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daß zwei kräftige Männer dasselbe noch wegtragen können, also wenn viele oder wenige Menschen ein Faß benutzen, etwa 6—10 Tage, wird es entfernt und ein leeres Eingestellt.
Die eine zu lösende Aufgabe, nichts in das Erdreich eindringen zu lassen, wird hiermit auf das Vollständigste erfüllt. Berechnet habe ich am angeführten Ort die Kosten der Abfuhr nach diösem System (zum Zweck der Düngung) auf 8 Sgr. pro Kopf der Bevölkerung im Jahre: ein Betrag, der durch seine Niedrigkeit die Männer der Wissenschaft, welche sich zur Aufgabe gestellt haben, die Menschheit von den Liebeln, welche sie drücken, möglichst zu befreien, mit wahrer Freude erfüllen muß. Richt allein der Cholera wird hiermit die Macht genommen, viele andere Quellen von Unge- sundheiten werden damit zugleich zum Versiegen gebracht.
Pettenkofer schlägt diese anderen Schädlichkeiten sehr hoch an. Er sagt: ich bin überhaupt weit entfernt zu glauben, daß wir aus diesem Wege (die Desinfection der Excremente) die Cholera je ganz abzuhalten und aus der Welt zu tilgen im Stande fyn werden. Dem Gesundheitszustand im Großen und Ganzen wird es sogar größeren Vortheil bringen, wenn wir sie nicht ganz vertilgen, denn alsdann sind wir gezwungen, unser ganzes Heil nicht blos m der Vernichtung des Keims, den der Verkehr verbreitet, sondern auch beständig auf den Keimboden der Cholera unser Augenmerk zu richten und diesen so unempfänglich als möglich zu machen. Wenn unsere Wohnungen einmal aufhören ein Keimboden für Cholera zu sein, dann haben wir damit ohne Zweifel auch noch anderen Feinden des Menschengeschlechts, z. B. Ileotyphus (Nervenfieber) und anderen Krankheiten die Thür verschlossen.
Die vorgeschlagene Einrichtung, Fässer an Stelle der Senkgruben zu stellen, kann uns aber-nicht sofort gewünschten Schutz gewähren, der infiltrirte Boden wird fortfahren, schädliche Zersetzungsprodukte zu entsenden, da aber neue organische Materien nicht hinzukommen, so muß das doch zuletzt aushören. Augenblickliche Wirkung und vollständigen Schutz werden wir aber haben, wenn wir die Ausleerungen von Personen, welche angesteckt in die Stadt kommen, verhindern können wie auf Schiffen, den Ansteckungsstosf wieder zu erzeugen, wir müssen die Excremente in Zeiten der Gefahr desinficiren, und gerade die Einrichtung mit solchen Fässern macht die Ausführung möglich, während bei der jetzigen Einrichtung des Latrinenwesens dies garnicht gehörig ausgeführt und überwacht werden kann. Eisenvitriol, welcher dazu vorgeschlagen ist, hat die Eigenschaft, daß er zarte pflanzliche Organismen tödtet, er wird in der Landwirthschaft dazu benutzt, den Waizen, welchen man säet, zu beizen, damit die Pilzsporen, welche dem unbewaff-
neten Auge nicht sichtbar, an den Körnern hängen und in den Boden gebracht, im nächsten Jahre den gefürchteten Brand erzeugen, getödtet werden.
Die Untersuchungen des Prof. Jul. Kühne in Halle haben gelehrt, daß Kupfervitriol viel wirksamer ist, und gebrannter Kalk ebenfalls diesen Dienst leistet, und letztere beiden Mittel werden in der Landwirthschaft vorgezogen. Man nimmt in neuester Zeit an, das MiaSma der Cholera sei keine Luftart, sondern bestehe in einem, dem bloßen Auge Nicht sichtbaren Organismus. Soll derselbe durch eine Beize gelobtet werden, so muß diese eine gewisse Concentration haben; Pettenkofer hält pro Person und Tag 1 Loth Eisenvitriol für ansreichend. Will man das Beizmittel in die Senkgrube werfen, so muß soviel hineingethan werden, daß der ganze Inhalt die nöthige Concentration erhält, um die Cholerakeime der frisch hineingekommenen Ausleerungen angesteckter Personen zu tödten. Man wird sehr viel Eisenvitriol dazu gebrauchen.
Da wo die Aborte direkt in Kanäle münden, ist das Einschüttcn eines Beizmittels natürlich fast zwecklos. Soll bei der jetzigen Einrichtung der Latrinen das Desinficiren Erfolg haben, so muß, so lange die Gefahr dauert, allgemein der Nachtstuhl gebraucht werden, und erst, nachdem man die Beize 1—2 Stunden auf die Ausleerung hat einwirken lassen, darf dieselbe in den Abort entleert werden.
Niemand wird nach dem vorstehend Mitgetheilten darüber in Zweifel sein, daß eine genügend durch - geführte Desinfection der Ausleerungen, wie sie allein den verlangten Schutz vor dem gefürchteten Feind gewähren kann, bei den jetzigen Einrichtungen des Latrinenwesens nicht zu erreichen ist. Ist aber die vorgeschlagene Einrichtung mit den Fässern allgemein eingeführt, dann bietet eine allgemeine und gründliche Desinfection keine Schwierigkeiten mehr. Die Unternehmer der Abfuhr, welche den Inhalt der Fässer zum Düngen an die Landwirthe verkaufen, lassen das Desinfektionsmittel in die Fässer bringen, wenn dieselben frisch untergestellt werden; die richtige Ausführung ist leicht zu überwachen. Wird man erst Fabriken zur Bearbeitung der Excremente auf s. g. künstlichen Dünger haben, dann werden diese, um keinen Verlust an Stickstoff zu erleiden, die Fässer täglich wechseln, die Sicherheit wird dadurch größer, man darf wohl sagen absolut werden.
In einem Hospital von Cholera-Kranken würde als Desinfektionsmittel der frisch gebrannte Kalk wohl allen anderen Mitteln vorzuziehen sein; er würde in einem Kasten von Holz oder Eisenblech, oder in einem mit Steinplatten belegten Raum mit soviel Ausleerungen der Kranken vermischt, daß das Ganze einen coustanten Brei bildete; dieser würde täglich auf die Felder zum Düngen gebracht werden. Eine verhältvißmäßig so große Quantität von Kalk läßt keinen Organismus unzerstört.