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Ueber die Verbesserung -er Elementarlehrer- Besoldungen ist Sr. Majestät dem Könige vom Minister der geistlichen und Unterrichts - Angelegenheiten ein Bericht er­stattet worden, welcher über die von Seiten der Regierung diesem Gegenstände gewidmete unablässige Fürsorge Auskunft giebt. Es heißt in dem Berichte:

»Es ist auch seit die Hand an die Musarbeitung neuer, eine gründlichere Abhülfe beabsichtigender Gesetzentwürfe gelegt worden, nicht nur keinen Augenblick der Auffassung Raum gegeben worden, daß nun das seit dem Jahre 1852 begonnene und aller Schwierig­keiten ungeachtet fortgeführte Werk der Verbesserung unzulänglicher Lehrerbesoldungen einstweilen ruhen dürfe, sondern es ist schon im Jahre 1866 darauf Bedacht genommen worden, zu schnellerer Förde­rung dieses Werkes für die damals in Betracht kommenden acht Pro­vinzen des Staates ein größeres Dispositionsquantum in den Staats-. haushalts-Etat des nächsten Jahres aufzunehmen, und nachdem das­selbe zum Betrage von 165,000 Thlr. als dauernde Mehrausgabe bewilligt war, ist neben den auf eine bessere Gesetzgebung gerichteten Arbeiten gleichzeitig durch eine allgemeine Verfügung vom 7ten Februar 1867 den Regierungen der betheiligten Provinzen ein erneuter, kräftigerer Anstoß zu weiterem praktischem Vor­gehen gegeben worden........... Aus den hierauf eingegangenen Berichten und Nachmessungen ergab sich zwar, daß die 165,000 Thlr. nicht zureichten, um allen als berechtigt anzuerkennenden An­forderungen Genüge zu leisten, und es konnten deshalb nirgends die zu deren Befriedigung erforderlichen Beträge unverkürzt überwiesen werden. Immerhin aber unterlag eS keinem Zweifel, daß auf dem cin- geschlagenen Wege dem Ziele näher zu kommen war, und so wurden die Regierungen im August 1867 bei Ucberweisung der für die einzelnen Bezirke angemessen bestimmten Antheile an den 165,000 Thlr. beauf­tragt, nunmehr für die Aufbesserung aller unzulänglichen Elementar- lehrer-Besoldungen schleunig und nachdrücklich zu sorgen, die unver­mögenden Gemeinden, so weit als nöthig und möglich, mit den überwiesenen Mitteln hierbei zu unterstützen, die vermögenden aber zu entsprechenden eigenen Mehrleistungen aufzufordern und nöthigenfalls bei unbegründet befundenem Widersprüche anzuhalten. Die Regierungen und deren Organe haben sich dieser umfassenden und vielfach sehr schwierigen Aufgabe mit Eifer und Hingebung unterzogen, und der vorläufige Abschluß, den jetzt im Großen und Ganzen ihre angestrengte Thätigkeit nach dieser Richtung hin gefunden, gestattet einen erfreu- lieben Ueberblick über die erzielten Resultate. Es ist danach mit den vorerwähnten Maßnahmen in den acht älteren Provinzen des Staa­tes eine dauernde Erhöhung der Elementarlehrer-Besoldungen um den Gesammtbetrag von ca. 600,000 Thlr. jährlich erreicht, indem der aus allgemeinen Staatsfonds überwiesenen Summe von 165,000 Thlr. und den aus Spezialfonds flüssig gemachten Beihülfen eine Mehr­leistung der Rächsiverpflichteten zum ungefähren Betrage von 430,000 Thlr. Hinzugetreten ist. Während die in dem 15jährigen Zeitraum von 1852 bis 1866 bewirkten Besoldungsverbesserungen sich auf über­haupt 989,364 Thlr. jährlich belaufen, erreicht die letzte allgemeine Verbesserung fast zwei Drittel dieser Summe; mit Einschluß derselben sind also die Elementarlehrcr-Besoldungen in den gedachten Provinzen seit 1852 um mehr als eine und eine halbe Million Thaler jährlich verbessert worden.«

