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Vermischte Anzeigen.

Aufruf.

Nachdem wiederholte Mißernten das Gedeihen der Provinz Preußen beeinträchtigt hatten, ist durch die beispiellose Rasse der verstossenen Sommer- und Herbstmouate die Hoffnung des Sandmannes, namentlich in der östlichen Halste der Provinz, beinahe vollständig vernichtet worden. Da es an lohnender Arbeit mangelt, werden die hohen Getreidepreise dem Armen geradezu unerschwinglich. Für diejenige Bevölkerung, welche zur Arbeit im Freien fähig ist, werden die aller Orten durch den Staat in's Leben gerufenen oder geförderten Unternehmungen von Kunststraßen, Eisenbahnen und Landes­meliorationen hoffentlich anhaltenden Verdienst gewähren. Für die öffentliche Armenpflege werden die Kreis- und Kommunalverbände, so weit es nöthig ist, mit staatlicher Unterstützung, zu sorgen haben. Es gilt nunmehr, auf dem Wege freier Vereinsthätigkeit, derjenigen zahlreichen Klaffe von Personen beiderlei Geschlechts, welche auf häusliche Arbeit angewiesen und dazu befähigt ist, vor Allem Beschäftigung jeder Art, durch Spinnen und Weben, Stricken und Nähen u. s. w. zu vermitteln, die Bertheilung dieser Arbeit an Ort und Stelle zu betreiben, und deren Er-, Zeugnisse zu verwerthen.

Um dieses Werk der Nächstenliebe und des Patriotismus fest zu begründen und über das ganze Vaterland zu verbreiten, sind die Unterzeichneten, auf Anregung und unter dem Protektorate Seiner Königlichen Hoheit des Kronprinzen zu einem

Hülfsverein für Ostpreußen

zusammengetreten.

'Namens und im Auftrage unsres hohen Protektors richten wir an Alle, die zu geben Willens und fähig sind, die dringende Bitte, mit uns einem über 500 Quadratmeilen und über eine Bevölkerung von 1,300,000 Seelen ausgebreiteten Nothstände durch Darreichen und Sammeln von Liebesgaben thatkräftig entgenzncreten. Die kaufmännischen Korporationen, die landwirthschafUichen Vereine, die Erwerbs- und Wirlhschaftsgenossenschaslen und Freunde der guten Sache in allen Theilen der Provinz Preußen werden bereit sein, die von uns aufgebrachten Mittel zu vertheilen. In brüderlichem Zu­sammenwirken mit allen Vereinen, welche denselben oder verwandte Zwecke verfolgen, insbesondere mit dem Vaterländischen Frauenvereine, der unter dem Protektorate Jbrer Majestät der Königin eine segensreiche Wirksamkeit zu entfalten begonnen hat, wollen wir mit Gottes Hülfe nach Kräften Arbeit geben und Arbeit belohnen. Wir hegen die zuversichtliche Hoffnung, daß unser Beginnen, von der begeisterten Zustimmung Aller getragen, unsern darbenden Mitbürgern wirksame Hülfe bringen und der Provinz, welche dem preußischen wie dem deutschen Vaterlands jederzeit willig ihr Herzblut dar­gebracht hat, den Dank der Nation abstatten werde.

Berlin am 20. Dezember 1867.

Indem wir vorstehenden Aufruf des Berliner Hülfsvereins für Ostpreußen veröffentlichen, richten wir an alle Bewohner der hiesigen Stadt die dringende Bitte, zur Linderung des in der Provinz Ost­preußen herrschenden großen Nothstandes nach Kräften beizutragen.

Jeder der Unterzeichneten wird dankend Gaben entgegennehmen.

Hanau am 4. Januar 1868.

Cassian. L. von Deines. C. F. Schröter. C. Bornes. W. Backes. Friedrich Fischbach.

H. F. Ziegler. Heinrich Deines. Grobe. Vollbracht. Nickel. Eberhard. Wilhelm Una

(Firma Cari Böhm u. Comp.) C. Rößler. Eo. Blachiere. Karl Jung. Sinbenbauer.

Lukaè.

*) Auch die Reduktion des Wochenblatts für den vorhinnigen Regierungsbezirk Hanau erklärt sich gern bereit, milde Gaben in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern.