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Gemeinnützige Nachrichten

Geschichte der Einführung des Kaffee» trankes im Orient und im Occident.

(Fortsetzung.)

' Man brennt zuerst die Bohne sorgfältig und zerstößt sie, nachdem sie erkaltet, in einem Mörser zu einem feinen Pulver und übergießt letzteres in einer Kanne njit kochendem Wasser. Die Kanne wird nun auf einem heißen Bleche glühend gemacht und der Brei fortwährend mit einem Löffel umgerührt. So wie der Kaffee nun aufwallt und sich hebt wobei er jedoch nicht förmlich kochen darf wird er mit dem Satze in die Taste eingeschenkt und genossen. Obgleich er bei manchen reformatorischen Sekten verboten ist, so können sie doch kaum seinem.Ge­nusse widerstehen, wie z. B. die Abu-Ali-Beduinen in Oman. Wenn gleich sie zu der Lehre der Wa- habiten, welche den Kaffee und den Tabak verdam­men, übergetreten sind, so fanden neuere Reisende doch in ihrem Lager stets einen Sklaven mit dem Stoßen der gerösteten Kaffeebohnen in einem Mör­ser beschäftigt, der dabei so rhhtmischmit der Keule an die Seiten desselben anschlug, daß der dadurch hervorgebrachte Thon fast einem Glockengeläute glich, welches er mit seinem Klagegesang begleitete. Die am äußersten Nordende der sinait^ischeu Halbinsel im Gebirge wohnenden Beduinen bereiten sich ihr täg­liches Getränk auf die Weise, daß sie die Kaffeebohnen zwischen.zwei Steinen zerstoßen und jedes,Mal nur so viel, als sie gerade brauchen. Der Trank soll sehr stark und trefflich sein; Milch und Zuck r als Zuthat ist unbekannt. Die bekannte Schwärmerin Lady Esther, welche eine Zeit lang unter diesen dürf­tigen Beduinen wohnte und wenn sie Kaffee trank, diesem Zucker hinzufügte, soll deshalb von ihnen für verrückt gehalten worden sein. Fast ein jeder Araber führt sein Kaffeegeschirr mit sich, bestehend aus einem kleinen Topf, einem runden Eisenblech zum Rösten der Bohnen und ein paar Schalen; diese gefüllt und die dampfende Pfeife sind dem Aermsten wie dem Reichsten nach jeder Anstrengung die erste Erquickung, das erste Bedürfniß. Durch Burckhardt's längeren Verkehr mit diesem Volke und besonders durch seinen längeren Aufent­halt am Mittelpunkte des mohamedanischen Völker­lebens , an der Kaaba zu Mekka und am Grabe des Propheten zu Medina lernte er in seinem gan­zen Umfange kennen, wie sehr der Kaffeetrank sich dort eingebürgert hat. In Medina fand er den Genuß desselben ganz unmäßig und es ist kaum möglich, daß die, Holländer mehr in Thee schwel­gen können, als die Bewohner dieser Stadt in Kaffee; in den dortigen Gärten und Weinbergen konnte man das käufliche Obst eben so gut mit Kaffeebohnen wie mit baarem Gelde bezahlen. In Djidda, welches man als den Hasenort von Mekka ansehen kann, traf Burckhardt 27 stets stark be­suchte Kaffeehäuser an, in denen Nicht selten man­

cher Gast täglich 2030 Tassen, freilich kleiner als die europäischen, zu sich nahm. Auf dem Wege von Djidda nach Mekka, so wie durch ganz Hedjas setzt man anf allen Stationen der Karawanen dem Reisenden keine Kaffeetassen, sondern kleine, irdene, Maschrabo genannte Töpfe vor, welche 1015 Tassen Kaffee enthalten und die der Reifende öfters 3-4 mal des Tages an verschiedenen Orten aus- leert. Eine gastliche Einladung des Reisenden zu einem solchen Kasieetranke in der Station auszu- schlagen, würde Jedermann für die größte Belei­digung halten.

In ^erfien hat man ein Sprüchwort, welches lautet:Kaffee ohne Tabak ist wie Speise ohne Salz." Es beweist solches, wie der erstere zum Bedürfniß auch der außerarabischen Bewohner Vor- derasiens und wie aus einem anfänglichen Luxus­artikel eine Erquickung selbst des Aermsten ge­worden ist, die schon zu Anfang des siebzehnten Jahrhnnderes bei den Persern in Gebrauch war. Auch nach Ostindien hatte der Trank sich schon längst von Mocha aus Bahn gebrochen, denn es ist bekannt, daß bereits im Jahre 1642 aus hol­ländischen Schiffen 83,540 Pfund Kaffee dorthin gebracht wurden. Ein Handelsagent, Namens Wurfbahn bemerkt hierzu in seiner ostindischen Reise rc., daß der Kauhwa eine Art Bohnen sei, die allein in dem um Mochha liegenden Gebirge! zu wachsen pflegen und von den Mohamedanern sowohl in der Türkei als auch durch ganz Indien! zur Erhaltung der Gesundheit täglich überflüssige gebraucht werden und zwar wenn selbige im Feuer' ganz kohlschwarz gebrannt, dann gestoßen und ge­stoßen und gekocht, tranken sie das Wasser davon - ganz sied- und brennend heiß, vorgebend, daß es den ganzen Leib erhitze; die äußere Schale, Kesfer genannt, gebrauchen sie auf gleicher Weise und zwar zu des Leibes gänzlicher Erkühlung in größter Hitze und bedienen sich solches Trankes anstatt des Wei­nes , wie denn dergleichen Kauhwahhäuser bin und; her sehr viel gefunden werden.

Daß derselbe Trank schon im Jahre 1573 zu Aleppo in Gebrauch war, erzählt der in Augsburg j geborene Arzt Leonh. Rauwolf in der eigent­lichen Beschreibung der Raiß rc. mit folgende» Worten: Unter andern haben in Halepo ein gut Getränk, welches sie hoch halten, Chaube genannt, das gar nahe wie Dinten so schwarz und in Ge­bresten, sonderlich des Magens gar dienstlich. Di- ses pflegens am Morgen * früh auch - an offenen Orten vor jedermenuiklich ohne alles Abscheuen zu trinken, aus irdenen und porzelanischen, tiefen Scha- lein so warm als sie's konnten erleiden, setzend oft an, thun aber kleinere Trünklein und laffens gleich weiter, wie sie nebeneinander im Krayß sitzen, herumt gehen. Zu dem Wasser nehmen sie Frücht Bunu, von Inwohnern genannt, die außen, in ihrer Größe und Färb, schier wie Lorbeer mit zwei