Die Berichte aus der Provinz Preutzen über den Stand der Saaten lauten überwiegend günstig. Erfreulich war es schon, daß die vielfach geäußerte Besorgmß: es werde sich ein Mangel an Sommersaat Herausstellen und ist Folge dessen eine sehr unzulängliche Frühjahrsbestellung erfolgen, sich glücklicher Weise nicht verwirklicht hat. Nach sorgfältigen Er­mittelungen sind nur in den Kreisen Iohannisburg, Lyck und Oletzko des Regierungsbezirks Guinbinnen einzelne Sommerungs- felder vielleicht zum Theil aus Mangel an Saatgetreide unbestellt geblieben/ doch betragen die in den bezeichneten drei Kreisen nicht bebauten Sommerfelder kaum 1 Prozent der für diese Bestellung benutzbaren Gesammtfläche, und es ist hierbei noch zu berück­sichtigen , daß vielfach besondere wirthschaftliche Gründe die Richtbestellung geboten haben, unter Anderem, daß Futter­mangel die Ausdehnung der Weideschläge räthlich erscheinen ließ. Ucbrigens läßt die hierdurch dem Acker gewährte Ruhe nach der künftigen Bestellung eine um so ergiebiger lohnende Ernte erwarten.

3m Allgemeinen ist nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge zu hoffen, daß die Gesammternte der Provinz, falls nicht noch unglückliche Witterungseinflüsse dazwischen treten, eine gesegnete sein und dazu beitragen wird, die schweren Ver­luste der letzten Jahre mehr und mehr auszugleichen.

Unser König hat am 11. d. M. Abends 8 Uhr die be­absichtigte Reise nach Bad Ems angetreten und ist daselbst am folgenden Tage früh 81 Uhr im erwünschten Wohlsein einge­

troffen. Auf der Reise wurde Se. Majestät überall von der Bevölkerung auf das Herzlichste begrüßt. Die Stadt Ems war zum Einzüge des Landesherr« festlich geschmückt, und ein zahl­reich versammeltes Publikum empfing denselben bei seiner An­kunft mit den freudigsten Zurufen.

Amtlicher Bericht über die Theilnahme Sachsens an dem Kriege von 1866.

Den großen Werken, welche in Preußen und Oesterreich von amtlicher Stelle über den Feldzug des Jahres 1866 herausgegeben worden, reiht sich jetzt ein vor Kurzem erschienener Bericht des Königlich sächsischen Generalstabes an. Derselbe hält stch wesent­lich an die militärischen Gesichtspunkte und zeichnet sich durch unbefangene, sachgemäße Darstellung aus. Der guten Haltung der sächsischen Truppen in jener denkwürdigen Zeit ist von Seiten Preußens niemals die gebührende Anerkennung versagt worden.

Ganz besondere Aufmerksamkeit verdienen in dem Bericht des sächsischen Generalstabes die Mittheilungen über den Rück­zug der geschlagenen Heereskörper nach dem Tage von König- grätz. Diese Mittheilungen ergänzen in beachtenswerther Weise die schon bekannten Angaben über den unmittelbaren Eindruck des gewaltigen Ereignisses auf die feindlichen Truppen.

