassende Neu­gestaltung der Gesetzgebung eifrig fortgesetzt und wichtige Ent­würfe theils zur Berathung des Landtags, theils für ben Reichstag des Norddeutschen Bundes vorbereitet.

In der Provinz Schleswig-Holstein hat das Auftreten des früheren Abgeordneten Thömsen - Oldensworth, welcher mit großer Offenheit und Entschiedenheit den Klagen gegen all- zugroßen Steuerdruck, sowie der ungerechten Beurtheilung der neuen Verhältnisse überhaupt, entgegengetreten ist, unverkenn­bar einen großen Eindruck gemacht und einen Wendepunkt in der bisherigen widernatürlichen Parteistellung herbeigeführt.

Auch anderweitig befestigt sich in den neuen Provin­zen überall das Bewußtsein der dauernden und unwiderruf­lichen Zusammengehörigkeit mit dem preußischen Staatsver- bande/ die trügerischen Hoffnungen, welche hier und da auf eine Wiederkehr früherer Zustände gehegt wurden, machen mehr und mehr einer unbefangenen Würdigung der thatsächlichen Verhältnisse Platz.

Die vorläufigen Erntenackrichten lauten im Allge­meinen sehr günstig. Wenn auch die großen Hoffnungen, welche die frühe Entwickelung der Saaten im Monat April er­regt hatte, durch die kalte Witterung im Mai und Juni vielfach getäuscht wurden, so hat doch schon die wärmere Tem­peratur gegen Ende Juni Vieles wieder gut gemacht und vollends sind durch die Witterung des Juli die günstigen Hoffnungen neu belebt und ' theilweise schon erfüllt worden. Der Ertrag des ersten Heuschnittes und des Klees ist allerdings durch jene Witterungsverhältnisse vielfach beeinträchtigt worden, auch das Baumobst hat gelitten, — dagegen stehen Roggen, Weizen und Kartoffeln im bei Weitein größten Theile der Monarchie gut, vielfach vor­trefflich, — und die Ernte ist zwar tbeilweise verzögert, aber nicht wesentlich beschädigt. 5m Großen und Ganzen ist vom Roggen eine gute Mittelernte, vom Weizen eine sehr gute Mittel­ernte, von Hafer und Gerste eine Mittelernte zu erwarten. Die nach und nach eingehenden Nachrichten scheinen immer noch günstigere Ergebnisse zu bringen. Aus einzelnen Landestheilen wird berichtet, daß man sich seit 30 Jahren eines so guten Standes der Feldfrüchte nicht erinnere.

5» Frankreich ist in der neuesten Entwickelung augen­blicklich ein Stillstand eingetreten: die von dem Kaiser beab­sichtigten Veränderungen der Verfassung müssen zunächst von dem Senat berathen werden, welcher" zu diesem Zwecke auf den 2. August berufen ist. Die Sitzungen des gesetzgebenden Körpers sind inzwischen vertagst und es scheint, daß dieselben vor dem Oktober nicht wieder eröffnet werden sollen. Die Op­positionsparteien beabsichtigten, eine gemeinsame öffentliche Ver­wahrung gegen die Beschlüsse des Kaisers einzulegen, doch haben ihre Berathungen zu keiner Verständigung geführt.

Der österreichische Reichskanzler Graf Deust hat so eben in der Budgetkommission der ungarischen Delegation einige Erklärungen gegeben, in welchen er die auswärtige Politik Oesterreichs als eine Politik des Friedens nach allen Seiten hin bezeichnete, und auch in Betreff der Beziehungen zu Preu­ßen versicherte, daß er stets bemüht sei, innigere Beziehungen hcr- beizuführen, dies sei aber bisher nicht gelungen, da Preußen die­sen Bestrebungen nicht entgegenkomme. —' Diese Aeußerung des Reichskanzlers ist im hohen Grade befremdlich, da kein Schritt, keine Aeußerung von österreichischer Seite bekannt geworden sind, welche irgendwie auf ein Bemühen zur Herstellung innigerer Beziehungen zu Preußen hätten gedeutet werden können, wogegen wiederholt amtliche Veröffentlichungen von der österreichischen Regierung ausgegangen sind, welche mit einem derartigen Bemühen im Widersprüche zu stehen schienen. Die preußische Regierung dagegen hat sich auch solchen Kundgebungen gegenüber jeder Aeußerung enthalten, durch welche die Beziehungen

zu Oesterreich hätten beeinträchtigt werden können. Die Er­klärung des Grafen Beust ist daher keineswegs geeignet, das Verhalten und die Beziehungen der beiderseitigen Regierungen in dem richtigen Lichte erscheinen zu lassen. Einem offenen und ernsten Bemühen zu freundschaftlichen Beziehungen würde das Entgegenkommen Preußens gewiß nicht fehlen.

Ueber die gewerblichen Verhältnisse im Regierungs­bezirk Düsseldorf,

wird Folgendes berichtet:

»Der ungewöhnlich lebhafte Betrieb aller Eisenwerke in den Kreisen Essen und Duisburg bat sich immer mehr gesteigert. Die Produktions- und Absatzverhältnisse im Gebiete der Steinkohlen- Industrie sind fortwährend günstig.

