Tagelöhne u. s. w. stehen heute zwei- bis dreimal so hoch als früher. Daraus folgt, daß auch ein ungleich viel höherer Nutzen dem Boden abgewonnen werden muß, wenn der Landmann sein Auskommen finden soll Sein ganzes Streben mnß also dahin gehen, auf dem möglichst wohlfeilen Wege Nachhaltig die möglichst größten Ernten zu erzielen. Dazu ist viel Nachdenken, Beobachten und Nachrechnen nöthig, ja gewiß viel mehr als ein Fabrikarbeiter oder gewöhnlicher Handwerker für seinen Beruf bedarf. So muß der rechte Bauer vor Allem seinen Boden nach Bestandtheilen und Zusammensetzung genauer kennen, um diejenigen Pflanzungen ermitteln zu können, welche auf demselben am reichlichsten gedeihen. Hiernach bestimmt sich auch die Art der Fruchtfolge und der Bestellung , die Art der Bodenbearbeitung, der Düngung, der Bodenverbesserung. Jede Gegend hat hierin ihre Eigenthümlichkeiten, welche gekannt sein müssen, um Vortheil daraus zu ziehen, wie jede Pflanzenart wieder ihre besonderen Bedürfnisse erzeigt und nur dann den höchsten Nutzen bringt, wenn diese gehörig beobachtet werden.
Der rechte Bauer weiß, daß das Gedeihen und Emporkommen der ganzen Wirthschaft wesentlich va- rauf beruht, daß möglichst viel Futter für das Vieh erzeugt wird. Viel Futter bringt viel Dünger, und der Dünger ist die Macht des ganzen Betriebes. Der gute alte Schlendrian begnügt sich noch immer mit dem kargen Futter geringer Wiesen, mit mageren Weiden und der Brache. Der denkende Bauer aber rechnet aus, daß er auf einem Acker, den er mit Klee, Runkelrüben und Futtermais bestellt, mehr Heuwerth gewinnt, als auf einem gleich großen Stück Wiesboden, und daß er also im Verhältniß mehr Vieh zu erhalten vermag und mehr Dünger gewinnen und verwenden kann. Er rechnet — das ist der Prüfstein des verständigen Landwirths. Ohne Rechnen, Messen und Wägen ist keine genaue Beobachtung, kein klarer Einblick in den Stand und Gang der eigenen Wirthschaft möglich. Fängt er aber an zu rechnen, so wird er auch bald anfangen sich die Fortschritte der neuern Zeit in der Landwirthschaft zu Nutze zu machen. Der Schlendrian hat keinen schlimmeren Feind und die Neuerungen haben keinen zuverlässigeren Prüfstein, als das Rechnen. Rechnet der Bauer aus, daß ihm ein verbesserter Pflug bei schönerer Arbeit so und so viel an Zeit und an Zugkraft erspart, so wird er bei aller Sparsamkeit finden, daß die größere Ausgabe gewagt werden darf, weil sie sich bald wieder ein« bringt. Er wird finden, daß die Kosten für verbesserte Düngerstätten, für Ankauf von Gyps, für Drainirung der Felder, für allerlei verbesserte Gerächt, ja sogar für ein gutes landwirthschaftliches Buch oder eine landwirthschaftliche Zeitung wohlangelegte Posten sind, die sich mit reichen Zinsen wieder heimzahlew Zwar ist der Bauer in der Regel
kein Freund des Lesens und hat auch nicht viel Zeit dazu; aber ein freies Stündchen findet doch sich hin und wieder, und ein nachdenkender Mann sucht auch auf diesem Wege Belehrung zu schöpfen und die Erfahrungen Anderer kennen zu lernen.
Zu Allem dem gehört nun eben eine ordentliche Schul- und Verstandesbildung. Die macht den Bauern erst recht zum Herrn seines Geschäftes. Wie der Knabe, der sich zum Handwerker bilden will, zu einem tüchtigen Meister in die Lehre gethan wird, so wäre es wohl zu wünschen, daß auch Knaben, die sich der Laudwirthschast widmen wollen, ihre Lehre bei einem tüchtigen Landwirthe machen könnten, und daß sie dann nach Vollendung derselben ein paar Jahre auf die Wanderung gingen, um den landwirthschaftlichen Betrieb anderer Gegenden kennen zu lernen und mit reichen Erfahrungen auf den eigenen Hof zurückzukehren. Für wohlhabende Bauernsöhne ist aber der Besuch einer landwirthschaftlichen Schule von großem, lebenslangem Vortheil. Sie lernen daselbst ihren Beruf denkend aufzufassen, sammeln die nothwendigen Naturkenntnisse und lernen alle wichtigen Verbesserungen und Fortschritte in der Landwirthschaft aus eigener Anschauung kennen und verwerthen. Ist aber der Besuch solcher Schulen den zukünftigen Landwirthen nicht möglich, so sollen sie wenigstens keinen Anlaß versäumen, um Belehrung über ihren künftigen Beruf und über das mannichfaltige und wunderbare Wesen und Leben der Natur, welche die Werkstätte ihrer Arbeit sein wird, zu gewinnen. Ein rechter Knabe wird alles ansbieten, einmal ein rechter Bauer zu werden; denn ein rechter Bauer ist ein einsichtiger, freier und glücklicher Mann.
(d. Tschudi landw. Leseb.)
(Landwirthschaftlicher Anzeiger für Kurhessen, Nr. 13 von 1866).
Ankunft und Abgang der Dahnzl'ige
vom 17, Oktober 1866 an bis auf Weiteres.
Von Hanau nach Frankfurt: Morgens 5,5, 6+5 85o, 1158; Nachmittags 1,,, 23 5 , *4S, Abends 5,o, *82 5, 105.
Von Frankfurt nach Hanau: Morgens *7, 82 5, *11 ; Nachmittags 12, 5, 25, 32 5, 44 „Abends 7, 9, 11...
Von Hanau nach Aschaffenburg: Morgens *72 s, 9.,, *11,5: Nachmittags 24,, 420 ; Abends 74 5, H50. '
Von Aschaffenburg nach Hanau: Morgens 42 0, 748, IO4„;Nachmittags 12-0, *83 0; Abends *74 5, 9.
Die mit * bezeichnetenZüge sind Schnell- oder Courierzüge
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