Die sächsischen Truppen (so heißt es im erwähnten Bericht) gingen, obgleich der Rückmarsch bei der Mehrzahl der neben dem sächsischen Corps marschirenden österreichischen Truppen in der Nähe von Königgrätz ein sehr ungeregelter, zum Tbeil aufgelöster wurde, in fester taktischer Ordnung und ruhigen Schrittes bis an die Elbdefiles zurück. Angefeuert durch ihre Offiziere, widerstanden die Bataillone dem Andrange des Stromes der zurückgehenden Massen, der sie oft zu durchbrechen drohte. Die Batterien hatten außerdem in ihrer Marschordnung nicht nur mit den Schwierigkeiten des Terrains, sondern auch mit dem Andrange der Flüchtigen zu kämpfen, welche die Geschütze zum leichtern Fortkommen zu benutzen gedachten. Große Verwirrung richtete endlich die schwere österreichische Reiterei an (wahrscheinlich von der 1. Rcservc-Kavallcric-Division), welche als dichter Schwärm auf die Kolonnen cinritt und alles durchbrach, was ihrem Rückzüge entgegenstand. Die Hauptursachen der wachsenden Verwirrung lagen nicht allein in der Unbekanntschaft der rctiriren- den Truppen mit der Lage der Elbübergänge, sondern auch darin, daß die Corps des Centrums und Theile des rechten Flügels der Festung Königgrätz zustrebten, weil die nördlich daran gelegenen Brücken theils vom Feinde schon okkupirt, theils beschossen waren, während die säch­sischen Truppen, dem Strome schräg emgegengehend, den ihnen an- gcwieseueu Rückzugspunkt Platzka zu gewinnen strebten.

Vom sächsischen Corps vermochte nur ein kleiner Theil bei Platzka über die Elbe zu gelangen. Um das Maß des Mißgeschicks voll zu machen, war die Schließung der Thore der Festung Königgrätz befohlen worden, die Stauung der Gräben, Vorgräben und Inunda- tion aber in vollem Gange. In ein Labyrinth von Wasserzügen und Ansumpfungen eingeke/lt, konnten nunmehr die der Oertlichkeit unkun­digen Truppen weder vor-, noch seitwärts. An Umkehr war wegen des Nachdrängens nicht zu denken. Eine Menge Fuhrwerke wurden ins Waffer gestürzt, darunter selbst ein Wagen mit sächsischen Blessir- ten; mehrere Reiter, an die Ränder der Gräben gedrängt, überschlugen sich hinein. In dieser Lage suchten viele durch llcberklcttern der Palissadirungen und Außenwerke, Durchschreiten der mehr und mehr sich anfüllenden Gräben, sowie der Elbe selbst, das jenseitige Ufer zu erreichen. Einer großen Anzahl gelang dies, so Mancher ertrank aber auch.

Schrecken bemächtigte sich endlich Aller und steigerte die Verwir­rung aufs höchste, als die vordersten an die Gräben der Festung ge­drückten Massen der Oesterreicher anfingen, ihre Gewehre auszuschießen, wodurch nicht allein eine Anzahl Soldaten verwundet wurde, son­dern auch momentan die Vermuthung Platz griff, der Feind siebe bereits auf dem jenseitigen Elbufer und greife die Festung an, sei vielleicht selbst im Besitze derselben. Es werden diese Andeutungen des düstern Bildes genügend erklären, daß in solcher Situation die bis­her bewahrte geschlossene Ordnung, sowie der Zusammenhang auch bei den sächsischen Abtheilungen nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte, und daß Verluste, namentlich an Material, nicht zu vermeiden waren. Anzuerkennen ist es aber, daß trotz der nun eintretenben Auflösung und Versprengung die Königlich sächsischen Truppen, als endlich Nachts 11 Uhr die Thore der Festung zum Durchgang geöffnet worden waren, sich schnell zum Theil noch im Laufe der Nacht vom 3. zum 4. Juli zu taktischen Körpern und Kolonnen wieder zu sammeln wußten, die bereits am 5. Juli in der Mehrzahl und am 7. Juli in der Gesammt­heit ihre Vereinigung bewirkten.«

Den Verlust der Sachsen durch die Schlacht von Königgrätz giebt der Generalstabs - Bericht auf 59 Offiziere, 1489 Mann an Todten, Verwundeten und Gefangenen an. Außerdem verlor das sächsische Heer 1 Geschütz und 53 Fuhrwerke, zum größten Theil Munitions-, Requisiten- und Medizinwagen.

verantwortlich: L Liedtke in Berlin.

Berlin, Druck und Verlag der Königlichen Geheimen Oder-Sofbuchdruck««i (9t -. Decker).