Zur Anlegung im Bergbau fließt daher viel ausländisches Kapital dahin und hat noch jüngst eine französische Aktiengesellschaft (Societe anonyme de charbonages du Nord, welche in Paris domizilirt) eine Zeche Nordstern zu 6000 Thlr. pro Kuxe oder überhaupt 768,000 Thlr. angekauft.

Durch den Üinfdlug der Zechen an verschiedene Eisenbahnen wird der Absatz immer mehr begünstigt, dagegen ist der seit mehreren Jahren schon in Rückschritt begriffene Kohlenabsatz der Ruhrdebit- Zechen im verlaufenen Quartale wegen des andauernden seichten Wasserstandes der Ruhr noch ungünstiger geworden, weshalb bereits einige Zechen die Einstellung ihrer Förderung bis zur Vollendung der Ruhrthal-Eisenbahn, welche Ende 1870 bevorsteht, beschlossen haben.

In den Crefelder Seidenfabriken herrscht große Thätigkeit, beson­ders in den Stofffabriken, die sogar zeitweise nicht so viele Arbeiter finden können, als sie zur Ausführung ihrer Bestellungen nöthig haben. Der Umsatz im Seidenhandel ist dagegen unbedeutend ge­wesen, da man abwartend auf die Berichte von den Produktionsarten harrt. Letztere lauten bisher aus Frankreich und Italien noch günstig und nach rid$nd)ten aus Japan erwartet man auch dort eine gute Seidenernte.

In Elberfeld und Barmen findet sich Fabrikation und Handel in fortgesetztem schwunghaftem Betriebe. Jeder Arbeitsfähige fand reichliche Gelegenheit zur Arbeit und noch immer werden Arbeits­kräfte gesucht.

Die Woll-Industrie im Kreise Lennep hat den normalen Stand noch nicht wieder erreicht. Der Absatz nach den außereuropäischen Märkten hin ist noch immer ein beschränkter, die Preise sind gedrückt, und die Fabrikation sowohl in Ansehung der Tuchfabriken, als Spinnereien unb Färbereien in ihrer Entwickelung und ihrem natür­lichen Gange behindert. Im Wollhandel haben im letzten Monate die Märkte für das inländische Produkt Preisreduktionen zu Tage ge­bracht, welche alle Erwartungen übenrafcn. Doch glaubt man endlich an der Untergrenze der Preisrückschläge angelangt zu sein, auf eine steigende Konjunktur hoffen zu können und für das Geschäft wieder einen gesunden Boden gewonnen zu haben.

Auch im Kreise Lennep haben die Fortschritte in der Eisenindustrie in recht erfreulicher Weise zugenommen. Sieht man von einzelnen Län­dern, wie Spanien, Italien, Nordamerika, Argentinien und Brasilien ab, wo die politischen Zustände oder hohen Zölle den Absatz hemmen, so darf man sagen, daß die Eisenindustrie wieder einen blühenden Stand behauptet. Besonders in dem Haupt-Absatzgebiete — dem Zollverein— ist das Geschäft ein recht lebhaftes, namentlich für Feilen und Sägen, die Hauptartikel der bergischen Eisenfabrikation. — Die Bandwirkerci erfreut sich ebenfalls eines recht lebhaften Betriebes.

In dem Kreise Solingen ist in den meisten Branchen der Eisen- und Textil-Industrie der Geschäftsbetrieb ziemlich befriedigend. Die Schneidewaaren-Fabrikation gewährt den Arbeitern ausreichende Beschäftigung. — Die Regen- und Sonnenschirm - Garniturfabriken erfreuen sich eines sehr flotten Betriebes und bieten den Arbeitern be­sonders reichlichen Verdienst. Ebenso haben die Plüsch- und Lastings- weber, sowie die Strumpfwirker lohnende Beschäftigung. Richt ganz befriedigend ist der Betrieb der Streichgarnspinnereien, dagegen hat sich die Fabrikation der Streich-Feuerzeuge in neuer Zeit recht gehoben.

Ein Bild von der Entwickelung der Industrie im Regierungsbe­zirke giebt eine Zusammenstellung der am Schlüsse des vergangenen Jahres vorhandenen Dampfkessel. Es waren im Gebrauch:

In Etablisse­ments.

Dampf­kessel.

Mit Pferde­kraft.

Für Bergbau...........................

54

352

18,789

Für Eisen-Industrie.....................

190

747

31,464

Für Textil-Industrie....................

416

683

22,279

Für chemische Fabrikate inkl. Färberei- Präparate............................

26

47

1,070

Für Getreide-Dampfmühlen...........

148

163

4,349

Für Papierfabriken.....................

17

38

1,505

Für Buchdrucker........................

9

11

110

5,810

Für sonstige Industriezwecke............

192

252

lleberhaupt..

1,052

2,293

85,376

Lnmtw°rtUch, e. Li-dtli in B-rlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdrrickerei (R. p. Decker).